Vladimir Yankilevsky

Er gehört zur ersten Generation jener unter dem Begriff »non-konform« gefassten Moskauer Künstler in der sozialistischen Ära. 1975 können die Moskauer Avantgardisten im Rahmen einer Wirtschaftsausstellung erstmalig ihre Arbeiten zeigen. In der Folge verbessert sich die Situation offenbar auch für Yankilevsky. 1980 wird er zur Künstlervereinigung zugelassen, seine Werke werden nun häufiger im In- und Ausland gezeigt.

Vladimir Yankilevsky wird 1938 in Moskau geboren. 1941 wird die Familie in das Dorf Koslovka evakuiert und kehrt erst 1944 nach Moskau zurück. 1945 — 46 verbringt Yankilevsky, bedingt durch die Stationierung des Vaters, mit seiner Familie ein Jahr in Deutschland. Zurück in Russland, besucht er die Schule. 1957 nimmt er in Moskau das Kunststudium am Polygraphischen Institut auf.

Yankilevsky gehört zur ersten Generation jener unter dem Begriff »non-konform« gefassten Moskauer Künstler in der sozialistischen Ära. In Moskau lernt er Eduard Shteinberg, Yurii Sobolev, Ullo Sooster und Ilya Kabakov kennen, vernetzt sich zunehmend in einer unabhängigen Künstler-, Musiker- und Literatenszene auch über die Grenzen des Landes hinaus. Nach seiner Abkehr vom akademischen Kanon der sowjetischen Kunst Ende der 1950er Jahre, beginnt Yankilevsky in ersten »unabhängigen« Bildern, eine eigene Symbol- und Bildsprache zu entwickeln, die er über Jahre in Serien und Zyklen weiterverfolgt. Er beginnt mit abstrakt-figürlichen Triptychen und Pentaptychen auf Karton (Triptych No. 1: Classical, 1961; Pentaptych No.1: Atomic Station, 1962) – einem auf mehreren Tafeln basierenden Bildtypus, dessen Wurzeln in der christlichen Kunst liegen. Die Idee eines bildlich vermittelten Weltverständnisses und Weltbegriffs, die sich mit den konzeptuellen Gemälden verbindet, wird zu einem Leitmotiv, das Yankilevsky in zunehmend geometrisierenden abstrakten Bildfindungen realisiert (Triptych No. 18: Day In Day Out, 2002).

Anfang der 1960er Jahre kann Yankilevsky das Triptychon Nr. 1 in Moskau ausstellen (Unost’Hotel, 1961). In den folgenden Jahren folgen z.T. provokante Ausstellungen in der Moskauer Künstlervereinigung, die den Künstler zur zeitweisen Annahme eines Pseudonyms zwingen. Weitere Ausstellungen, so u.a. 1965 in der Moskauer Akademie der Wissenschaften werden zensiert und geschlossen, worauf Yankilevsky, der nun ein Atelier in Moskau unterhält, sich auch an Ausstellungen im Ausland beteiligt (Tschechoslowakei, Polen, DDR) und zunehmend Kontakte nach Westeuropa herstellt (Ausstellungen in Italien, 1970 in der Galerie Gmurzynska Gallery in Köln, 1973 in der Galerie Dina Vierny, Paris). Seine Arbeitsbedingungen werden zunehmend schwerer, 1971 wird seine Aufnahme in die Künstlervereinigung der UdSSR abgelehnt. Yankilevsky arbeitet nun als Animator für den Film (Andrei Khrzhanovsky, »The world of Tales«, 1973) und setzt diese Arbeit bis Anfang der 1980er Jahre fort. Neben den Triptychen und Pentaptychen der Anfangszeit entstehen in der Folge Objekte, Assemblagen und raumgreifende Installationen in Serien und Zyklen, in denen die Auseinandersetzung mit der politischen Situation und dem Stellenwert des Individuums in der UdSSR im Vordergrund steht. Die Serien der Türen (Door: Dedicated to the Parents of My Parents), 1972), die sich bis 2005 fortsetzt, aber auch die Serie der People in Boxes entwickeln bedrückende Szenarien räumlicher Enge, in denen die individuelle Raumerfahrung zu einem wesentlichen Merkmal wird. In der Serie People in Boxes zeigen die eng in Kästen eingepassten Figuren, deren Körperform die der Kästen bestimmt, den Verlust von Handlungsfähigkeit im Raum. Eingepferchte, zusammengefaltete, umgebogene, verdrehte Körperkonstruktionen lassen hier auch Erinnerungen an dadaistische Figurenensembles, aber auch Folterszenen wach werden. Der Zyklus der Stadt-Bilder erweitert dieses Motiv in größere Raumzusammenhänge und bezieht dabei ebenso Yankilevskys umfangreiches Repertoire an abstrakten, geometrisierten und figuralen Zeichen wie die Prinzipien der Collage/ Assemblage ein.
Ein weiteres Hauptthema Yankilevskys ist die Beziehung zwischen dem (männlichen) Selbst und dem (weiblichen) Anderen (Triptychon No. 5: Adam und Eva, 1965), das er auch in der Serie Der Künstler und sein Modell seit Ende der 1960er Jahre aufgreift und hier im Rahmen eines traditionellen künstlerischen Genres in Malerei, Zeichnung und Druckgrafik bearbeitet.

Anlässlich der Emigration des Freundes Alexander Rabinovitch widmet ihm Yankilevsky 1974 den Triptychon No. 11: Moments of Eternity. 1975 können die Moskauer Avantgardisten im Rahmen einer Wirtschaftsausstellung erstmalig ihre Arbeiten zeigen. In der Folge verbessert sich die Situation offenbar auch für Yankilevsky. 1980 wird er zur Künstlervereinigung zugelassen, bis Ende der 1980er Jahre werden seine Werke nun häufiger im In- und Ausland (Kunstmuseum Bern; Musée national’Art moderne, Paris) gezeigt: 1987 wird der Arbeit Yankilevskys eine erste Retrospektive in Moskau gewidmet, ein Jahr später findet während seiner ersten Reise in den Westen eine Übersichtsschau im Museum Bochum statt. 1990 zieht Yankilevsky nach New York, ein Jahr später nach Paris, wo seine Werke von nun an neben Ausstellungen in New York, Düsseldorf und Brüssel häufig gezeigt werden.

Vladimir Yankilevsky lebt und arbeitet in Paris.

 

Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Foto: Tobias Roch, Hagen

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