VALIE EXPORT

Sie entwickelt ein umfangreiches Werk von fotografischen Bildreihen, Videoarbeiten, Filmen, Beiträgen zu Expanded Cinema, Aktionen und Performances, Skulpturen, Objekten, Zeichnungen und Installationen, die wesentliche Impulse für die Entwicklung und das Verständnis medialer Körper- und Kunstvermittlung geben. Valie Export gehört gleichermaßen zu den Pionierinnen der Videokunst, wie zu den großen KünstlerInnen unserer Zeit.

Valie Export wird 1940 im österreichischen Linz als Waltraud Lehner geboren. Sie besucht die Kunstgewerbeschule (1955 — 58). Erste Selbstporträts und Fotos entstehen. 1960 übersiedelt sie nach Wien und absolviert die HBLVA für Textilindustrie (Design). 1967 entscheidet sie sich für ihren Künstlernamen. 1968 wird sie Mitbegründerin der »Austrian Filmmakers Cooperative«. Ab 1983 übernimmt sie zahlreiche Gastprofessuren, u.a. am San Francisco Art Institute, in München und Linz. Sie unterrichtet mehrere Sommer an der Sommerakademie in Salzburg. 1991 — 95 hält sie eine Professur für Multimedia-Performance an der Hochschule der Künste in Berlin, von 1995 — 2005 ist sie Professorin an der Kunsthochschule für Medien in Köln. Sie kuratiert internationale Ausstellungen und hält zahlreiche Vorträge.

Valie Export entwickelt ein umfangreiches Werk von fotografischen Bildreihen, Videoarbeiten, Filmen, Beiträgen zu Expanded Cinema, Aktionen und Performances, Skulpturen, Objekten, Zeichnungen und Installationen, die wesentliche Impulse für die Entwicklung und das Verständnis medialer Körper- und Kunstvermittlung geben. Sie gehört gleichermaßen zu den Pionierinnen der Videokunst, wie zu den großen KünstlerInnen unserer Zeit. Zu ihren bekanntesten Arbeiten zählt das Tapp- und Tastkino (1968), das sie u.a. in Wien, München, Amsterdam und London präsentiert. Sie montiert hier einen Kasten an ihrem Oberkörper, der in Brusthöhe zwei Eingriffslöcher besitzt. Das Publikum – sei es männlich oder weiblich – kann den Körper der Künstlerin im öffentlichen Raum und doch nur versteckt berühren – eine taktile und interaktive Verbindung zwischen Künstlerin und Publikum wird provoziert und reflektiert. Der eigentliche Akt der Berührung bleibt in dem auf Körpermaße verkleinerten Raum des Tapp- und Tastkinos verborgen. Unter Einsatz des eigenen Körpers bricht Valie Export damit nicht nur das Tabu offener (Homo)Sexualität, kommuniziert nicht nur die Idee, dass Frauen frei über ihren Körper verfügen können und Sexualität zu vergesellschaften ist, sondern übt zugleich unverblümt Kritik an der medialen Verbreitung und Präsenz männlicher Phantasien. Auch weiterhin beschäftigt sich Export in intermedialen Zusammenhängen mit diesen Themen (Touching, 1970; Bilder der Berührungen, 1998).

In Exports Fotografien, so beispielsweise Körperkonfigurationen (1972, 1982), dominiert ebenfalls die radikale, unverblümt gesellschaftlichen Tabus zu Leibe rückende Auseinandersetzung mit Konventionen, den Vermittlungs- und Repräsentationsformen von Frauen und der Zeichenhaftigkeit des Körpers. Hier wird der Körper auch Teil von Landschaften oder des Stadtraumes. In den Fotomontagen von 1976 (Die Geburtenmadonna, Die Strickmadonna, Erwartung, u.a.m.) platziert Valie Export Bilder moderner Frauen mit diversen Haushaltsgeräten in ikonografisch exponierte Werke der Kunstgeschichte, so u.a. in Michelangelos Pietà. Auch in ihren Installationen bezieht sie politisch Position (z.B. Kalaschnikow 2007, Passage des Erinnerns 1996, Anagramatic Body 1994) und dokumentiert ihren konzeptuell und prozessual angelegten künstlerischen Ansatz.

Valie Export zählt in den späten 1960er Jahren zu den heftigst umstrittenen Kunstschaffenden Österreichs, bald zu den international erfolgreichsten KünstlerInnen ihrer Generation. Sie zeigt ihre Arbeiten weltweit, ist auf der Documenta XII (2007) vertreten und bespielt zahlreiche Biennalen, so u.a. in Venedig. 1980 vertritt sie gemeinsam mit Maria Lassnig Österreich im Pavillon und neunundzwanzig Jahre später wird sie gemeinsam mit Silvia Eiblmayr zur Kommissärin ebendieses Pavillons (2009). Sie erhält zahlreiche Preise und Auszeichnungen, 2008 widmet ichr das Centre Georges Pompidou in Paris einen eigenen Ausstellungsraum mit Werken aus der Sammlung. 2009 ist sie u.a. im Museum voor Moderne Kunst Arnhem, im National Museum of Modern Art Tokyo und im Lentos Kunstmuseum Linz zu sehen.

Valie Export lebt und arbeitet in Wien und Köln.

Literaturauswahl

Eiblmayr, S.: Split Reality, Facing a Family, Body Sign Action. Drei frühe Arbeiten von Valie Export, Wien 2006

Guth, D.: Aktionshose, Genitalpanik von Valie Export, Wien 2006

Gržinić?, M.: Valie Export: Eine Erzählung mit Vergeltungsgedanken, Frankfurt/M. 2004

Valie Export, Mediale Anagramme: Ausst.-Kat. Akademie der Künste Berlin, Berlin 2003

Valie Export: Ausst.-Kat. Landesgalerie, Linz 1992

www.valieexport.at

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

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