Winfred Gaul

Er selbst sagt »ich bin ohne Markenzeichen«, womit er andeutet, dass sein Werk ohne stilistische Fixierung, vielmehr von Etappen gekennzeichnet ist. Der »in Schüben« malende Gaul setzt sich in seinem ?uvre sowohl mit zeitgenössischer Malerei (u.a. Informel, Farbfeldmalerei, Op- und Popart, Hard-Edge-Malerei) auseinander und rezipiert durch Formate, Bildgrenzen und Techniken die historische Kunst.

Winfred Gaul wird 1928 in Düsseldorf geboren. Nach eigener Aussage erfährt er weder als Kind noch als Jugendlicher künstlerische Förderung. Als 16-Jähriger wird Gaul in den letzten Kriegswochen des Jahres 1945 noch als Soldat an die Ostfront geschickt. Nach dem Krieg beendet er seine Schulzeit und studiert 1949 an der Universität Köln Kunstgeschichte und Germanistik.

1950 wechselt Gaul an die Kunstakademie in Stuttgart und studiert dort bis 1953 bei Willi Baumeister und Rolf Henninger. Im gleichen Jahr reist er erstmals nach Paris und lernt dort Jean-Pierre Wilhelm kennen, einen nach Frankreich emigrierten Kunstkenner, der 1957 nach Düsseldorf zurückkehrt und dort seine Galerie 22eröffnet. Wilhelm macht Gaul mit der informellen Malerei bekannt. Gaul studiert nun die Werke von Wols, Fautrier, Dubuffet, Hartung, Soulages und Mathieu. Diese Auseinandersetzung mit dem Pariser Informel findet in Gauls Arbeiten der 50er Jahre ihren Niederschlag. Es entstehen materialbewusste, gestisch und koloritisch expressive Bilder. Ab 1955 hat Gaul sein eigenes Atelier in Kaiserswerth bei Düsseldorf. Befreundet mit Peter Brühning, ist er ab 1953 Mitglied der »Gruppe 53«.

Gauls erste Einzelausstellung findet 1956 in der Galerie Gurlitt in München statt. Der Künstler sagt über sich selbst (Interviews 1988 und 1998), er male in Schüben, denen jeweils konkrete Konzepte zugrunde liegen. Aus der Phase des Informel befreit sich Gaul mit einer Serie von Weiß-Malereien, die bereits 1959 mit Arbeiten wie u.a. Blanc Angélique einsetzen und die ihn ab 1961/62 zu streng geometrisch gebauten Signal-Bildern führen. Nicht nur die radikale Ablösung aus dem gestisch geprägten Stil des Informel ist kennzeichnend für Gauls sich fortwährend neu konstituierende Malerei. Er selbst sagt dazu »ich bin ohne Markenzeichen«, womit er andeutet, dass sein Werk ohne stilistische Fixierung, vielmehr von Etappen gekennzeichnet ist: Dass »jeder Stil zur Sackgasse wird, wenn man nicht wie z.B. Picasso rechtzeitig einen Ausweg findet oder einen Haken schlägt, …«, ist seine Überzeugung (Gaul ebd.).

Dennoch verbinden zwei Aspekte Gauls Werkphasen miteinander. Er experimentiert konsequent und kontinuierlich mit seinen Bildformaten: auf die Spitze gestellte Quadrate, Tondi, Hochrechtecke mit querrechteckigen Auskragungen am oberen Bildrand, Dreiecke oder sich im Dreierschritt ändernde Seiten- und Höhenmaße, mit denen er Triptychen alludiert. Konstant bleibt auch sein intensiver Umgang mit den Malmitteln (Farben und Träger) und deren Auftragtechnik: konservativ mit Öl und Pinsel auf Leinwand, innovativ mit Lack auf Holz, mit Acryl, Dispersions- oder Siebdruckfarben auf Leinen oder Baumwolle. Als Malwerkzeuge setzt Gaul neben Pinseln, Wischer und Schwämme ein.
Der »in Schüben« malende Gaul setzt sich in seinem Œuvre sowohl mit zeitgenössischer Malerei (u.a. Informel, Farbfeldmalerei, Op- und Popart, Hard-Edge-Malerei) auseinander und er rezipiert durch Formate, Bildgrenzen und Techniken die historische Kunst.

In den Jahren 1964/65 ist Gaul Gastdozent an der staatlichen Kunstschule in Bremen. 1967 bis 1969 lebt Gaul in Antwerpen. Antwerpen, Ligurien und Düsseldorf sind fortan seine Lebens- und Arbeitsorte. Für die Universität Heidelberg erarbeitet er in den Jahren 1969 — 1973 drei Großskulpturen. Bereits auf der Documenta II, 1959 vertreten, nimmt er 1969 mit seinen Farbmarkierungen ebenfalls der Documenta teil. Seine Malerei wird 1973 in Deutschland auf einer großen Wanderausstellung gezeigt.

2003 stirbt Wilfred Gaul in Düsseldorf.

Literaturauswahl

Winfred Gaul: in Bildern denken: Malerei von 1958 — 2003: Ausst.-Kat. Museum am Ostwall, Dortmund, hg. v. K. Wettengl, Dortmund 2005

Kettler, H.: Winfred Gaul: Unterwegs zum Bild, o.O. 2003

Posca, C.: Interview mit Winfred Gaul: Jeder Stil wird zur Sackgasse, in: Althöfer, H. (Hg.): Informel. Der Anfang nach dem Ende, Bd.1, Dortmund 1999

Romain, L.: Winfred Gaul der Maler, München 1999

Winfred Gaul: Ohne rechten Winkel, Malerei 1964 — 1989: Ausst.-Kat. von der Heydt-Museum, hg. v. S. Fehlemann, Bönen 1998

Romain, L.: Winfred Gaul. Werkverzeichnis, Bd. 1: 1949 — 61; Bd. 2: 1962 — 83, Düsseldorf 1991/93

Thiel, H.: Interview Winfred Gaul: Ich war schon vor 30 Jahren postmodern, in: Kunstforum 96, 1988

Gaul, W.: Picasso und die Beatles: Erinnerungen, Aufsätze, Kommentare zur Kunst nach ’45, Lamspringe 1987

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger

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