Wolfgang Ludwig

Bewegung, Tiefe, Relief und leuchtendes Flimmern entstehen in Ludwigs Arbeiten durch die Physiologie des menschlichen Auges. Ludwig ist mit seinen Kinematischen Scheiben, die sich tatsächlich nicht bewegen, sondern nur über eine Sinnestäuschung dem Auge Bewegung und Raum evozieren, ein typischer Vertreter der Op(tical) Art – und letztlich zudem ein zeitgemäßer Trompe-l’oeil-Künstler.

Wolfgang Ludwig wird 1923 im thüringischen Mielesdorf geboren. Im II. Weltkrieg ist er als Nachrichtentechniker an der Ostfront eingezogen. Ab 1947 studiert er bis 1950 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, wechselt dann nach Westberlin und setzt dort sein Studium an der Hochschule der Bildenden Künste unter dem Bildhauer Hans Uhlmann und dem Maler Alexander Camaro bis 1956 fort.

Der rational konstruktivistische Ansatz von Uhlmann verstärkt Ludwigs Hinwendung zur geometrischen Abstraktion. 1955 erhält er ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes. Ab 1958 arbeitet er mit Buntfarbenfeldern, deren Grenzen oszillierend in einander verlaufen und so für das Auge Farbvibrationen, Farbbewegung erstellen. Von 1957 bis 1967 ist Ludwig freier Mitarbeiter des Berliner Architekten Paul G. R. Baumgarten. In dieser Zeit, 1963 bis 1970, entstehen Ludwigs kinematische Scheibenbilder. Sie variieren immer einen festgelegten Form- und Farbenbestand: quadratisches Format, mittiger Kreispunkt oder Kreisfläche, umgeben von radialen Kreissegmentkeilen. Der quadratische Grund ist immer schwarz oder weiß, entsprechend entgegengesetzt ist die Farbwahl der jeweils aufgebrachten Segmentstrahlen. So erzielt Ludwig über die Flächengestaltung einen radialen Bewegungsfluss sowie eine konvexe oder konkave Massestruktur.

Bewegung, Tiefe, Relief und leuchtendes Flimmern entstehen in Ludwigs Arbeiten durch die Physiologie des menschlichen Auges. Ludwig nutzt gezielt die Trägheit des Sehprozesses, indem er seine Kreissegmentstreifen ganz eng setzt, mittig verjüngt und den Kontrast von Schwarz und Weiß derart ausreizt, dass dem Auge immer noch ein Nachbild auf der Netzhaut bleibt. Diese Überlagerungen von jetzt mit dem kurze Zeit zuvor Gesehenem erzeugen jene Flimmer-, Raum- und Bewegungseffekte. So ist Ludwig mit seinen Kinematischen Scheiben, die sich tatsächlich nicht bewegen, sondern nur über eine Sinnestäuschung dem Auge Bewegung und Raum evozieren, ein typischer Vertreter der Op(tical) Art – und letztlich zudem ein zeitgemäßer Trompe-l’oeil-Künstler.

Wolfgang Ludwig wird 1967 Dozent an der Akademie für Grafik und Druck in Berlin. In den Jahren 1971 bis 1991 hat er eine Professur für Visuelle Kommunikation an der Hochschule der Bildenden Künste in Berlin inne. Wie sehr und vor allem wie lange sein optischer Illusionismus der Scheibenbilder tatsächlich die zeitgenössische visuelle Kommunikation beherrschen, zeigt beispielsweise das Logo der »Glücksspirale« ebenso wie das Werbesymbol von »Ebay«. Ab 1989 wendet sich Ludwig der figürlichen Collage zu, deren Elemente er Werbung und Illustrierten entnimmt. Wolfgang Ludwig stirbt am 25. März 2009 in Berlin.

Literaturauswahl

Op Art: Ausst.-Kat. Kunsthalle Schirn, hg. v. H. Hollein, M. Weinhart, Frankfurt/M., Köln 2007

A. Rittmann: Im Blickpunkt … Wolfgang Ludwig (1923 — 2009): Kinematische Scheiben, Kunstmuseum Gelsenkirchen, o.J.

Wolfgang Ludwig: Sax and Sound. Bilder und Collagen: Ausst.-Kat. Schwartzsche Villa, Berlin 2005

M. Lauter (Hg.): Konkrete Kunst in Europa seit 1945, Sammlung Peter C. Ruppert, Würzburg 2002

Happy Days. Wolfgang Ludwig, Bilder und Collagen 1997 — 2000: Ausst.-Kat. Berlin 2000

E. Roters: Die Verwandlung, Berlin, Potsdam 1992

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Foto: Tobias Roch, Hagen

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