Victor Vasarely

Seine Interessen konzentrieren sich auf die räumlichen Wirkungen gegenstandsloser Bilder, auf Fragen der Wahrnehmung und Phänomene der optischen Täuschung. Systematisch wendet sich Vasarely immer wieder neuen Aufgabenstellungen in verschiedenen Werkabschnitten zu, deren Benennungen (so u.a. »Denfert«, »Schwarz-Weiß«, »Vonal«, »Vega« u.a.) gleichermaßen Themenfelder wie Systematik widerspiegeln.

Victor Vasarely (Vásárhely Gyözö) wird 1908 im ungarischen Pécs (Fünfkirchen) geboren. Er besucht die höhere Schule in Budapest. Für kurze Zeit studiert er Medizin, wendet sich dann aber der Malerei zu und schreibt sich 1927 an der Budapester Akademie für Malerei ein, absolviert ab 1929 ein Studium an der vom Bauhaus beeinflussten Mühely-Schule in Budapest. Besonders prägend werden daher auch während seiner Ausbildung die künstlerische Ansätze Laszlo Moholy-Nagys und die Rezeption des Bauhauses in Ungarn. Abstrakte, surrealistische und konstruktivistische Tendenzen werden ebenso zu Orientierungspunkten (Blaue Studie, 1929) wie die Entwicklung und die Aufgabenstellungen des Industriedesigns.

1930 zieht Vasarely nach Paris, betätigt sich zunächst auf dem Feld der Werbegrafik und eröffnet ein eigenes Büro. Weiterhin setzt er sich mit den künstlerischen Tendenzen der Zeit auseinander, beschäftigt sich mit dem Kubismus, Surrealismus, wenngleich seine eigenen Arbeiten auch vorübergehend dem Tachismus nahe stehen. Vasarelys Interessen konzentrieren sich jedoch bald auf die räumlichen Wirkungen gegenstandsloser Bilder, auf Fragen der Wahrnehmung und Phänomene der optischen Täuschung. Zunächst sind es bis etwa Mitte der 1940er Jahre Zeichnungen, in denen er sein fundamentales Vokabular abstrakter Linienführung, von Licht- und Schatten-, bzw. Figur-Grund-Formationen und geometrisch ausgerichteter Strukturen entwickelt. Ende der 1930er Jahre entsteht auch die bekannte Folge der schwarz-weißen Zebra-Bilder, in denen der Künstler figurale Formen facetten- und streifenförmig strukturiert und reliefartige Bildwirkungen erzeugt. In der Malerei bleiben Landschaften, Still-Leben und Porträts (Selbstporträt, 1941) bestimmend, wenn sich auch bis in die Mitte der 1940er Jahre stärkere Formschematisierungen abzeichnen.

1944 kommt Vasarely in Kontakt mit der Pariser Galeristin Denise René, die sich federführend vor allem der Ausstellung abstrakter und konstruktivistischer Gegenwartskunst, schließlich früher kinetischer Kunst widmet und u.a. auch Duchamp, Calder, Man Ray oder Tinguely ausstellt. Mit seinen etwa ab 1947 entstehenden, geometrisch-abstrakten Bildfindungen, die auf Projektionen von Quadrat-, Rauten-, Dreieck-, Kreis- und Stabformkonstruktionen und einem neuentwickelten, 220 Farben umfassenden Farbkanon aufbauen, zielt Vasarely verstärkt auf dreidimensionale Bildwirkungen. Zugleich entstehen seit seinem Belle-Ǐle-Aufenthalt 1947 auch reduzierte und kontrastreich realisierte abstrakt-flächige Formkonstellationen.

