Tony Smith

Die Körper aus Aluminium oder Stahl stehen solitär in der Landschaft, in Parks, in Wäldern, vor Gebäuden; anorganisch, aber keinesfalls leblos. Im Gegenteil: Durch ihren scharfen Kontrast zu allem anderen fordern sie umso stärker dazu auf, Wahrnehmungsgewohnheiten aufzubrechen, lassen sie alles um sich herum als nicht mehr selbstverständlich gegeben erscheinen.

Tony Smith wird 1912 in South Orange, New Jersey, USA, geboren. In den 1930er Jahren beschäftigt er sich mit Malerei (Fordham University, New York 1934 1936), führt eine Buchhandlung und arbeitet in verschiedenen Jobs, bis er 1937 ein Architekturstudium am New Bauhaus in Chicago aufnimmt, dies aber 1938 enttäuscht wieder beendet. Dennoch wird er Assistent von Frank Lloyd Wright (1938 1939) und arbeitet mehr als 20 Jahre als Architekt. Von 1953 bis 1954 lebt er mit seiner Familie in Nürnberg. Ab 1962 bis zu seinem Tod lehrt er am Hunter College, New York. Sein Interesse an funktionsfreien Baukörpern führt ihn in den späten 1950er Jahren zur Bildhauerei.

Seine Plastiken sind von strenger Gestalt und in jeder Hinsicht stark reduziert: geprägt von rein geometrischen Formen und monochromer Farbgebung; zumeist schwarz. Mit ihrer oft monumentalen Größe entfalten sie ihre Wirkung: Die Körper aus Aluminium oder Stahl stehen solitär in der Landschaft, in Parks, in Wäldern, vor Gebäuden; anorganisch, aber keinesfalls leblos. Im Gegenteil: Durch ihren scharfen Kontrast zu allem anderen fordern sie umso stärker dazu auf, Wahrnehmungsgewohnheiten aufzubrechen, lassen sie alles um sich herum als nicht mehr selbstverständlich gegeben erscheinen.

Viele Zeichnungen und geometrische Berechnungen der Formen, Maße, Proportionen und Konstruktion zeigen Smiths intensive Auseinandersetzung mit Fülle und Leere, mit Flächen, Räumen und Zwischenräumen, Richtungen und Dimensionen. Auf dem Papier korrespondieren Aussparungen und Verdichtungen miteinander. Ab 1961 entstehen mehr und mehr Entwürfe zu Plastiken wie Black Box und Free ride, 1962 ein mit 1,80 Metern mannshoher schwarzer Würfel: Die. Die Kunstgeschichte klassifiziert ihn als ersten puren Kubus in der Kunst und damit auch als wegweisendes minimalistisches Werk – quasi eine dreidimensionale Variante des Schwarzen Quadrats (1913 1915) von Malewitsch, dessen künstlerische Aussage die Negation alles Dagewesenen ist.

Smith experimentiert mit Formkörpern in Papiermodellen, zum Beispiel mit »Negativ-« und ›Positivräumen‹, mit mathematischen oder kristallinen Formen. Einzelne, geschlossene Körper wie etwa eine Pyramide, ein Tetraeder oder ein Oktaeder entstehen als Module – sie dienen entweder als Grundformen für die 47 realisierten Plastiken oder sie werden aus ihnen ausgespart: Ihr Raum bleibt frei. So zum Beispiel in Tau, einer der wichtigsten Arbeiten des Künstlers, deren Entwurf bereits aus den frühen 1960er Jahren stammt, die aber erst posthum in zwei Fassungen realisiert wird. ›It’s art. It’s maths. It’s a laboratory that never closes‹, sagt Smith über seine Kunst (http://pierrofoundation.org am 04.11.2015)

Die Arbeit Smoke (1967) formt ein Gebilde wie eine riesig vergrößerte Mikrostruktur, ein raumfüllendes Gerüst. Sie gilt als bahnbrechend und wird auf dem Cover der Times abgebildet. Viele Arbeiten bestehen aus einem einzigen Körper, wenige sind mehrteilig, wie Maze (1967): vier monumentale schwarze Stahlblöcke stehen auf einer rechteckigen Grundfläche. Sie lassen Zwischenräume offen, aber von vorn ist nur die glatte Front eines einzelnen Blocks zu sehen – ein schwarzes Bild.

Smith ist seit den 1960er Jahren mit Soloausstellungen vertreten, erstmals 1966 im Wadsworth Athenaeum in Hartford, Connecticut. In Deutschland präsentieren ausschließlich das Westfälische Landesmuseum in Münster und das Museum Abteiberg in Mönchengladbach eine Soloschau (1988). Das Museum of Modern Art, New York, richtet 1998 eine umfassende Retrospektive des Künstlers aus, 2010 das IVAM in Valencia und die Menil Collection in Houston sowie zahlreiche Museen weltweit anlässlich seines 100. Geburtstags (2012).

Tony Smith stirbt 1980 in New York.

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

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