Stephen Wilks

Wilks Ansichten zeigen die fehlgeschlagenen Versuche des Menschen, Herr über sich und seine Umwelt zu werden, wenn zum Beispiel stillgelegte Ampeln in verschiedenen Richtungen wie U-Boot-Periskope aus dem Dickicht spähen, das sie überwuchert.

Stephen Wilks wird 1964 im englischen Bridgwater in der Grafschaft Somerset geboren. Er studiert Bildende Künste und englische Literatur in Canterbury (Kent) und schließt 1987 mit dem BA ab. 1990 besucht er die École nationale supérieure des beaux-arts in Paris, 1993 ist er Stipendiat an der Rijksakademie voor Beeldende Kunsten in Amsterdam. Als Stipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) kommt Wilks 1998 nach Berlin.

Sein Werk besteht aus Fotografie, Zeichnung, Performances und Objekten, wobei sich die Medien vielfach kreuzen, zum Beispiel wenn eine Reihe von Skizzen Objekte vorbereiten, die anschließend in einer Performance verwendet werden. Wilks Arbeiten zeichnet häufig ein grotesk-poetisches Moment aus. Seine Fotografien zeigen Alltägliches wie leere Straßenansichten, Menschen an Haltestellen, einen Becher auf der Treppe einer U-Bahnstation oder den Blick auf Bäume hinter einem Gartenzaun. Diese zunächst unspektakulären Motive rufen jedoch durch ein besonderes Detail, den konzentrierten Bildausschnitt, die Strenge der Form oder eine reduzierte Farbpalette großes Augenmerk hervor und entfalten einen »magischen Moment«, der den Betrachter fesseln kann. Damit werden Wilks Bilder »poetische Verdichtungen von Alltagsbeobachtungen« (Barbara Engelbach (Hg.): Künstler und Fotografien 1959 2007. Museum Ludwig Köln, Köln 2007, 256). Das Vertraute wird absurd. Oder ist es das vielfach schon, nur macht der künstlerische Blick es deutlich? Wilks Ansichten zeigen die fehlgeschlagenen Versuche des Menschen, Herr über sich und seine Umwelt zu werden, wenn zum Beispiel stillgelegte Ampeln in verschiedenen Richtungen wie U-Boot-Periskope aus dem Dickicht spähen, das sie überwuchert.

Ein in Zeitungspapier verpackter Kohlkopf, eine zerknautschte Wasserflasche, ein Ball aus zerknülltem Papier – dies sind Keramikobjekte aus dem Atelier des Künstlers. Wie die Fotografien sind auch die Plastiken aus dem Leben gegriffen und doch befremdlich. In seinen Zeichnungen, die er häufig aquarelliert, erweitert Wilks das fiktionale Moment. Da trägt eine Schildkröte die Weltkarte auf ihrem Panzer, der Querschnitt durch einen Rotkohl wird fast zu einem psychedelischen Vexierbild, und aus einem Schuhabdruck erwachsen ganze Städte. Auch in Performances und Installationen wird der Betrachter mit Fremd-Vertrautem und einer verdrehten Welt konfrontiert: Eine weiße Riesen-Stoffmaus erdrückt ein schwarzes Auto (aus der Reihe Animal Farm, 2003 2006), auf einem farbenfrohen Karussell in Tinguely-Manier halten bleiche Skelette naiv anmutende, bunte Stoffesel auf knochigen Armen. Es scheint die Endstation jener Esel zu sein, die Wilks in seiner Aktion Travelling with my donkey seit 1999 durch die halbe Welt mit sich führt.

Wilks nimmt an internationalen Ausstellungen teil, wie der »London Biennial«, »Remake Berlin« (Fotomuseum Winterthur und NBK Berlin, 2000) und »Künstlersammler« (Galerie Kai Hilgemann, Berlin, 2011). Seit 1991 zeigt er Solo-Schauen in der Galerie des Beaux-Arts, Paris (1991), in der Gesellschaft für Aktuelle Kunst, Bremen (2003) und im Forum des Centre Pompidou, Paris (2010). Außerdem arbeitet er immer wieder als Dozent an unterschiedlichen Kunstinstitutionen und leitet Workshops, so 2007 an der École des beaux-arts, Rouen und 2012 an der École des beaux-arts, Clermont-Ferrand (Frankreich). Wilks Arbeiten sind unter anderem in der Sammlung des Museum Ludwig Köln, im französischen Fonds National d‘Art Contemporain (FNAC), dem Fotomuseum Winterthur (Schweiz) und der Sammlung der Kunsthalle Bielefeld vertreten.

Wilks lebt und arbeitet in Berlin.

Literaturauswahl

Engelbach, Barbara (Hg.): Künstler und Fotografien 1959 2007. Museum Ludwig Köln, Köln 2007

Becker, Kathrin, Urs Stahel (Hg.): Remake Berlin, Göttingen 2000 (Buch zur gleichnamigen Ausstellung im Fotomuseum Winterthur, Neuen Berliner Kunstverein und der Daadgalerie)

Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014

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