Ulrich Rückriem

Mit der ersten Ausstellung seiner steinernen Objekte im Jahr 1969 in der Galerie Konrad Fischer in Düsseldorf wird Rückriem schnell öffentlich bekannt, präsentiert sein Werk 1970 im Haus Lange, Krefeld. Es folgt die mehrjährige Ausstellungstätigkeit auf der Documenta V, VII, VIII und IX. Auf der Biennale von Venedig ist Rückriem 1978 mit vier Arbeiten vertreten.

Ulrich Rückriem wird 1938 in Düsseldorf geboren. Nach einer Steinmetzlehre (1957 — 1959) und seiner Gesellenzeit an der Kölner Dombauhütte, die bis 1961 dauert, unternimmt Rückriem verschiedene Reisen nach Italien, Tunesien, Marokko, Spanien und Frankreich. Ab 1963 arbeitet er schließlich als freischaffender Bildhauer und eröffnet sein Atelier in der Burg Nörvenich bei Düren. 1974 bis 1984 hat er eine Professur an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg, anschließend lehrt er bis 1988 an der Kunstakademie Düsseldorf und nachfolgend an der Städelschule Frankfurt.

Eine erste Werkphase ist dem Experiment gewidmet. Rückriem wendet sich unterschiedlichen künstlerischen Techniken zu, die von der Aktionskunst bis zur Videokunst reichen. Ebenso wechselt er die Materialien, gestaltet in Holz und Eisen, übernimmt auch Auftragsarbeiten in der Porträt- und Grabplastik. Ab 1968 tritt jedoch der Stein als Ausgangsmaterial deutlich in den Vordergrund, wohl auch inspiriert durch eine USA Reise und seine Berührung mit den ästhetischen Konzepten im Umkreis der Minimal Art. In der Folge reduziert Rückriem seine Arbeitstechnik auf zurückhaltende Eingriffe in den steinernen Block, die allesamt auf lineare Grund-Strukturen zu beziehen sind: Schnitt bzw. Spaltung und nachfolgendes Zusammenführen der Teile. Wie von selbst scheinen auf diese Weise stereometrische Grundformen zu entstehen, deren Umrisse und Teilungsmuster wiederum auf den Ort ihrer Ausstellung verweisen. Doch schätzt Rückriem insbesondere auch den stofflichen Charakter der rauen, steinernen Oberfläche, dessen Farbigkeit bzw. Lichtabsorption ihn überdies interessiert.

Auch den Einsatz der Werkzeuge und alle Spuren der handwerklichen Bearbeitung betrachtet Rückriem – im Gegensatz zu den Vorlieben einzelner us-amerikanischer Künstler, u.a. Donald Judds – als wesentliche Aspekte seiner künstlerischen Arbeit. Seine Arbeiten lassen sich eher mit dem auch taktil orientierten Materialverständnis Carl Andres zusammenbringen. Allerdings führen das monumentale Format und auch die Stelen-, Treppen-, und Tempel- Formen seiner Arbeiten oftmals zu mythischen Assoziationen, auch wenn Rückriem inhaltliche Referenzen stets strikt ablehnt und auf Werktitel verzichtet. Lange bleibt Anröchter Dolomit, gewonnen aus Steinbrüchen in der Nähe von Soest, sein bevorzugter Werkstoff. Seit Anfang der achtziger Jahre erbeitet Rückriem auch mit Granit, Dolomitgestein, Holz und Eisen.

Rückriem teilt nach seinem Umzug nach Mönchengladbach von 1969 bis 1975 sein Atelier mit dem befreundeten Blinky Palermo. Mit der ersten Ausstellung seiner steinernen Objekte, ebenfalls im Jahr 1969 in der Galerie Konrad Fischer in Düsseldorf wird Rückriem schnell öffentlich bekannt, präsentiert sein Werk 1970 im Haus Lange, Krefeld. Es folgt die mehrjährige Ausstellungstätigkeit auf der Documenta V, VII, VIII und IX. Auf der Biennale von Venedig ist Rückriem 1978 mit vier Arbeiten vertreten.

Neben musealen Arbeiten übernimmt Rückriem seit Beginn der 1980er Jahre vermehrt auch öffentliche Aufträge, deren denkmalsorientierte Umsetzung auch mit der Ambivalenz des scheinbar Bedeutungslosen operiert. So entsteht 1982 das Bonner Heinrich-Heine Denkmal, 1983 das Denkmal für die deportierten Juden auf der Moorweide in Hamburg und 1988 — 90 ein dezentralisiertes Mahnmal in Düren, das an die Zeit des Nationalsozialismus erinnern soll. Neuere Werke umfassen größere skulpturale Installationen in Huesca (1995), Manchester (1998), Berlin (1998), Sinsteden (1999) und Nürnberg (2000).

Arbeiten Rückriems werden in den letzten Jahren u.a. in bedeutenden Einzelausstellungen im Lenbachhaus München (1995), im Stedelijk Museum Amsterdam (1997), in der Neuen Nationalgalerie in Berlin (1998 und 2004/05) gezeigt. 1994 wird das Rückriem-Museum in Sinsteden eröffnet.

Ulrich Rückriem lebt und arbeitet in Irland und der Normandie.

Literaturauswahl

Wechsler, M.: Ulrich Rückriem, Hallen Sinsteden, Köln 2008

Ulrich Rückriem, eine Installation, Huesca, Manchester, Berlin, Sinsteden, Glarus, Nürnberg: Ausst.-Kat. Neues Museum, Nürnberg 2000

Ulrich Rückriem: Ausst.-Kat. Stedelijk Museum, Amsterdam 1997

Ulrich Rückriem, Lenbachhaus: Ausst.-Kat. Städtische Galerie im Lenbach-Haus, München 1995

Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen

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