Timm Rautert

Seine Bilder fußen im Bereich der Industriefotografie und dokumentarischen Fotografie. Rauterts überwiegend in Serien und Zyklen angelegte Fotografien werfen grundlegende Fragen der Wahrnehmung auf und zielen zugleich auf die Analyse sozialer Wirklichkeiten und die (Selbst- )Reflexion von sozialen Gefügen.

Timm Rautert wird 1941 in Tuchel geboren. 1966 — 71 studiert er bei Otto Steinert Fotografie an der Essener Folkwangschule für Gestaltung, dessen Lehre der subjektiven Fotografie ihn zunächst ebenso beeinflusst wie die moderne Industriefotografie. Rautert bereist während seiner Studienzeit Japan und die USA, wo zahlreiche Fotografien entstehen. In den 1970er Jahren arbeitet Rautert zunächst als Fotojournalist an sozialkritischen Reportagen, u.a. für »Die Zeit«, »Time life« oder »Geo« – beispielsweise über die in Kanada lebenden »Hutterer«, das Leben der »Amish« in Pennsylvania oder auch über die »Factory« Andy Warhols, dem er auch Porträts widmet. Zunehmend tritt er mit freien fotografischen Arbeiten an die Öffentlichkeit. 1993 schließt sich bis 2007 eine Professur für künstlerische Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig an, die nunmehr von Rauterts freier fotografischer Arbeit begleitet wird.

Rauterts Bilder fußen im Bereich der Industriefotografie und dokumentarischen Fotografie. Eine grundlegende Unterscheidung von angewandter Fotografie im Auftrag von Medien und Unternehmen und freier künstlerischer Arbeit vermeidet er jedoch, was auch an gleichzeitigen Projekten in allen Bereichen der fotografischen Arbeit (Porträts, Industrieaufnahmen, Landschaften oder konzeptuellen Werken) deutlich wird. Den maschinellen Produktionsprozessen gilt ebenso seit Ende der 1960er Jahre zunächst sein besonderes Interesse wie den Strukturen industrieller Fertigungsanlagen, so beispielsweise 1968 im Porsche-Werk von Stuttgart-Zuffenhausen (Porsche-Zyklus, 1968/1992), später auch in High-Tech Konzernen wie Siemens, Hoechst oder Mannesmann (Mannesmann-Tally, 1986). Seine Bilder des Handwerks – Holzschuhmacher und Glockengießer – dokumentieren überdies das Verschwinden einzelner manueller Arbeitsfelder im Zuge maschineller und hochindustrieller Fertigungsmethoden.

Rauterts Blick richtet nun verstärkt auf die sozialen Aspekte der Arbeit und Arbeitsbedingungen wie auch die fotografische Erfassung gesellschaftlicher Randgruppen (Obdachlos durch Wohnungsnot, 1973; Deutsche in Uniform, 1974). Seine überwiegend in Serien und Zyklen angelegten Fotografien werfen grundlegende Fragen der Wahrnehmung auf und zielen zugleich auf die Analyse sozialer Wirklichkeiten und die (Selbst-)Reflexion von sozialen Gefügen. Von 1974 bis zu dessen Tod 1983 arbeitet Timm Rautert mit dem Schriftsteller Michael Holzach an gemeinsamen Reportagen zum sozialen Alltag in der Bundesrepublik. Auf Rauterts Auseinandersetzung mit dem Medienwissenschaftler Manfred Schmalriede gehen seit den frühen 1970er Jahren auch bildanalytische Serien zurück, in denen er die fotografische Wahrnehmung wie Arbeit des Fotografen grundlegend thematisiert. Gebrauchsanweisungen begleiten nun seine Bildserien. Nach 1984 publiziert Rautert Bildessays zu Landschaften, Städten und Regionen, die in Zeitschriften und Firmenblättern, in den 1990er Jahren widmet er sich in seinen Bildern dem reproduktiven Charakter der Fotografie.

Im Rahmen von Ausstellungen werden die Fotografien von Rautert in den letzten Jahren u.a. 2006 im Museum der bildenden Künste in Leipzig gezeigt. Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie in Regensburg widmet ihm 2008 im Zusammenhang mit der Verleihung des der Lovis-Corinth-Preises an Rautert eine Retrospektive. 2009 zeigt das Rheinische Landesmuseum, Bonn seine Fotografien.

Timm Rautert lebt und arbeitet in Essen und Leipzig

Literaturauswahl

Wenn wir dich nicht sehen, siehst du uns auch nicht. Fotografien 1966 — 2006 - Timm Rautert: Ausst.-Kat. Sprengel-Museum 2007, Rh. Landesmuseum Bonn 2009, hg. v. H.W. Schmidt, Göttingen 2007/09

Blume, J.; Bose, K. (Hg.): Rückwirkende Realität, Prinzip Fotografie. Timm Rautert Gespräche, Institut für Buchkunst Leipzig, Leipzig 2007

Rautert, T.: Deutsche in Uniform, Göttingen 2006

Timm Rautert: Arbeiten: Ausst.-Kat. Rhein. Industriemuseum Oberhausen, hg. v. U. Herrmann (= Schriften des Rh. Industriemuseums, 20), Göttingen 2000

Timm Rautert, bildanalytische Photographie 1968 — 1974: Ausst.-Kat. Kunstsammlungen Chemnitz u.a., red. H. Wolf, Köln 2000

 

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

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