Thomas Grochowiak

Die Musik stellt eine wichtige Inspirationsquelle für Grochowiaks Kunst dar. Er lässt sich von musikalischen Ereignissen anregen und setzt seine Empfindungen, die durch das Hören klassischer Musikstücke während des Schaffensprozesses entstehen, in lyrisch-abstrakte Bildkompositionen um. Gegenständliche Motive weichen geschwungenen Formen und leuchtenden Farbflächen, die eine rhythmische Dynamik erzeugen.

Thomas Grochowiak wird am 2. Dezember 1914 als Sohn eines Bergarbeiters in Recklinghausen geboren. Sein Wunsch nach einer Ausbildung zum Maler scheitert an den begrenzten finanziellen Mitteln der Familie. Eine Alternative stellt die 1932 begonnene Lehre der Dekorations- und Plakatmalerei in einem Warenhaus in Recklinghausen dar. 1938 wird er in der Dortmunder Niederlassung des Unternehmens Leiter dieser Abteilung und belegt zeitgleich Abendkurse im Malen und Zeichnen an der Meisterschule des Deutschen Handwerks.

Schon früh gilt Grochowiaks besonderes Interesse dem deutschen Expressionismus, seine ersten Arbeiten sind zunächst jedoch realistische Studien, denen ein aufmerksames Studium der Natur zugrunde liegt. Während seines Wehrdienstes im Zweiten Weltkrieg verfolgt Grochowiak seine künstlerische Tätigkeit weiter. In dieser Zeit entstehen stimmungsvolle Landschaften und Darstellungen der Landbevölkerung in ihrer Umgebung, die er kurz nach Kriegsende in einer leerstehenden Geschäftspassage in Detmold präsentiert. Aufgrund des unerwarteten Erfolges seiner ersten Ausstellung steht sein Entschluss endgültig fest, als freischaffender Künstler zu arbeiten.

Begegnungen mit Künstlern aus dem Ruhrgebiet, darunter Emil Schumacher, Hans Werdehausen, Gustav Deppe, Ernst Hermanns und Heinrich Siepmann, zu denen sich enge Freundschaften entwickeln, bedeuten eine neue Verbindung zu seiner Heimatstadt. 1948 zieht Grochowiak mit seiner Frau Elfriede und seiner Tochter wieder nach Recklinghausen. Noch im selben Jahr gründen die befreundeten Künstler die Vereinigung »junger westen« mit der Absicht, die Kunst der Moderne nach der kriegsbedingten Unterbrechung wiederzubeleben.

Die Musik stellt eine wichtige Inspirationsquelle für Grochowiaks Kunst dar. Er lässt sich von musikalischen Ereignissen anregen und setzt seine Empfindungen, die durch das Hören klassischer Musikstücke während des Schaffensprozesses entstehen, in lyrisch-abstrakte Bildkompositionen um. Gegenständliche Motive weichen geschwungenen Formen und leuchtenden Farbflächen, die eine rhythmische Dynamik erzeugen. Die Verbindung von Musik und Malerei entwickelt sich zu einem zentralen Thema innerhalb Grochowiaks Œuvre.

Angeregt durch Sommerurlaube am holländischen Strand entsteht in den Jahren 1954 bis 1956 eine Reihe von Pastellbildern. Im Amsterdamer Hafen wird Grochowiak 1958 auf eine synthetische Tusche aufmerksam, die für die Beschriftung von Überseekisten verwendet wird. Diese Entdeckung ist von großer Bedeutung für seine weitere Arbeit. Mit dem neuen Material, das an die Stelle von Ölfarbe und Pastellkreide tritt, kommt er der Vorstellung näher, in seiner Kunst »Das Schwere zum Schweben zu bringen« (Doris Schmidt (Hg.): Thomas Grochowiak. Monographie und Werkübersicht, Köln 1994, 14). Neben der Teilnahme an Gruppenausstellungen des »jungen westen« werden Grochowiaks Werke in den kommenden Jahren in zahlreichen Ländern, von den Niederlanden über Frankreich, Belgien und die Schweiz bis nach Argentinien und Peru, gezeigt und für hochkarätige Sammlungen erworben.

