Song Dong

Die immensen Auswirkungen der Politik auf das private und gesellschaftliche Leben und der im Gegensatz dazu nur begrenzte Wirkungskreis und geringe Einfluss des Individuums auf das große Ganze werden wichtige Themen in Song Dongs Kunst. Seine künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten findet er in einer Vielzahl von Medien und experimentellen Arbeitsweisen: Installationen, Performances, Videos. Sie kreisen um Zeit und Flüchtigkeit, Vergänglichkeit und Neuentstehung, die Unausweichlichkeit des Wandels sowie das Verhältnis von Leere und Fülle.

Song Dong wird 1966 in Peking, China, geboren. Er studiert ab 1985 Kunst an der Capital Normal University in Peking und schließt 1989 ab. Zwar konzentriert er sich bis dahin auf die Malerei, führt sie aber nicht mehr fort, nachdem das chinesische Militär am 4. Juni 1989 mit dem Massaker auf dem Tian’anmen-Platz (Platz des Himmlischen Friedens) die Demokratiebewegung niederschlägt, die maßgeblich von Studenten getragen wird. Bereits die Erfahrungen seiner Eltern, die Opfer des repressiven Regimes waren, die Folgen der Kulturrevolution zu tragen hatten und Arbeitslager erlebten, prägen Song Dong. Zu diesen persönlichen Eindrücken kommen die des extrem schnellen gesellschaftlichen Wandels in China, in dem sich Neues entwickelt und Altes verloren geht. Die immensen Auswirkungen der Politik auf das private und gesellschaftliche Leben und der im Gegensatz dazu nur begrenzte Wirkungskreis und geringe Einfluss des Individuums auf das große Ganze werden wichtige Themen in Song Dongs Kunst. Seine künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten findet er in einer Vielzahl von Medien und experimentellen Arbeitsweisen: Installationen, Performances, Videos. Sie kreisen um Zeit und Flüchtigkeit, Vergänglichkeit und Neuentstehung, die Unausweichlichkeit des Wandels sowie das Verhältnis von Leere und Fülle.

So beginnt er 1995 ein Tagebuch – er schreibt mit Wasser auf einen flachen Stein, sodass die Worte noch während des Schreibens verschwinden: Writing time with water. In der Neujahrsnacht 1996 legt Song Dong sich bäuchlings auf den Tian’anmen Platz, bis durch seinen Atem eine dünne Eisschicht entsteht. Sie schimmert eine Weile, bevor sie wieder verschwindet. Ebenso thematisiert Song Dong den Wandel der chinesischen Kultur und die Veränderungen Pekings. Aus Keksen baut er die Stadt als Modell nach: Eating the city (2003); konsumierbar, süß im Augenblick, einverleibt und vergangen im nächsten. Nach verschiedenen Museumspräsentationen installiert er das Werk im berühmten Kaufhaus Selfridges in London, und zwar ohne jeden ironischen Unterton, sondern um zu zeigen, »that art is beside your body. It’s just beside you – it’s not only in the special ›art‹ space for the ›cultured‹ people«, so Song Dong. (http://www.newstatesman.com/art/2012/02/song-dong-waste-not [13.10.2013])

Die Arbeit Eating Landscape (2005) besteht aus gekochten Mahlzeiten. Sie lädt das Publikum ein, mit dem Essen an einem zentralen Teil der chinesischen Kultur teilzuhaben. Song Dong verbindet den Genuss des Essens mit der Vernichtung desselben. Die Installation Waste not (2005) hingegen zeigt die zum Selbstzweck gewordene Sparsamkeit seiner Mutter Zhao Xiangyuan, die aus einer erst wohlhabenden, später enteigneten Familie stammte: Im Museum baut der Künstler sein kleines Elternhaus in originaler Größe als Holzgestell nach und umgibt es mit jenen 10.000 Alltagsgegenständen, die seine Mutter darin sammelte. Damit dokumentiert er ihr hilfloses Festhalten am Alten und Vertrauten – unsentimental und respektvoll.

Song Dong gewinnt im Jahr 2000 das Unesco-Aschberg Stipendium für Künstler und im Jahr 2006 den Großen Preis der Gwanju Biennale in Südkorea. Solo-Schauen des Künstlers zeigen 2011 das Ullens Center for Contemporary Art in Peking und das Yerba Buena Center in San Francisco sowie das Museum of Modern Art in New York (2009) und das Shanghai Zendai Museum of Modern Art (2008). Song Dong nimmt zudem an zahlreichen Gruppenausstellungen teil wie an der Documenta XIII in Kassel 2012, der Biennale in Venedig (2011), der 10. Liverpool Biennale und an Schauen im Berliner Martin-Gropius-Bau (2010), dem Museum moderner Kunst in Wien und dem Haus der Kulturen der Welt in Berlin (2008), der Gwangju Biennale (2006) und der Biennale in São Paulo (2004). Das Centre Pompidou zeigt seine Arbeiten 2003 in der Schau »China now«.

Literaturauswahl

Documenta-und-Museum-Fridericianum-Veranstaltungs-GmbH: Doing nothing / Song Dong. Documenta (13), Ostfildern 2012

Song Dong. Dad and Mom, Don’t Worry About Us, We Are All Well: Ausst.-Kat. Yerba Buena Center for the Arts, San Francisco, hg. v. Betti-Sue Hertz, San Francisco 2011

Meike Günther: »Shanghai Assemblage. Eine Reise durch Geschichten chinesischer Gegenwartskünstler«, in: Elke Krasny, Irene Nierhaus (Hg.): Urbanografien, Berlin 2008, 81 92

Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014

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