Systematisch wendet sich Vasarely immer wieder neuen Aufgabenstellungen in verschiedenen Werkabschnitten zu, deren Benennungen (so u.a. »Denfert«, »Schwarz-Weiß«, »Vonal«, »Vega« u.a.) gleichermaßen Themenfelder wie Systematik widerspiegeln. In den 1950er Jahren verdichten sich die geometrischen Bild-Phänomene zu komplexen Muster-Geweben, Rasterungen und Strukturen, mit denen er variierend auf die zuvor entworfenen Grundformen und Farbmodelle zurückgreift. Damit wird er zum Initiator einer neuen, gleichermaßen auf geometrische Formgefüge wie auf optische Bewegungseffekte setzenden Kunst – der Op-Art. Aufgrund der wahrnehmungspsychologischen Wirkungen der Bildmuster – der komplexen Bildstrukturen, irritierenden Figur-Grund-Verhältnisse, räumlichen und kinetischen Bildeffekte – wird die Interaktion von Werk und Betrachter zu einem wesentlichen Teil der künstlerischen Arbeit, wie u.a. die Konzentration auf kinetische Aspekte in seiner schwarz-weißen Hommage a Malevitch (1952 — 58) zeigt. 1955 gelingt Vasarely über die Ausstellung »Mouvement« in der Pariser Galerie Denise René der Durchbruch. In einem Katalogbeitrag, dem »Manifeste Jaune«, behandelt er grundlegend die optischen Illusionen der kinetischen Kunst als Wahrnehmungsphänomene. Anfang der 1960er Jahre erweitert sich das Farbspektrum von Vasarelys Arbeiten. Mit den Form- und Farbkontrasten seines auf geometrischen Grundelementen aufbauenden »alphabet plastique« setzt er seine Untersuchungen zum visuellen Wirkpotenzial der Bilder noch einmal unter veränderten Bedingungen fort. Form und Farbe, Räumlichkeit und Bewegung gewinnen auch in den folgenden Bildern z.T. zellularer und technoider Strukturen an Bedeutung. Seine »universalen Strukturen«, die unter der Bezeichnung »Vega« zusammengefasst sind, zeigen mit ihren konkav oder konvex erscheinenden Strukturgebilden und sphärischen Volumen Ende der 1960er Jahre reliefartig-räumliche Effekte (Vega 200, 1968).
Im öffentlichen Raum, an Gebäuden, in Innenräumen und im urbanen Planungskontext entstehen in dieser Zeit kontinuierlich neue, geometrisch ausgerichtete Arbeiten, so u.a. 1965 die Wandmalerei im Treppenhaus der Pädagogischen Hochschule in Essen oder auch die Fassadengestaltung des Juridicums der Universität Bonn von 1966 — 69 (weitere Arbeiten in Bochum, Caracas, Paris, Montpellier, Grenoble, Zürich, Basel).

In den 1960er und frühen 70er Jahren zählen die Werke Vasarelys sicher zu den meist ausgestellten, seine zum Teil auflagenstark reproduzierten Werke sind nahezu omnipräsent. Auf der Documenta I-III (1955, 1959, 1964) ist Vasarely ebenso vertreten wie in zahlreichen Einzelausstellungen, so zuletzt im Olomouc Museum of Modern Art (2007) oder im Museum Folkwang (2008). 1970 wird ihm ein Museum auf Chateau de Gordes gewidmet (1996 geschlossen), 1976 wird die Vasarely Foundation in Aix-en-Provence, im gleichen Jahr das Vasarely-Museum im Geburtshaus des Künstlers im ungarischen Pécs gegründet. 1987 eröffnet des Vasarely-Museum in Schloss Zichy in Budapest.

Victor Vasarely stirbt am 15. März 1997 in Paris.

Literaturauswahl

Farbe zu Fläche zu Raum, Rupprecht Geiger, Victor Vasarely, Max Bill: Ausst.-Kat. Museum Folkwang, Essen 2008

Victor Vasarely: Bilder, Graphiken und Objekte aus dem Vasarely-Museum in Pécs: Kat. Janus Pannonius Museum, Pécs 2007

Vasarely, Erfinder der Op-Art. Ausst.-Kat. Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen, hg. v. R.W. Gassen, Ostfildern-Ruit 1997

Spies, W.: Victor Vasarely. Köln 1971

Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen

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