Ein wichtiges Ereignis im Jahr 1948 stellt Grochowiaks Begegnung mit Otto Burrmeister, dem Gründer der Ruhrfestspiele, dar. Dank Burrmeisters Initiative wird 1950 erstmals parallel zu den Theateraufführungen eine Kunstausstellung in der dafür eingerichteten Städtischen Kunsthalle veranstaltet, deren Organisation Grochowiak und Große Perdekamp übernehmen. Durch Grochowiaks Einsatz entwickeln sich die Schauen zu einem immer bedeutenderen Teil des Festivals. Die Arbeit in der Kunsthalle Recklinghausen, die er von 1954 bis 1980 schließlich leitet, ist der Beginn von Grochowiaks Tätigkeit als Ausstellungsmacher und Kunstvermittler, die auch kulturpolitisches Engagement einschließt. Die vielseitigen Aufgaben haben zur Folge, dass sein künstlerisches Schaffen in den folgenden Jahren zeitweilig in den Hintergrund tritt. Sein rasch wachsendes Netzwerk aus Künstlern, Sammlern und Museumsdirektoren führt zu zahlreichen Einladungen und Anfragen für Vorträge, Ausstellungsprojekte und Mitgliedschaften in kulturellen Vereinen. In Recklinghausen erweitert er seinen Aufgabenbereich durch die Gründung des Ikonenmuseums 1956. Zwei große Erfolge der nächsten Jahre sind die Beteiligung an der Realisierung eines Ausstellungszyklus’ für Amsterdam, Recklinghausen und Venedig und die umfassende Schau jüdischer Kultgegenstände und Kunstwerke im Jahr 1960. 1966 erscheint seine Monographie über den Expressionisten Ludwig Meidner.

In den folgenden Jahren wird Grochowiak mehrmalig zum Generalkommissar der Biennale de Paris und der Triennale in Neu Delhi ernannt, in den geschäftsführenden Vorstand und 1979 zum Ersten Vorsitzenden des Deutschen Künstlerbundes gewählt sowie in den Auswahlausschuss für die Deutsche Akademie Villa Massimo in Rom berufen. Zudem engagiert er sich im Beirat der Kunststiftung Nordrhein-Westfalen, setzt sich für die Naive Kunst ein und organisiert 1968 die Ausstellung »40 Deutsche unter 40«, die in Zürich, Norwegen, Dänemark, Finnland und Schweden gezeigt wird. 1976 wird sein Standardwerk über die Kunst der Naiven in Deutschland veröffentlicht.

Das Jahr 1969 hält besondere Höhepunkte für Grochowiak bereit: Seine Ausstellung »Kunst als Spiel – Spiel als Kunst« zu den Ruhrfestspielen übertrifft alle Besucherzahlen der Vorjahre. Im Anschluss an die Eröffnung lernt er Willy Brandt und seine Frau Rut kennen. Es folgen weitere Begegnungen mit den wichtigsten Politikern des Landes. So begleitet er Helmut Schmidt auf offiziellen Reisen ins Ausland, wird 1980 zum Neujahrsempfang des Bundespräsidenten eingeladen und durch die Staatsoberhäupter für seine Verdienste im Kultursektor geehrt. Nachdem ihm 1969 das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse verliehen wurde, erhält Grochowiak 1980 das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und acht Jahre darauf den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen durch Johannes Rau.

Im Laufe der 1980er Jahre zieht sich Grochowiak aus vielen Ämtern und Aufgabenbereichen zurück, um sich wieder vermehrt seiner Kunst widmen zu können. Vor allem sein mehrwöchiger Aufenthalt in der Villa Massimo in Rom im Sommer 1985 veranlasst ihn, sich erneut auf seine Kunst zu fokussieren. Vorbereitungen zu Ausstellungen mit eigenen Werken wechseln sich in den folgenden Jahren mit produktiven Schaffensphasen im Atelier ab. In den Sommermonaten arbeitet Grochowiak in seinem Gartenatelier in Andalusien. Neben dem spanischen Domizil sind Recklinghausen und Kuppenheim bei Baden-Baden seine derzeitigen Wohnsitze.

Literaturauswahl

Teuber, Dirk: »Thomas Grochowiak«, in: Detlef Bluemler, Lothar Romain (Hg.), Künstler – Lexikon der Gegenwartskunst, Ausgabe 95, München 2011

Schmidt, Doris (Hg.): Thomas Grochowiak. Monographie und Werkübersicht, Köln 1994

Thomas Grochowiak. Lust auf Farbe – von Mozart inspiriert: Ausst.-Kat. Kunsthalle Recklinghausen, hg. v. Prof. Dr. Ferdinand Ullrich, Recklinghausen 1991

Schröder, Anneliese: Thomas Grochowiak. Monographien zur rheinisch-westfälischen Kunst der Gegenwart, Band 33, Recklinghausen 1967

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger

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