Takis

Raum und Bewegung lotet er in den Télésculpture aus, mit denen Takis in den 1960er Jahren magnetische Effekte an Skulptur, Objekt und in der Malerei – den »Murs Magnétiques« (Long Magnetic Wall (McNamara Line), 1968) und »Télépeintures« – untersucht. Durch die Ausstellungen in der Galerie Clert wird Takis’ Kunst der Magnetfelder bald international wahrgenommen.

(Vasilis) Takis wird 1925 in Athen geboren. Seine Kindheit verbringt er in dem von Ioannis Metaxas didaktorisch regierten Griechenland, das bald von den Deutschen besetzt wird. Anfang der 1940er Jahre engagiert sich Takis im griechischen Widerstand, wird als Mitglied der Jugendorganisation EPON sechs Monate inhaftiert. Sein Interesse an der Skulptur wächst durch die Auseinandersetzung mit Picassos und Giacomettis Plastiken. 1952 bezieht er gemeinsam mit Minos Argyrakis and Raymondos ein kleines Atelier in Anakassa, in dem erste Gipsarbeiten entstehen (Quatre Soldats). 1954 verlässt Takis Griechenland und zieht nach Paris, wo erste Eisenskulpturen entstehen (Sphinx und Eidolon).

Bald ist Takis Teil der Bewegung um der kinetischen Kunst und des Künstlerkreises, der sich um die Pariser Galerie Iris Clert formiert. In Paris entwickelt er seine an langen, fragil wirkenden Metallstäben angebrachten »Signaux« bzw. Signalobjekte (Signal tétard, 1955), die er bald auch als kinetische Objekte ausführt. Sie werden 1956 im Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris ausstellt. Einen weiteren Schritt vollzieht Takis ab 1957 mit den Signaux Feux d’Artifice, die er nun im Rahmen künstlerischer Aktionen in den Straßen von Paris präsentiert. Zugleich bleiben seine Interessen auch mit den Bronzearbeiten der »Espaces Intérieurs« auf traditionelle Materialien der Skulptur gerichtet. Raum und Bewegung lotet er in den Télésculpture aus, mit denen Takis in den 1960er Jahren magnetische Effekte an Skulptur, Objekt und in der Malerei – den »Murs Magnétiques« (Long Magnetic Wall (McNamara Line), 1968) und »Télépeintures« – untersucht. Durch die Ausstellungen in der Galerie Clert wird Takis’ Kunst der Magnetfelder bald international wahrgenommen.

Neben den kinetischen Objekten nehmen auch Takis’ Performances, die er gemeinsam mit verschiedenen Künstlern, Musikern, Dichtern inszeniert, großen Raum ein. Es kommt u.a. zur Zusammenarbeit mit dem britischen Dichter Sinclair Beiles (»Magnetisches Manifest«) oder dem Musiker Earl Brown, mit dem Takis 1963 die Arbeit Sound of void, den Vorläufer seiner seit 1965 entstehenden Klangskulpturen, Cadrans (1966) und Klangräume (1974) entwickelt. In den 1970er Jahren beteiligt sich Takis auch an Performances mit mit Nam June Paik (Espace musical, 1979).

Die Arbeit an elektromagnetischen Skulpturen führt Takis 1968 — 1969 in die USA an das Massachusetts Institute of Technology (MIT), an dem er sich mit den auf Flüssigkeit wirkenden elektromagnetischen Kräften beschäftigt und die »Sculpture hydromagnétique« entsteht. Zunehmend treten im Verlauf der 1970er Jahre multimediale, raum-, bewegungs- und klangbezogene Projekte in den Vordergrund. Takis sieht den Kern dieser Arbeiten in der »Transformation des Materials in Energie«, in deren Identität. Auch Kompositionen und lichtchoreografische Projekte für Musik- und Theaterbühnen sind dieser Idee verpflichtet – wie beispielsweise 1973 seine Lichtchoreografie für das niederländische Tanzensemble »Elkesis«, 1974 die Filmmusik zu Costas Gavras’ »Section Speciale« oder 1983 Takis’ Musik und Bühnenbild zu Sophocles »Electra« unter der Regie von Michael Kakoyannis. Klangskulpturen, Klangräume (3 totems- Espace Musical, 1981 im Pariser Centre Pompidou), aber auch zunehmend Projekte im öffentlichen Raum (Signaux lumineux, 1984 — 1990, Grande Arche de la Defense, Paris; Métro, 1999, U-Bahn-Station, Athen) oder kinetische Skulpturen mit neuen Energiequellen (Solar Energy Sculpture, 2000) und die 2004 im Zusammenhang mit der Olympiade in Griechenland entstehenden »Olympic Spirals« and »Aeolian Signals« bleiben bis in die jüngere Zeit Takis Arbeitsfelder.

Takis’ kinetischer Kunst werden zahlreiche Ausstellungen gewidmet. 1972 zeigt u.a. das Centre National d’ Art Contemporain in Paris eine Retrospektive seines Werks, 1993 findet eine umfangreiche Schau in der Galerie Nationale du Jeu de Paume statt, die 1995 nach Athen wandert. Takis beteiligt sich seit den 1980er Jahren an internationalen Großausstellungen, so 1977 an der Documenta VI, 1985 an der Biennale in Paris, auf der er mit dem nationalen Preis für Bildhauerei ausgezeichnet wird, oder 1995 an der Biennale in Venedig (Griech. Pavillon).

Seit Anfang der 1990er Jahre lebt und arbeitet Takis in Gerovouno, Attika.

Literaturauswahl

Iris-time, L’artventure: Ausst.-Kat. Iris Clert, Paris 2003

Takis: Ausst.-Kat. Galerie National du Jeu de Paume, Paris u.a., hg. v. A. Pacquement, Paris 1993

Takis’ musikalische Räume: Ausst.-Kat. Kunstverein Hannover, Hannover 1974

Takis: Ausst.-Kat. Städtisches Museum Leverkusen, Schloss Morsbroich, hg. v. R. Wedewer, H. Gruber, Leverkusen, 1970

Takis – Evidence of the unseen: Ausst.-Kat. Hayden Gallery, Mass. Institute of Technology, Cambridge/ Mass.1968

 

Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen

Zu Sammlung hinzufügen…

×
×
×

Liebe Besucherinnen und Besucher,

seit 2006 gibt die museumsplattform nrw einen umfassenden Einblick in die Sammlungen und Aktivitäten ausgewählter NRW-Museen – und regt damit zugleich auch ein neues Publikum zum Museumsbesuch an. Monatlich 13.000 Besucher*innen belegen das Interesse an diesem einzigartigen Instrument zum interaktiven und kommunikativen Umgang mit Kunst im Netz.

Ein intensiv gepflegter und konstant ausgebauter Newsbereich mit Hinweisen zu Ausstellungen und Veranstaltungen oder Features aus der Kunstszene NRWs gehört ebenfalls dazu. 2013 erhielt die bereits seit zehn Jahren aktive Online-Plattform den bedeutenden Grimme Online Award.

Für den Ausbau dieses Online-Angebots sind wir auf den dauerhaften Beteiligungswillen der Museen angewiesen. Auch wenn die aktive Ausgestaltung derzeit nicht erfolgen kann, laden wir Sie doch herzlich ein, unser breites Angebot zum interaktiven und kreativen Umgang mit der Bildenden Kunst und ihren vielfältigen Formen medialer Vermittlung spielerisch zu erkunden.

Ihr NRW KULTURsekretariat