Thomas Kiesewetter

Kiesewetter faltet Blech; er biegt, presst, spannt und klemmt kleine und große geformte Stücke, wölbt sie konkav und konvex, steckt sie ineinander, stanzt, nietet und schweißt sie zusammen, bis sie eine Plastik bilden, die den Künstler zufriedenstellt. Das heißt: bis die Plastik sich jedem Ansichtspunkt anders zeigt und deshalb praktisch unbegrenzt viele Gestalten annimmt.

Thomas Kiesewetter wird 1963 in Kassel geboren. Ab 1988 studiert er an der Hochschule der Künste in Berlin, wo er sich zunächst auf Malerei konzentriert. Nach einem Meisterschülerjahr 1995 bei Raimund Girke beendet er das Studium. Ab 1999 wendet sich Kiesewetter hauptsächlich der Bildhauerei zu.

Kiesewetter faltet Blech; er biegt, presst, spannt und klemmt kleine und große geformte Stücke, wölbt sie konkav und konvex, steckt sie ineinander, stanzt, nietet und schweißt sie zusammen, bis sie eine Plastik bilden, die den Künstler zufriedenstellt. Das heißt: bis die Plastik sich jedem Ansichtspunkt anders zeigt und deshalb praktisch unbegrenzt viele Gestalten annimmt.

Bei der Suche nach diesen Gestalten hilft gleich mehrfach der Zufall: Kiesewetter skizziert frei und ungeplant Linien mit Schwüngen oder Ecken, spitzen Winkeln oder Wellen, schneidet die gezeichneten Formen aus Pappe und Papier aus, probiert Kombinationen der Teile, Ausrichtungen, Proportionen, Dimensionen, Volumina. Dann setzt er die Einzelteile in Blech um. Damit erweitert sich das Stück bereits um die Materialeigenschaften des Metalls: Härte und Festigkeit, Kraft und Spannung, die glatten Oberflächen und scharfe Kanten. Auch die Wirkungen der entstehenden Plastik entfalten sich mehr und mehr im Zusammenspiel der vielen Elemente. Kiesewetter arbeitet jeweils unterschiedliche Eigenschaften heraus und gibt seinen Werken so ihren Ausdruck. Schließlich poliert er sie oder lackiert sie monochrom – häufig in pastelligen Farben wie Lindgrün, Rosa oder Hellblau, aber auch in Tiefschwarz, Silber oder in kräftigen farbigen Tönen. Selbst die teils T-förmigen Sockel sind häufig farbig gefasst und als ergänzende Bestandteile der Plastiken zu verstehen. Das Formen der Teile und das Komponieren zu einem stimmigen Ganzen ist für den Künstler ein Prozess des Experimentierens – mit einem bis zum Schluss unbekannten, weil nicht steuerbaren Ergebnis. »Zusammenhänge ergeben sich und zerfallen wieder«, sagt Kiesewetter (in: Contemporary fine arts Berlin: Thomas Kiesewetter. www.youtube.com/watch am 17.10.2015). Das zentrale Moment seines Schaffens ist diese Offenheit für Möglichkeiten – von Gestalten, Ideen, Sichtweisen. Die Offenheit der Kompositionen setzt sich idealerweise im Betrachten fort: Auch hier ist nicht definierbar, was geschieht; das Spüren, das vom Werk ausgelöste Fühlen, ist der Kern der künstlerischen Absicht.

Vielfach stehen Kiesewetters Plastiken in künstlerischen Traditionen der Moderne, wie Untitled (2006), die deutlich an Werke der Bildhauerei im frühen 20. Jahrhundert erinnert und die eine seiner wenigen Bronzearbeiten ist. In vielen Arbeiten zitiert der Künstler mit dem Zufall als gestalterischem Prinzip Jean Arp, der ebenfalls den »gelenkten Zufall« nutzte und poetische, zu seiner Zeit neue Formen der Bildhauerei fand. Die rote Plastik auf grünem Sockel Untitled (Neon) (2011) trägt Züge von Zeichnungen Joan Mirós; sie spielt mit kegel- und röhrenförmigen, körperhaften Bauteilen, als würde sie tanzen. Einige Werke Kiesewetters tragen ihre Reminiszenz direkt im Titel, wie die Arbeit Matisse Blau aus dem Jahr 2010.

Kiesewetter ist im Kunstleben vielfach in Solo-Ausstellungen präsent, unter anderem 2015 bei der Philara Sammlung zeitgenössischer Kunst in Düsseldorf, 2013 bei contemporary fine arts in Berlin und bei Sies + Höke in Düsseldorf sowie 2012 in der Städtischen Galerie Wolfsburg. International sind seine Werke unter anderem in der Almine Rech Gallery, Brüssel (2012) und Paris (2009) zu sehen, 2011 bei Grieder Contemporary in Zürich und 2007 bei Roberts & Tilton in Los Angeles.

Thomas Kiesewetter lebt und arbeitet in Berlin.

Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014

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