Takako Saito

Beteiligt an zahlreichen Fluxus-Aktivitäten, tritt Takako Saito ab 1971 mit eigenen Performances an die Öffentlichkeit. In besonderer Weise wendet sie sich der Ding- und Materialwelt des Alltags zu, Naturstoffen wie Muscheln, Zwiebel-, Orangenschalen oder Steinen und Materialien wie Holz, Papier, Kunststoffen oder Schaumstoff.

Takako Saito wird 1929 in Sabae-Shi, Fukui / Japan geboren. Sie studiert 1947 — 50
Kinder-Psychologie an der Japan-Woman’s University in Tokyo, lehrt 1951 — 54
an der Junior High School in Sabae-Shi. In dieser Zeit beteiligt sie sich an der Bewegung »Creative Art Education«. Auslandsaufenthalte führen Saito 1963 — 68 zunächst nach New York, wo sie u.a. George Maciunas kennenlernt und sich mit Multiples an der 1962 gegründeten Fluxus-Bewegung beteiligt. 1965 — 68 besucht sie die Brooklyn Museum Art School, dann die Art Student League, New York. Zwischen 1968 und 1979 folgen Reisen und mehrjährige Auslandsaufenthalte in Frankreich, wo sie u.a. mit George Brecht und Robert Filliou arbeitet, in Deutschland und Italien. In England ist Saito für die Beau Geste Press tätig und publiziert Kunstbücher. 1979 — 83 lehrt Saito an der Universität Essen.

Beteiligt an zahlreichen Fluxus-Aktivitäten, tritt Takako Saito ab 1971 mit eigenen Performances an die Öffentlichkeit. In besonderer Weise wendet sie sich der Ding- und Materialwelt des Alltags zu, Naturstoffen wie Muscheln, Zwiebel-, Orangenschalen oder Steinen und Materialien wie Holz, Papier, Kunststoffen oder Schaumstoff. »Gerade diese Materialien, die gewöhnlich weggeworfen werden, erweitern die Möglichkeiten, über Material, Form und Alltag, über das Nötige und das Hinreichende nachzudenken.« (Maki Haruhara). Mit kleinen Objekten, die oft spielerischen Charakter besitzen (Schachspiele, Spielobjekte) und immer neue individuelle Spielvarianten jenseits fester Regularien nahelegen, sucht Saito den Betrachter und Leser unmittelbar anzusprechen und einzubeziehen, ihn zum Akteur, ja selbst zum Künstler zu machen. Auch in ihren Installationen und Büchern verfolgt die Künstlerin diese Idee – ein Motiv, das beispielsweise ihre unter dem Titel Do It Yourself stehenden Arbeiten kennzeichnet, in der u.a. weiße Papierwürfel dem Publikum zum Spiel angeboten werden (Do It Yourself, 1989/90; Takako’s Do It Yourself Bookshop, 1992; Ausstellung: Do It Yourself In Fluxus, 2003). Auch der You and Me Shop Saitos birgt die Idee des Austauschs mit dem Zuschauer und einer gemeinsamen künstlerischen Arbeit: In einem marktstandähnlichen Kaufladen bietet die Künstlerin als Verkäuferin eine arrangierte Anzahl jener kleinen Gegenstände bzw. Materialien an, die sie auch in ihren Objekten verwendet – getrocknete Zwiebelschalen, Kastanien, Holzstücke. Die Interaktion mit dem Zuschauer beginnt hier mit der gemeinsamen Auswahl, Ablage und Fixierung der angebotenen Gegenstände auf Papptellern und endet mit der Übergabe des Objekts an den jeweils Mitwirkenden. Die gemeinsam signierte künstlerische Arbeit ist damit sowohl das Relikt einer temporären künstlerischen Aktion, das fertige Produkt im Sinne eines Warenaustauschs (von Kaufabsichtserklärung bis Warenübergabe), aber auch das Resultat interaktiver und kollektiver gestalterischer Arbeit.

Actually Here Is My Atelier, eine Zeichnung aus dem Jahr 1996 zeigt eine einfache Strichzeichnung eines Kopf-Profils. An der Stelle des Gehirns wird eine Art Sprechblase gezeigt, die den genannten Werktitel nennt. Die künstlerische Arbeit, die Sammlung der Werke ist im Kopf der Künstlerin angesiedelt, ist ideeller Natur. Hier gründet die künstlerische Handlung, hier wird der Vollzug initiiert, der stets im Austausch mit dem aktiv einbezogenen Publikum geschieht. Wie dies auch Beuys und andere Künstler vertraten, verbindet sich mit dieser durch die Auseinandersetzung mit dem Publikum entstehenden künstlerischen Arbeit die Vorstellung von der Aufhebung entfremdeter Zustände in der Gesellschaft. So fragt Saito danach, wie sich der Mensch von diesen befreien kann. Sie bietet mit ihrer Hinwendung zu den einfachen Dingen und der Interaktion in einfachen Handlungen, Gesten und kleinen Veränderungen an der Dingwelt an, einen individuellen Weg der Erfahrung zu beschreiten: do it youself.

Seit Beginn der 1970er Jahre werden Saitos Arbeiten in Ausstellungen, v.a. in Japan, den USA und Deutschland gezeigt. Neben Einzelausstellungen in Düsseldorf, Köln, Fukui, New York oder Kaunas ist Takako Saito u.a. 1980 in der Ausstellung »Fluxus Tour« im Musée St. George, Lüttich, 1982 in »1962 Wiesbaden FLUXUS 1982« im Museum Wiesbaden oder 1994 in der Ausstellung »Paper art 5.« im Leopold-Hoesch-Museum, Düren vertreten.

Takako Saito lebt und arbeitet seit 1978 in Düsseldorf.

Literaturauswahl

Spielräume: Ausst.-Kat. Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum, Duisburg 2005

Saito, Takako, in: Bull Shit 08, Mailand 1993

Malsch, Fr.: Takako Saito, in: Fluxus aus der Sammlung Andersch, Bielefeld 1992

Saito, Takako: Takako Saito. Schachspiele, Spiele und Bücher, Wiesbaden-Erbenheim 1989

Takako Saito – Eine Japanerin in Düsseldorf: Ausst.-Kat. Kunstmuseum Düsseldorf, Düsseldorf 1988

1962 Wiesbaden FLUXUS 1982. Eine kleine Geschichte von Fluxus in drei Teilen: Berlin 1983

Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen

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