Ufan Lee

Sein Kunstverständnis baut auf der grundlegenden Befragung des Bildbegriffs bzw. bildlicher Referenz, des Bildentstehungsprozesses und des Verhältnisses von Bild und Raum, Objekt und Raum auf. In engem Zusammenhang mit seinen Bildern, entwickelt Lee Ufan seit den 1970ern auch unter dem Titel Relatum installative Arbeiten.

Lee Ufan wird 1936 in Kyonsangnamdo (Süd-Korea) geboren. Zwanzig Jahre später, nach der Schulzeit, übersiedelt er nach Japan und schreibt sich zunächst an der Nihon Universität in Tokyo für Philosophie ein, um sich ab 1961 der (Tusche- und Öl-)Techniken zuzuwenden und die traditionelle japanische Malerei »Nihon-ga« zu studieren. Ende der sechziger Jahre setzt auch seine Beschäftigung mit der Skulptur ein. Nun wird Lee Ufan, ebenso durch den Kritiker Ishiko Junzo wie durch die Schriften von Nakahara Yusuke beeinflusst, führender Theoretiker der japanischen Künstlerbewegung Mono-ha, zu deren Wiederbelebung Lee Ufans Schrift »From Things to Existence« beiträgt. In ihren Bildern und Objekten arbeitet die Gruppe, der Lee Ufan bis 1971 angehört, vor allem mit Naturmaterialien, stellt den traditionellen westlichen Kunstbegriff ebenso infrage wie bildliche Repräsentationsstrategien und Referenzsysteme. 1970 — 1972 besucht er Kurse an der Aoyama-Design-Schule und im Atelier Fujimicho in Yokohama, in dem er mit unterschiedlichen Materialien experimentiert. 1986 wird Lee Ufan zum Professor an der Tama Art Universität in Tokyo ernannt, 1997 ist er Gastprofessor an der Ecole National Supérieure de Beaux-Arts in Paris.

Lee Ufans Kunstverständnis baut auf der grundlegenden Befragung des Bildbegriffs bzw. bildlicher Referenz, des Bildentstehungsprozesses und des Verhältnisses von Bild und Raum, Objekt und Raum auf. Beginn der 1970er Jahre entstehen die Bildgruppen From Points und From Lines – grundlegende Auseinandersetzungen mit den Möglichkeiten der Malerei. Durch die Reihung vertikal gezogener Pinselstriche macht er die konzentriert perpetuierende und prozessuale Werkentstehung sichtbar. In den 1980er Jahren gewinnen die gestisch-dynamischen Pinselzüge seiner From Winds und With Winds an Bedeutung: Hier sucht Lee Ufan die Auseinandersetzung mit dem Bild noch einmal in veränderter Weise und in Korrespondenz zum Raum. Das Spannungsverhältnis zwischen Malerei und unbearbeiteter, leerer Fläche, das seine zugleich installativen Serien bestimmt, verdichtet sich in der späteren Correspondance-Serie seit den 1990er Jahren. Hier konzentriert sich der Künstler auf einzelne grau-blaue Pinselsetzungen, wobei er eine sorgsame Mischung aus Ölfarbe und Stein-Pigment auf großen weißen Leinwänden verwendet. Die reduzierten und konzentrierten Pinselstriche verdeutlichen malerische Möglichkeiten, in die auch die Nicht-Bearbeitung des Bildgrundes als Variante eingeschlossen ist (Correspondance, 1997).

In engem Zusammenhang mit den Bildern und bisweilen mit diesen gemeinsam in Ausstellungsensembles installiert, entwickelt Lee Ufan seit den 1970ern auch unter dem Titel Relatum installative Arbeiten. In ihrem seriellen Charakter lassen sich auch sie als bewusst offen gehaltene Möglichkeiten hier künstlerischer Raumerschließung und Ortsbestimmung verstehen. Erneut sind es wenige Bestandteile, Materialien und Konstellationen, mit denen Lee Ufan arbeitet: Findlinge, die gemeinsam mit dünnen Stahlplatten in variierten räumlichen Konstellationen im Innen- und Außenraum auftreten. Der künstlerischen Materialbearbeitung steht die Veränderlichkeit durch äußere Licht- und Witterungsverhältnisse, denen die Arbeiten z.T. auch wieder ausgesetzt werden, gegenüber (Relatum, 1978; Relatum – Response, 2004/05). Die Objektkonstellationen dokumentieren das Interesse an ortspezifischer, bisweilen kulturell codierter Markierung, lassen aber auch in ihrem offenen Raumbezug freie Zugangsweisen zu. Erkennbar fließen in Lee Ufans Arbeiten Ansätze der US-amerikanischen Minimal Art, schließlich der Land Art ebenso ein wie traditionelle asiatische Raum- und Landschaftskonzepte.

1967 findet Lee Ufans erste wichtige Einzelausstellung in der Sato Gallery in Tokyo statt. 1971 ist der Künstler als Repräsentant Koreas auf der 7. Pariser Biennale vertreten. In den letzten Jahren werden seine Arbeiten im Rahmen der Ausstellung »Working With Nature, Traditional Thought in Contemporary Art from Korea« in der Tate Liverpool gezeigt (1992). Im Jahr 2005 widmet das National Museum of Art in Osaka der Bewegung Mono-ha und den Werken Lee Ufans eine umfangreiche Schau. Im Jahr 2000 nimmt er an der Shanghai Biennale teil. Seine Werke sind weltweit in Museumssammlungen präsent, so u.a. im Hiroshima City Museum of Contemporary Art, der Tate Gallery London oder dem Centre Georges Pompidou in Paris.

Lee Ufan lebt und arbeitet im japanischen in Kamakura-shi und in Paris.

Literaturauswahl

Berswordt-Wallrabe, S. v.: Lee Ufan – Begegnung mit dem Anderen, Göttingen 2007

Lee Ufan – Resonance. 52nd International Art Exhibition – La Biennale di Venezia: Ausst.-Kat. hg. v. A. Bonito Oliva, Venedig 2007

Lee Ufan: Ausst.-Kat. Musée d’Art Moderne, Saint-Etienne Métropole, Paris 2005

The Art of Encounter, Texte von 1971 bis 2001 von Lee Ufan, London 2004

Lee Ufan, Gemälde 1973 bis 2001: Ausst.-Kat. Kunstmuseum Bonn, Bonn 2001

Lee Ufan, Correspondance & Relatum: Ausst.-Kat. Städt. Museum Leverkusen, Leverkusen 1995

L. Ufan. With Winds, Bilder 1986 — 1988: Ausst.-Kat. Bochum 1989

Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

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