Uwe Loesch

Seine Plakatentwürfe setzen auf die Unmittelbarkeit der Kommunikation, er will »vermeiden, draußen zu doppeln, was drin ist«, überlässt dem Gezeigten die Kommunikation mit dem Betrachter. Durch die Ausgewogenheit von Bild und Text oder unter Verzicht auf eines der beiden Elemente folgt Loesch dieser Forderung bereits mit seinen frühen Plakatentwürfen.

Uwe Loesch wird 1943 in Dresden geboren. Die Familie übersiedelt 1958 nach Düsseldorf, wo Loesch 1964 das Grafik-Design-Studium an der Peter-Behrens-Werkkunstschule aufnimmt und 1968 abschließt. Nach dem Studium arbeitet er als freier Grafiker und Texter für Verlage, Industrieunternehmen, soziale und kulturelle Institutionen. Museen, Festivals, Messen und Theater zählen zu seinen Auftraggebern. Seit 1974 lehrt Loesch als Dozent am Fachbereich Design der FH Düsseldorf, 1985 wird er dort zum Professor berufen. Seit 1990 ist er Professor für Kommunikationsdesign an der Bergischen Universität Wuppertal.

»Ich überprüfe eigentlich regelmäßig, ob ich die Bildidee nicht weglassen kann. Ich glaube ohnehin, dass das Bild im Kopf stärker ist, als das Abbild. Allerdings gibt es auch fantastische nonverbale Plakate, die nur mittels Bild kommunizieren. Heutzutage kann man ja ganz schnell testen, wie das ganze Teil ohne Bild aussieht. Und meistens ist das reizvoller. Andererseits gewinnen viele fotografische Arbeiten erst an Bedeutung, wenn man sie mit Typographie in Verbindung bringt und eine Wechselbeziehung zwischen Text und Bild herstellt.« (Loesch, in: TypeOff 2005) Uwe Loeschs Plakatentwürfe setzen auf die Unmittelbarkeit der Kommunikation, er will »vermeiden, draußen zu doppeln, was drin ist«, überlässt dem Gezeigten die Kommunikation mit dem Betrachter.

Durch die Ausgewogenheit von Bild und Text oder unter Verzicht auf eines der beiden Elemente folgt Loesch dieser Forderung bereits mit seinen frühen Plakatentwürfen. Fotografie kommt ebenso zum Einsatz wie zeichnerische oder objekthafte Elemente. Sein Plakatentwurf Vom Völkchen, das nicht hören hat gewollt(1968) für das Düsseldorfer »Kom(m)ödchen« reduziert beispielsweise das lediglich halbseitige Foto-Sujet auf die über nacktem, haarigen Bauch genügsam gefalteten und von Handschrift umlaufenen Hände eines Mannes und führt so assoziativ in die Themen des kabarettistischen Abends ein. 1978 konzentriert sich Loesch mit Blaubeeren sind rot wenn sie grün sind – einem Werbeplakat für eine Laserscan-Firma – auf das simple und äußerst wirkungsvolle Spiel mit den Farben in der titelgebenden Parole: Dort führt der Begriff »Blau(beeren)« in gelber, das Wort »rot« in grüner Schriftfarbe u.s.f. gleichermaßen zu Irritation wie Amüsement. Die konzentrierte und überdies bild-schriftlich visualisierte Message liegt in der Gestaltung und ist insofern produktkonform. Auch in den folgenden Plakatentwürfen bleibt die enge Bindung von Inhalt, Bild und Text, von Schriftfarbe und Farbgebung im Bild wesentliches Gestaltungsmerkmal: Beschnitt oder Segmentierung von Schrift und Text durch bildliche Elemente wie in dem Plakat The Point (1979), für das Loesch die selbst entwickelte Type »Transvestitia« nutzt, aber auch konstruktivistisch reduzierte Textsetzungen wie das spiegelverkehrt an »PLAY« angesetzte »BACK« im diagonalen Satz des Plakats Playback von 1982, bestimmen die Gestaltungen.

