Rolf Glasmeier

Bereits seine frühe Arbeiten bezeugen ein generelles Interesse an seriell auftretenden Formen und Strukturen in verschiedenen künstlerischen Gattungen – in Typografie und Fotografie, in Grafik und Bildhauerei, Objektkunst, Installation und Performance, die er im Laufe seiner künstlerischen Arbeit entwickelt. Ausgehend von den Zeilenbildern der 1960er Jahre, in denen das zeilenweise geordnete Zeichen als Grundelement der seriell verdichteten bildlichen Gesamtstruktur erscheint, verfolgt Glasmeier diese Ausrichtung auch mit seinen nachfolgenden Objekten.

Rolf Glasmeier wird 1945 in Pewsum bei Emden geboren. Nach einer Ausbildung zum Schriftsetzer und einem Fotopraktikum nimmt er 1965 das Studium der visuellen Kommunikation an der Hochschule für Gestaltung in Ulm auf, das er 1968 abschließt. 1969 ist er Gründungsmitglied der Gelsenkirchener Künstlergruppe »B1«, einem losen, nach der gleichnamigen Bundesstraße benannten Bündnis von Objektkünstlern. Ein Stipendium führt Glasmeier 1970/71 in die Villa Massimo in Rom. 1985 wird er zunächst Dozent für Typografie an der Fachhochschule Dortmund, 1989 erhält er eine Professur für Kommunikationsdesign an der Fachhochschule Kiel. Auf den ersten Preis für Skulptur im Rahmen der 6. Biennale in Paris erhält Glasmeier 2003 das Stipendium der »Cité Internationale des Arts Paris«.

Bereits Glasmeiers frühe Arbeiten bezeugen sein generelles Interesse an seriell auftretenden Formen und Strukturen in verschiedenen künstlerischen Gattungen – in Typografie und Fotografie, in Grafik und Bildhauerei, Objektkunst, Installation und Performance, die er im Laufe seiner künstlerischen Arbeit entwickelt. Ausgehend von den Zeilenbildern der 1960er Jahre, in denen das zeilenweise geordnete Zeichen als Grundelement der seriell verdichteten bildlichen Gesamtstruktur erscheint, verfolgt Glasmeier diese Ausrichtung auch mit seinen nachfolgenden Objekten. Ab 1967 entstehen mit den Kaufhausobjekten nur scheinbar funktional ausgerichtete Arbeiten. Hier werden industriell gefertigte Teile wie Lichtschalter, Fenstergriffe, Gardinenschienen oder Kleiderbügel zu Trägern der seriellen Gesamtstruktur des Objekts. In ihrem Ready-made-Charakter und durch den Produktionshintergrund massenhaft hergestellter Gegenstände betonen sie überdies die Konformität und Standardisierung der Einzelelemente. In der Formation neu strukturiert, rufen die Objekte – ähnlich den frühen grafischen Arbeiten oder den Römischen StrukturenAnfang der 1970er Jahre – optisch irritierende Wirkungen von Veränderlichkeit und Bewegung hervor (Kaufhausobjekt Kleiderbügelhalter, 1967). Auffordernden Charakter nehmen sie dort an, wo der Betrachter selbst zur Interaktion, zum Kippen oder Drehen einzelner Elemente aufgefordert ist (Kaufhausobjekt Serienschalter,1968; Kaufhausobjekt Orientierungsleuchten, 1975).

Mitte der 1970er Jahre wendet sich Glasmeier neuen Werkstoffen, formbaren Materialien wie Karton und Verpackungsmaterial zu. Die Verwendung industriell gefertigten Materials bleibt aktuell, wird jedoch um die Aspekte geringeren Materialwerts sowie die Nutz- und Formbarkeit der Stoffe erweitert. So verwenden Glasmeiers Kartonagenobjekte seit 1975 die vorgegebenen Strukturen von Verpackungsmaterial unterschiedlicher Art, werden jedoch auch dank der materialbedingten Veränderlichkeit in neue Objektformen überführbar. Zu den visuellen Qualitäten derartiger serieller Strukturen und Muster treten auch haptische Eigenschaften, die sich der Materialbehandlung verdanken. Glasmeier führt die Wahrnehmungsorientierung auch in Arbeiten weiter, die trotz festgelegtem Gestaltungskonzept durch aktive Publikumsmitwirkung veränderbar bzw. gestaltbar werden: Dies geschieht beispielsweise in den Klopfobjekten, an denen durch Klopfen einzelne Bildelemente sichtbar werden.

Anfang der 1980er Jahre ändern sich die Ausgangsmaterialien erneut. Nun verwendet Glasmeier vor allem Fundstücke und Recycling-Material – entsorgte und wiederbelebte Gegenstände, die neu geformt und zusammengesetzt werden: »Seit 1962 beschäftige ich mich mit Strukturen und Systemen. Mit meinem Kaufhaus- und Bergbauobjekten, Zeichnungen und fotografischen Bildern möchte ich auf das Zusammenspiel von Ordnung und Unordnung, Statik und Dynamik, Natur und Technik, Organik und Anorganik, Härte und Weichheit, Freiheit und Unfreiheit, bezogen auf unsere technische Umwelt, hinweisen. In meiner Worpsweder Zeit habe ich mich ganz von der ›natürlichen Umwelt‹ leiten lassen, indem ich ausschließlich mit gefundenen Materialien arbeitete, wobei das Problemfeld das gleiche geblieben ist.«

Mit dem gefundenen Material oder Gegenstand kann Glasmeier auch bestehende Konnotationen der Gegenstände und ihrer Orte für seine Objekte nutzen. Die »Magie« von Gegenständen und Natur will er für den Betrachter erfahrbar machen. Mit den Arbeiten im öffentlichen Raum – so beispielsweise der windkinetischen Skulptur Antennenbäume von 1981, die ähnlich ihrer bewaldeten Umgebung astwerkartige Antennen an hoch aufragenden Masten zeigen –, bleibt er der Idee einer ausgewogenen »Verbindung rationaler Ordnung und organischer Formation« verbunden. Diese kann sich – im Falle der bunt gepunkteten Bemalung des Gasbehälters Der Ball von 1985 in einer Sicherheitszone am Rhein-Herne-Kanal – auch in der ironischen Beziehung zwischen Gestaltungsprinzip und Objektfunktion äußern.

Eigeninitiierte, oft themenorientierte Ausstellungsprojekte zeigt Glasmeier im »Kunstraum Atelier Rolf Glasmeier« (»Naturgesichter – Magische Orte«, 2001; »Naturbeobachtung«, 2003). Seine Werke sind seit den 1960er Jahren in Einzel- und Gruppenausstellungen – so u.a. in der Neuen Sammlung München, dem Museum Folkwang, Essen, im Museum Bochum, der Kunsthalle Recklinghausen, der Städt. Galerie Lüdenscheid, im Skulpturenmuseum Glaskasten Marl und in zahlreichen internationalen Ausstellungen in Brüssel, Bordeaux, Lissabon, Montevideo oder Rio de Janeiro u.a. zu sehen.

Rolf Glasmeier stirbt 2003 in Gelsenkirchen.

Literaturauswahl

Loskill, Jörg (Hg.): Rolf Glasmeier. 2 Bde., Essen 2005

Rolf Glasmeier, Kunst Landschaft Architektur. Architekturbezogene Kunst in Deutschland. Ausst.-Kat. Institut für Auslandsbeziehungen, Stuttgart 1983

Rüth, U. (Hg.): Zum Begreifen nahe. Chronologie Rolf Glasmeier, Marl 1985

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger

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