Willi Baumeister

Mitte der 20er Jahre wird Willi Baumeister international erfolgreich. 1941 wird der Künstler unter Mal- und Ausstellungsverbot gestellt. Als Wortführer der abstrakten Malerei in Deutschland nach 1945 gründet er 1949 die Gruppe der »Gegenstandslosen«.

Willi Baumeister wird am 22. Januar 1889 in Stuttgart geboren. Dort absolviert er 1905 — 07 eine Lehre als Dekorationsmaler, die er mit der Gesellenprüfung abschließt. Gleichzeitig studiert er seit 1906 an der Kunstakademie in Stuttgart, an der er, vom Militärdienst 1907/08 unterbrochen, in der Kompositionsklasse von Adolf Hoelzl bis 1920 sein Studium fortsetzt. Dort entsteht 1911 die lebenslange Freundschaft zu Oskar Schlemmer, mit dem sich Baumeister besonders in seinen in den 1920er Jahren entstehenden Mauerbildern künstlerisch auseinandersetzt. Im Jahr 1913 ist Baumeister in der Ausstellung des 1. Deutschen Herbstsalons der Galerie Sturm in Berlin vertreten. Doch die wichtigsten zeitgenössischen Kunsteindrücke erfährt Baumeister 1912 auf seiner ersten Parisreise. In dieser Zeit selbst dem Impressionismus folgend, rezipiert er Cézanne, den Kubismus aber auch Toulouse-Lautrec und Gauguin. Im Kriegsjahr 1914 hält sich Baumeister nochmals in Paris auf, was in seiner Malerei zur Formreduktion des Gegenständlichen hin auf geometrische Abstraktionen führt. Zugleich lösen sich Formen und Farben und verselbstständigen ihre jeweilige mimetischen Qualitäten. Bei Kriegsausbruch 1914 wird Baumeister eingezogen und bleibt bis Kriegsende Soldat.

Baumeister experimentiert seit 1919 unter dem Einfluss zeitgenössischer Künstler (Dubuffet, Le Corbusier) und seiner Rezeption prähistorischer Höhlenmalerei mit den Farbzumischungen von Sand und Kies, die seine Mauerbilder auf ganz eigene Weise naturalistisch wirken lassen. Seit diesem Jahr entstehen in Folge auch 17 Bühnenbilder. Mitte der 20er Jahre wird Baumeister international erfolgreich. Er stellt in Paris 1925 in »L’Art d’aujourd’hui« aus und ist 1926 an einer New Yorker Ausstellung beteiligt. Neben den vielen Pariser Künstlerkontakten, besonders zu Léger, mit dem er 1922 in der Galerie Sturm in Berlin ausstellt, lernt er dort 1926 Kasimir Malewitsch kennen. 1927 erhält Baumeister einen Ruf an die Kunstgewerbeschule (später Städel-Schule) in Frankfurt/M., an der er bis zu seiner Entlassung 1933 Gebrauchsgraphik, Typographie und Stoffdruck unterrichtet. Zugleich ist er seit 1927 Mitglied des von Schwitters gegründeten »ring neue werbegestalter«. 1930 ist er Mitglied der beiden Pariser Künstlergruppen »Cercle et Carré« und »Abstraction-Création«. Sein strenger Geometrismus ist zu dieser Zeit vom abstrahierten organischen Formen abgelöst und durchsetzt mit Symbolformen, die der archaischen Höhlenmalerei entlehnt sind.

1937 trifft auch Baumeister das nationalsozialistische Verdikt der »entarteten Kunst«. Seit seiner Entlassung als Werbegraphiker arbeitend, tritt er 1937 in die Wuppertaler Lackfabrik Dr. Kurt Herberts & Co. ein, und findet dort eine mäzenatische Nische für seine weiteren Materialexperimente. 1941 wird der Künstler auch unter Mal- und Ausstellungsverbot gestellt, doch genießt er bereits internationales Renommee. In dieser Zeit beschäftigt sich Baumeister, angeregt durch Goethes ontologische Idee der »Urpflanze«, mit afrikanischen und altamerikanischen Skulpturen, die er auch sammelt. Und er schließt 1945 seine theoretische Schrift Das Unbekannte in der Kunst ab, die 1947 publiziert wird. 1946 erhält er den Ruf der Stuttgarter Kunstakademie, an der er bis in sein Todesjahr die Klasse für Dekorative Malerei leitet. Als Wortführer der abstrakten Malerei in Deutschland nach 1945 gründet er 1949 die Gruppe der »Gegenstandslosen«, die 1950 unter dem Namen »ZEN 49« gemeinsam ausstellen. Nun zeigt sein Werk malgestische All-Over-Strukturen, Farbräumlichkeiten sind mit landschaftlichen Formanmutungen ausgestattet, für die schließlich der Begriff der »metaphysischen Landschaft« geprägt wird.

Buchstäblich mit dem Pinsel in der Hand vor seiner Staffelei stirbt Willi Baumeister am 31. August 1955 in seinem Stuttgarter Atelier.

Literaturauswahl

Laboratorium Lack: Baumeister, Schlemmer, Krause: Ausst.-Kat. Kunstmuseum Stuttgart, bearb. v. A. Matyssek, Tübingen 2007

Wyss, B.: Die Wiederkehr des Neuen, Hamburg 2007

Im Rampenlicht. Baumeister als Bühnenbildner: Ausst.-Kat. Kunstmuseum Stuttgart, hg. v. M. Ackermann, München 2007

Doll, N. (Hg.): Kunstgeschichte nach 1945: Kontinuität und Neubeginn in Deutschland, Köln 2006

Willi Baumeister 1889 — 1955. Die Frankfurter Jahre 1928 — 1933: Ausst.-Kat. Haus Giersch, hg. v. M. Großkinksy u. B. Sander, Frankfurt/M. 2005

Schürle, W.; Conrad N.J. (Hg.): Zwei Zeitalter. Eiszeitkunst und die Bildwelt Willi Baumeisters, Ostfildern-Ruit 2005

Beye, B. und Baumeister, F.: Willi Baumeister. Werkkatalog der Gemälde, Ostfildern-Ruit 2002

Willi Baumeister et la France: Arp, Cahn, Cézanne, Delaunay, Gleizes, Hélion, Le Corbusier, Léger, Miró, Ozenfant, Picasso, Mondrian, Seuphor: Ausst.-Kat. Musée d’Unterlinden Colmar, hg. v. S. Lecoq-Ramond, Paris 1999

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

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