Sandro Antal

Mit den seit den 1980er Jahren entstehenden Stahlskulpturen und oft raumgreifenden Installationen im öffentlichen Raum sucht Sandro Antal eine Verbindung zu jenem industriell gefertigten Material herzustellen, das am Schwerindustriestandort Nordrhein-Westfalen besonders präsent und ist.

Sandro Antal wird 1943 in Budapest geboren. Dort zum Schildermaler und Werbegrafiker ausgebildet, flieht er aus Ungarn und besucht 1974 — 81 die Kunstakademie Düsseldorf, an der 1981 — 85 als Lehrbeauftragter für Metallbildhauerei arbeitet. Ein weiterer Lehrauftrag führt ihn 1986 — 89 an die Universität Essen, 1993 erhält er eine Gastprofessur an der Fachhochschule in Aachen. Nach frühen Performances der 1970er Jahre (Auspeitschung, 1978) liegen Sandro Antals Arbeitsschwerpunkte bald in skulpturalen Metallarbeiten. Mit den seit den 1980er Jahren entstehenden Stahlskulpturen und oft raumgreifenden Installationen im öffentlichen Raum sucht er eine Verbindung zu jenem industriell gefertigten Material herzustellen, das am Schwerindustriestandort Nordrhein-Westfalen besonders präsent und ist.

Antals Skulpturen aus Stahl führen die grobe, teils von Arbeits- und Verfahrensspuren gezeichnete Materialität des Metalls vor Augen (Heavy Metal Instrument, 1982). Er bezieht sich dabei auf die Verfahren der handwerklichen und industriellen Metallverarbeitung selbst, nutzt teils Markierungen oder Bearbeitungsspuren des Fertigungsprozesses. Zugleich lassen seine Objekte auch Bezugnahmen auf das Duchampsche und dadaistische Objektverständnis erkennen, wie beispielsweise der zum Hirschgeweih mutierte Schraubstock mit halbiertem Metallrahmen (Trophäe, 1995) zeigt. So werden Alltagsgegenstände durch Material und Format zu raumbezogenen Metallinstallationen entfremdet (Besen, 2003). Material und Objekt werden ihrer ursprünglichen Funktionen und Bedeutungen beraubt oder kommentiert und zu neuen, oft humorvoll-absurden Arrangements formiert (Triebwerk, 2003). Diese spielen – wie beispielsweise Meine Großmutter Erde von 1983 – bisweilen mit dem Symbolgehalt der verwendeten Materialien und Konstellationen, schaffen aber auch, wie hier die in einem Bettrahmen aufgeschüttete Erde, erzählerische Objektzusammenhänge, an die auch im Werktitel angespielt wird.

Mit Skulpturen im öffentlichen Raum (u.a. Bonn, Darmstadt, Heidenheim, Herne, Remscheid) greift Antal in das urbane und landschaftliche Umfeld ein. Den lokalen Licht- und Witterungsbedingungen ausgesetzt oder auf diese unmittelbar Bezug nehmend, treten hier zum Umgang mit dem Material auch Aspekte der Veränderlichkeit, von Licht, Bewegung hinzu (Rolling Sun, 1989 u. 1992, Gelsenkirchen, Düsseldorf).

Im August 2006 wird der in Düsseldorf lebende Antal bei einer Benzin-Explosion in seinem Atelier lebensgefährlich verletzt und kann bislang nicht arbeiten.

Literaturauswahl

Das Kunstwerk zum Triebwerk – Stahlskulpturen von Sandro Antal: Ausst.-Kat. Düsseldorf 2004

Sandro Antal, Rolling Sun: Ausst.-Kat. Städtisches Museum Gelsenkirchen, Skulpturenwiese Rottmannsiepe, Gelsenkirchen 1992

Sandro Antal, Heavy Metal Instrument, Stahlskulpturen: Ausst.-Kat. Kunsthaus Essen, Essen 1988

Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014

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