Tobias Zielony

Die Bilder lesen sich wie Dokumentationen und Bildreportagen einer scheinbar beiläufig erfassten Szene. Sie folgen dabei den Konventionen des Bildjournalismus, konterkarieren aber zugleich auch die mediale Vermittlung oder verunklaren Ort und Zeit. Zielonys Beschäftigung mit Orten der Jugendkultur, den Peripherien moderner Großstädte wie zielt auf die Sichtbarmachung entlegener oder verborgener Orte: Außenbereiche, Suburbs, Sperrbezirke.

Tobias Zielony wird 1973 in Wuppertal geboren. 1998 — 2001 studiert er Dokumentarfotografie in Newport / Wales und schließt sein Studium mit einer Arbeit über Jugendliche unter polizeilicher Ausgangssperre in Bristol ab (Curfew, 2001). Im gleichen Jahr wechselt Zielony an die Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, wo sein Buchprojekt Behind the Block (Preis des Instituts für Buchkunst Leipzig 2002), das Jugendlichen in vier europäischen Städten nachgeht, entsteht.

Zielonys Beschäftigung mit Orten der Jugendkultur, den Peripherien moderner Großstädte wie Halle, Marseille oder Bristol zielt auf die Sichtbarmachung entlegener oder verborgener Orte: Außenbereiche, Suburbs, Sperrbezirke. In dieser Hinsicht steht seine Auseinandersetzung mit den städtischen oder stadtnahen Unorten durchaus in der Tradition der modernen Fotografie in den Metropolen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Doch sind Zielonys Bilder auch in ganz anderer Weise als Portraits der Jugendlichen, ihrer Treffpunkte, ihres Umfelds angelegt. In der Sequenz zeigen seine Fotografien Spektren möglicher Ansichten auf eine fremde Kultur im eigenen Kulturraum. Die Konfrontation mit den gezeigten Orten jenseits der Öffentlichkeit, die Intimität der Personenkonstellationen, Gesprächssituationen, Blicke oder Genres, die in differenzierter Beleuchtung gezeigt werden, werfen den Betrachter auf den voyeuristischen Blick der Kamera zurück, zeigen aber auch posierende Gestalten oder Gruppen in fremd erscheinenden räumlichen Kontexten. Die Bilder lesen sich wie Dokumentationen und Bildreportagen einer scheinbar beiläufig erfassten Szene. Sie folgen dabei den Konventionen des Bildjournalismus, konterkarieren aber zugleich auch die mediale Vermittlung oder verunklaren Ort und Zeit.

Die Ausstellungen, an denen sich Zielony seit 1998 beteiligt, sind ebenso wie seine Festivalbeiträge vom Interesse an jenen Bildthemen um Urbanität und Öffentlichkeit, Fremdartigkeit oder Vertrautheit städtischer Schauplätze gezeichnet – darunter die Ausstellungen »öffentlich – privat« in der Galerie für Zeitgenössische Kunst, Leipzig (2003); »Stadt/Raum« im Museum am Ostwall, Dortmund (2006) oder das Projekt »Roadmap to Europe« im Kölnischen Kunstverein (2006). Einzelausstellungen Tobias Zielonys finden u.a. 2006 im Kunsthaus Glarus oder im Dortmunder Museum am Ostwall statt.

Tobias Zielony lebt und arbeitet in Leipzig und Berlin.

Literaturauswahl

New Perspectives in Photography: Ausst-Kat. London 2006

Tobias Zielony: Ausst.-Kat. Marion-Ermer-Preis 2004, Marion-Ermer-Stiftung zur Förderung von Kunst und Kultur in Sachsen und Thüringen, red. v. Kai-Uwe Hemken, Weimar 2004

Tobias Zielony: Behind the Block, Institut für Buchkunst, Leipzig 2004

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger

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