Robert Ryman

Ryman widmet sich der hellsten unbunten Farbe Weiß, die er immer neu inszeniert. Dabei schafft er durch Modifizierung von Materialität, Tonwerten und Oberfläche Bilder, die sich durch ihre Monochromie und (unbunte) farbliche Neutralität auf konzentrierte Weise mit Malvorgang, Material und Lichtreflexion auseinandersetzen.

Robert (Tracy) Ryman wird 1930 in Nashville / Tennessee geboren, nimmt dort von 1949 an das Studium der Musik am George Peabody College for Teachers auf, bevor er 1950 als Tenorsaxophonist in die US-Army eintritt. Als Vertreter der Analytischen Malerei sind seine Werke in zahlreichen internationalen Sammlungen vertreten.

Ryman widmet sich der hellsten unbunten Farbe Weiß, die er immer neu inszeniert. Dabei schafft er durch Modifizierung von Materialität, Tonwerten und Oberfläche Bilder, die sich durch ihre Monochromie und (unbunte) farbliche Neutralität auf konzentrierte Weise mit Malvorgang, Material und Lichtreflexion auseinandersetzen. Er verzichtet dabei auf farbliche Referenzsysteme, Farbsymbolik, bezweckt keine psychologischen Wirkweisen der Bilder. Konsequent verzichtet Ryman von Beginn an auf traditionelle Bildgegenstände, wendet sich vielmehr durch Farbreduktion und festgelegte quadratische Bildträger auf die Gegenstände von Bild und Farbe selbst. Er gewinnt die Freiheit, sich dem Vorgang des Malens und den Arbeitsmitteln in veränderter Form zu widmen: Beschaffenheit und Art von Farbe, Pinsel, Bildträger und Malgrund sind seine Beschäftigungsfelder.

Nach New York kommt Robert Ryman Anfang der 1950er mit der Ambition, dort als Jazzmusiker zu arbeiten. Er findet jedoch während eines Aushilfsjobs als Aufseher im Museum of Modern Art Zugang zur Malerei. Vor allem die Arbeiten von Frank Stella, Dan Flavin, Mark Rothko aber auch Matisse und Mondrian beeindrucken ihn. So gibt er 1954 das Musizieren auf und beginnt zu malen – in einer Zeit in der der abstrakte Expressionismus der New York School dominiert. Von diesem nimmt Ryman zwar den Impuls auf, Farbe als Material bzw. die Bildfläche als kompositionslosen Farbraum zu betrachten, grenzt sich jedoch von der expressiven, spontanen Gestik und den großen Formaten ebenso ab, wie von der Vorstellung sublimer, metaphysischer Räume in der Malerei.

Rymans Arbeit ist anfangs sehr experimentell, er nutzt gelegentlich noch kräftige Farben, schließt jedoch schon früh jegliche Bezüge zum Leben oder Verweise auf eine außerhalb liegende Bedeutungsebene aus. In den frühen 60ern entstehen vermehrt Papierarbeiten, Drucke und Zeichnungen. Als er sich 1965 wieder der Malerei zuwendet, übernimmt er die in den Papierübungen entwickelte Systematik und stellt konsequent Bild-Gruppen zusammen. Seine Bilder bekommen nun Titel, oft sind es Markennamen der Werkstoffe. Er variiert Farbtypen – Ölfarben, Kaseinfarbe, Guachen, Kunststoff-, Polymer- oder Vinylfarben – und Pinselarten, deren Einsatz das Ergebnis bestimmen.