In den 1980er Jahren entstehen mit bildfüllenden Großaufnahmen mit Eckfeldtypografie (Punctum, 1983) oder geometrisch-typografischen Text-Bild-Konstellationen (An einer runden Form anzuecken ist eine Kunst für sich, 1984) in Loeschs Plakaten neue, aber nicht minder unmittelbar wirkende Synthesen zwischen Gestaltung und Bildinhalt. Zu neuen Gestaltungsformen findet er Ende der 1980er Jahre mit seinen so genannten Fünfminutenplakaten, die er erstmalig für die Ausstellung »Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin« erprobt. Zu dieser Gruppe zählt auch NEWS für EBVscan von 1985, das Plakat das mittels Fotografie eine Vielzahl an Polaroidaufnahmen wiedergibt: »Es zeigt viele Bilder von Fernsehsendungen, die ich eine Nacht lang im YMCA von New York mit einer Polaroidkamera abfotografierte. Zurück in Deutschland, legte ich die Bilder einfach planlos im Nebeneinander auf dem Fußboden aus. Zufälligerweise ergab sich ein Schachbrettmuster. Diese Musterhaftigkeit, die wir exakter schon in römischen Mosaiken vorfinden, wurde von mir unter Vermeidung des rechten Winkels übernommen.« (Loesch ebd.). Für die Bildkonzeption gewinnt das Spiel mit dem Zufall zunächst die Oberhand. Auch die eingefügten Textelemente in diesem Plakatentwurf, wie z.B. der zufällig wirkende, schräg gesetzte Produktname oder der Titel »News« im Hintergrund, der durch das Mosaik der Polaroidfotos zum Teil überdeckt wird, folgen den veränderten Gestaltungsmaßgaben, zu denen ebenso gerissene oder versetzt zusammengefügte Formate zählen. Auch bei der Schrift experimentiert Loesch mit zufälligen Anordnungen, z.B. ausgeschnittenen Schrifttypen, die er in der Entwurfsphase auf die Bildfläche wirft, oder auch computergenerierten Synthesen verschiedener Textelemente.

Die typografischen Gestaltungen vor allem seit Ende 1980er Jahre folgen solchen Prinzipien der Segmentierung, Ausblendung, Verdichtung oder des Versatzes von Text, wie das Plakat Carl Humann. Der Entdecker von Pergamon für das Ruhrlandmuseum Essen (1989) zeigt. Auch die Spiegelverkehrung einzelner Zeilen oder Wortteile setzt Loesch neben rissigen Eingriffen in das Blattformat weiterhin ein (Verfassungslos, 1993). Mit den Plakatentwürfen zu Gruppenausstellungen im Von der Heydt Museum Wuppertal (Tasse oder Untertasse, 1994) und in den Brandenburgische Kunstsammlungen Cottbus (Plakatansichten, 1995), an denen er sich beteiligt, wird der zum Bild formierte Text zum eigenständigen Gestaltungselement. Loeschs Entwurf zur Konferenz der Alliance Graphique International in Mexico 2003, das die in Versalien gesetzten Begriffe »Oaxaca« und »Mexico«, also Veranstaltungsort und -land, bildfüllend in drei Zeilen segmentiert und übereinander blendet, zeigt, dass bei derartigen Strategien die Grenze der Leserlichkeit zugunsten der Synthese von Bild und Text auch überschritten werden kann. Das PlakatHoffnungsschimmer für Indonesien von 2006 setzt auf die mittels regelmäßiger vertikaler Streifen erreichte optische Täuschung, der sich die Wirkung einer hier mit dem Bildformat vereinigten technoiden Schrifttype, eines kommunikationstragenden Bildobjekts verdankt.

Neben dem umfangreichen Œuvre an Plakaten und der typografischen Arbeit entsteht auch Corporate Design und Communication Design für Unternehmen oder universitäre und kulturelle Einrichtungen. Auch der Buchgestaltung widmet sich Loesch. Seine Plakatentwürfe werden vielfach ausgezeichnet, seine Arbeiten in zahlreichen internationalen Ausstellungen – so u.a. 1988 im Museum of Modern Art (New York), 1994 im The Israel Museum (Jerusalem), 1995 im Design-Zentrum Jakarta, 2003 im PAN Kunstforum Niederrhein oder 2004 in der Kunsthalle Weimar – gezeigt, für die er vielfach selbst die Plakate gestaltet. Auf den großen Grafik-Design- und Plakatkunst-Biennalen ist Loesch seit den 1980er Jahren ständig vertreten.

Uwe Loesch lebt und arbeitet in Düsseldorf.

Literaturauswahl

Uwe Loesch_Polis. Politische Plakate: Ausst.-Kat. Kunsthalle Harry Graf Kessler, Weimar 2004

Uwe Loesch: …nur Fliegen ist schöner: Ausst.-Kat. PAN kunstforum niederrhein, Emmerich 2003

Nichtsdestoweniger, Plakate von Uwe Loesch: Ausst.-Kat. Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Mainz 1997

Plakatansichten, Fünf internationale Künstler: Werner Jeker, Uwe Loesch, Gerard Paris-Clavel, Volker Pfüller, Henry Tomaszewski: Ausst.-Kat. Brandenburgische Kunstsammlungen, Cottbus 1995

tasse oder unter tasse. örtlich, zeitlich, persönlich. Künstler und Gestalter der Bergischen Universität Wuppertal, Bazon Brock, Michael Badura, Ursula Wevers, Ulrich Reif, Uwe Loesch: Ausst.-Kat. Von der Heydt Museum Wuppertal, Mainz 1994

Der Ort, die Zeit und der Punkt: Plakate von Uwe Lösch: Ausst.-Kat. Museum für Kunsthandwerk, Frankfurt/ M. 1991

Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

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