Yuji Takeoka

»Der Leere eine Form geben« – diese Formel könnte das künstlerische Werk Takeokas zusammenfassen. Das Zentrum seiner Objekte sind Leerstellen: Rahmen ohne Bilder, Vitrinen ohne Kunstschätze, Absperrungen ohne Installationen, und als wichtigste Gruppe Sockel ohne Skulpturen. Wo der Inhalt zu fehlen scheint, rücken die musealen Hilfsgegenstände in den Vordergrund der Wahrnehmung. Mit hochwertiger Bearbeitung und Materialien wie Blattgold macht Takeoka sie zu kostbaren Objekten.

Yuji Takeoka wird 1946 in Kyoto in Japan geboren. Er studiert von 1968 bis 1972 an der Kyoto City University of Arts und von 1973 bis 1979 an der Kunstakademie Düsseldorf. 1995 wird er zunächst als Gast-Professor, ab 1998 als regulärer Professor an die Hochschule für Bildende Künste nach Bremen gerufen.

»Der Leere eine Form geben« – diese Formel könnte das künstlerische Werk Takeokas zusammenfassen. Das Zentrum seiner Objekte sind Leerstellen: Rahmen ohne Bilder, Vitrinen ohne Kunstschätze, Absperrungen ohne Installationen, und als wichtigste Gruppe Sockel ohne Skulpturen. Wo der Inhalt zu fehlen scheint, rücken die musealen Hilfsgegenstände in den Vordergrund der Wahrnehmung. Mit hochwertiger Bearbeitung und Materialien wie Blattgold macht Takeoka sie zu kostbaren Objekten. Vielfach lässt er ihre Oberflächen in traditioneller Handwerkskunst in Japan so perfekt lackieren, dass keinerlei Arbeitsspuren zu erkennen sind, wie auf dem eleganten Wandsockel Trance (2001) aus rotem Kunststein. In den hochglanzpolierten Oberflächen der Standing Sculpture III (2007/08) oder den Sieben Sockeln (2006) aus Messing spiegeln sich der Raum und der Betrachter.

Takeokas Stücke weisen häufig »Lücken« auf, wie die Schattenbox Kinpaku (2006/07). Es ist ein 20 × 50 x 20 cm kleiner, rechteckiger Wandsockel, aus dem eine Ecke heraus geschnitten ist. Beim Betrachten geschieht etwas Unerwartetes: Das Hirn vervollständigt die Form, füllt die »Lücke«. Dieses Phänomen ist jedem bekannt, der einmal das Bild von vier zueinander gerichteten Winkeln angesehen hat: Das Auge gaukelt eine komplette Fläche vor, zum Beispiel ein Quadrat, obwohl nur die Ecken zu sehen sind. Diesem visuellen Effekt können wir uns nicht entziehen, und Takeoka nutzt ihn geschickt: Die Leere wird plötzlich raumgreifend, als modelliere der Künstler sie. Solche Wechselspiele zwischen Auge und Fantasie sind charakteristisch für Takeokas Objekte, ebenso wie für seine Inszenierungen, wenn er einfache Glashauben und niedrige Sockel so platziert, dass die Werke sowohl miteinander als auch mit dem Raum zu korrespondieren scheinen.

Der Sockel ist in seiner langen Tradition als Gestaltungselement zwischen Kunst und Architektur reich in Symbolik und Formensprache. Er gliedert den Raum und erhebt die Kunst. Erst Rodin stellt seine Figurengruppe Bürger von Calais 1884 auf eine einfache Bodenplatte und setzt so die Kunst auf Augenhöhe mit dem Betrachter. Im 20. Jahrhundert bildet sich eine Vielzahl neuer Formen aus. Brancusi macht mit seiner Endlosen Säule (1938) ein einfaches Sockelelement zur autonomen Plastik. Mit seinem Werk About Brancusi (1996), das aus der Endlosen Säule stammen könnte, benennt Takeoka konkret seine Anbindung an diese Kunst.

Takeokas Ausstellungstätigkeit beginnt 1978 im Kunst- und Museumsverein Wuppertal. Erste Solo-Schauen zeigen der Heidelberger Kunstverein 1980 und das Kunstforum der Städtischen Galerie im Lenbachhaus München 1981. Es folgen Ausstellungen in der Galerie Konrad Fischer in Düsseldorf 1986, im Japanischen Kulturinstitut Köln und im Bonner Kunstverein 1987 sowie internationale Teilnahmen im Museum van Hegendaagse Kunst in Gent 1989, in Shibukawa, Japan, 1990 und im Edinburgh College of Art 1991. 1992 nimmt Takeoka an der Dokumenta IX teil. Er stellt 1996 im Kunstverein Ruhr in Essen und 1997 im Westfälischen Kunstverein Münster aus. Das Haus Works of Art in Tokyo zeigt im Jahr 2000 eine Retrospektive des Künstlers. Es folgen weitere Museumsschauen, unter anderem in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden 1998/99, im National Museum of Art in Osaka 1992, der Kunst- und Ausstellungshalle Bonn 2003 sowie 2011 im Josef Albers Museum Quadrat in Bottrop und 2012 im Gerhard Marcks Haus in Bremen.

Yuji Takeoka lebt und arbeitet in Düsseldorf und Bremen.

Literaturauswahl

Yuji Takeoka. Zum Nullpunkt der Bildhauerei. Sculpture at Square Zero: Ausst.-Kat. Gerhard-Marcks-Haus, Bremen, hg. v. Bettina Berg, Bremen 2012

Yuji Takeoka. Museo: Ausst.-Kat. Josef-Albers-Museum, Quadrat Bottrop, hg. v. Heinz Liesbrock, Bottrop 2011

Yuji Takeoka: Ausst.-Kat. Württembergischer Kunstverein Stuttgart; Westfälischer Kunstverein Münster, hg. v. Martin Hentschel, Stuttgart 1997

Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger

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