Anfang der Siebziger, Robert Ryman ist bereits ein international beachteter Maler, thematisiert er zunehmend das Verhältnis von Bildträger und Farbfläche bzw. deren Bezug zur Wand. Er verwendet verschiedenste Malgründe, von Leinwand und Baumwolltüchern über Holz, Metallplatten oder Kunststoffen wie Plexiglas bis hin zum Einsatz veränderter Bildträger. z.B. in der Wandmalerei. Seit 1976 experimentiert er insbesondere mit Methoden der Bildbestigung und -aufhängung, die er von da an in die Komposition einbindet.
Obwohl seine Arbeiten damit formal an postmoderne Fragestellungen erinnern, wie die nach der Auflösung der Bildfläche in den Raum, wird bei Ryman vielmehr der oft vom Zufall geprägte Entstehungsprozess betont. Damit grenzen sich seine Bilder ebenfalls von der Konzeptkunst und der Minimal Art ab, in deren Umfeld er sich noch während der Ehe mit der Kritikerin Lucy Lippard bewegt hatte. Diesen Positionen entgegen, fokussiert der Maler Ryman nicht das Was, sondern das Wie des Bildes. Er sieht die Malerei als künstlerischen Akt, konzentriert sich auf den Malprozess selbst: »Was für mich sehr wichtig in der Malerei ist, ist, beim Malen nicht zu denken. Man kann denken, bevor mal malt, und man kann denken, nachdem man gemalt hat, aber während man malt, ist Denken das Schlimmste, was man tun kann« (Ryman 1992, zit.n.: Versions: Ausst.-Kat. Hallen für Neue Kunst, hg. v. Chr. Sauer; U. Raussmüller, Schaffhausen 1992).

So bezeichnet Ryman seine Vorgehensweise auch nicht als abstrakt, vielmehr nennt er das Verfahren »realistisch«, da es sich um reale Linien, Räume, Flächen und um eine reale Interaktion der Dinge zueinander handele, so erklärt er 1991 einer Rede anlässlich der Guggenheim Museum’s Salon Series: »Vor allem aber gibt es keine Illusion«. In diesem Statement bereitet sich bereits derjenige Ausstellungstitel vor, der 1969 für eine der zentralen Ausstellungen zur Kunst der 1960er aufgegriffen wird, eine Ausstellung, an der Ryman selbst teilnimmt: »Anti-Illusion: Procedures / Materials« im New York Whitney Museum of Art.
Auch an anderen wesentlichen Ausstellungen nimmt Robert Ryman teil, so u.a. im gleichen Jahr an der legendären, von Harald Szeemann konzipierten Schau »When Attitudes become Form«. Nach seiner ersten Einzelausstellung 1972 in der Solomon R. Guggenheim Museum in New York sind Rymans Werke auch auf der Documenta V bis VII (1972, 1977, 1982) vertreten, an der Biennale di Venezia beteiligt er sich 1976, 1978 und 1980. 1993 stellen die Tate Gallery London und das New Yorker MoMA aus, 2000/01 wird Ryman eine Retrospektive im Haus der Kunst München und im Kunstmuseum Bonn, 2008 in den Hallen für Neue Kunst in Schaffhausen gewidmet. Ryman erhält viele Stipendien und Preise, 1994 wird er in die American Academy of Arts and Letters gewählt.

Seit 1952 lebt und arbeitet Robert Ryman in New York und Pensylvania.

Literaturauswahl

In Vorbereitung: Robert Ryman and Urs Raussmüller: Advancing the Experience: Ausst.-Kat. Hallen für Neue Kunst u. Raussmüller Collection, Schaffhausen 2009

Hudson, S.P.: Robert Ryman – Used Paint, Massachusetts 2009

Robert Ryman at Inverleith House: Ausst.-Kat. Royal Botanic Garden Edinburgh, Köln 2006

Robert Ryman: Aust.-Kat. Thomas Ammann Fine Art AG, Zürich 2002

Robert Ryman: Ausst.-Kat. Haus der Kunst München u.a., Ostfildern 2000

Versions: Ausst.-Kat. Hallen für Neue Kunst, Schaffhausen 1992

Robert Ryman: Ausst.-Kat. Espace d’Art Contemporain Paris u.a., Schaffhausen 1991

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger

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