Robert Morris

Charakteristisch für die Werkauffassung Robert Morris’ ist die enge Verbindung seines skulpturalen Werks zu Tanz und Performance, seine frühesten skulpturalen Holz-Objekte sind Teil der choreographischen Entwürfe, dienen dort als architektonische Stützen und Elemente, die Schwerkraft und Balance in der tänzerischen Aktion zur Anschauung bringen.

Robert Morris wird 1931 in Kansas City/Missouri geboren. Das Kunststudium beginnt er 1948 — 50 zunächst an der University of Missouri at Kansas City und dem Kansas City Art Institute und wechselt 1951 an die California School of Fine Arts in San Francisco. Eine weitere Ausbildungsstation ist das Reed College in Portland/Oregon, an dem er von 1952 — 54 studiert. Erste künstlerische Arbeiten entstehen im Bereich der Malerei in den Jahren von 1955 — 60, bald beschäftigt er sich auch mit dem experimentellen Theater und mit ersten Filmprojekten. Schließlich widmet er sich ab 1961 dem Studium der Kunstgeschichte am Hunter College in New York, das er mit einer Arbeit über Constantin Brancusi abschließt. Ab 1967 lehrt er selbst am Hunter College. Sein theoretisches Interesse für die Phänomenologie, Gestalttheorie und deren Anwendbarkeit in der Kunsttheorie und Kunstkritik schlägt sich in den Folgejahren in einer Reihe von Aufsatzpublikationen nieder. Im Kontext der Auseinandersetzung mit Brancusi wendet Morris sich zunehmend der Skulptur zu. Auch der Tanz gehört bald zu den favorisierten künstlerischen Ausdrucksformen, die er selbst auch aktiv ausübt. Gemeinsam mit seiner Frau, der Tänzerin Simone Forti, gehört er in New York zur Tanzgruppe Judson Dance Theater und übernimmt die choreographische Leitung zahlreicher Auftritte. Charakteristisch für die Werkauffassung Robert Morris’ ist die enge Verbindung seines skulpturalen Werks zu Tanz und Performance, seine frühesten skulpturalen Holz-Objekte sind Teil der choreographischen Entwürfe, dienen dort als architektonische Stützen und Elemente, die Schwerkraft und Balance in der tänzerischen Aktion zur Anschauung bringen. Erstmals stellt er diese Objekte in der Green Gallery New York 1964 und 1965 aus. Die Reduktion der geometrisch gestalteten Skulpturen auf psychologische Phänomene der räumlichen Wahrnehmung durch die Variation von Format, Raumplazierung und Materialqualitäten lässt sie zu den frühesten Äußerungen minimalistischen Forminteresses werden. In den Folgejahren verwendet Robert Morris mit seinen meist unbetitelten Würfeln, Polyedern und L-förmigen Winkelhaken, ähnlich wie Donald Judd und Carl Andre, industriell hergestellte Materialien. Hierzu zählen Kunststoffe und Metalle, deren polierte Oberflächen Massenfertigungsstandards wiederholen und zugleich Fragmente des Ausstellungsraumes spiegeln (Mirrored Cubes, 1965). In der vielbeachteten Textserie »Notes on Sculpture« fasst Morris im Artforum 1966/67 seine Vorstellungen zu dieser neuen Ausrichtung der Skulptur zusammen. Ende der 1960er Jahre entstehen Morris’ Arbeiten aus Filz, dem gleichermaßen von Joseph Beuys bevorzugten Material, dessen Veränderbarkeit und Schwere ihn reizt. Wie »selbstgeschaffen« erscheinen wuchtige, geometrisch zugeschnittenen und oftmals an Wänden befestigten Filzmatten, die sich gemäß den Gesetzen der Schwerkraft verformen und damit stetig verändern. Ebenso erprobt er die Dichte und Trägheit des Materials in der Zusammenfügung schwerfällig gelagerter Filzbänder, die auf dem Boden aufliegen. An den Felt Pieces macht Morris 1968 seine These von der »Anti-Form« (Artforum, 1968) bzw. von der Befreiung des Materials aus auferlegter Formvorgabe fest. Er zeigt diese Objekte und Assemblagen erstmals im selben Jahr in der Leo Castelli Gallery, New York. Die Variationsbreite der verwendeten Materialien erweitert sich in den 1970er Jahren nochmals um organische Stoffe, u.a. Erdmaterial. Nun entstehen auch die mounumentalen »Earth Works« (Erdarbeiten), die Morris im Kontext der Land Art gestaltet. Erst in den 1980er Jahren wendet Morris sich erneut der Malerei zu, zunächst der enkaustischen Maltechnik und entwickelt Visionen eines nuklearen Holocaust, gefolgt von einer Serie monumentaler Wachsmalerei auf Holz mit dem Titel Horizons Cut: Between Clio and Mnemosyne, die er 1996 ausstellt. Diese politisch motivierte Rückkehr zur Geschichte und Erinnerungskultur beschäftigt ihn bis in die aktuelle Zeit in Bildern, die Bezüge zu Edward Hopper und René Magritte herstellen (19th Street Cafe, 2003/04; House and Bombs 2004). Arbeiten von Robert Morris werden in einer Reihe wichtiger Museums-Ausstellungen gezeigt, so u.a. 1970 im Whitney Museum of American Art in New York, ein Jahr später in der Tate Gallery London, 1980 im Art Institute of Chicago, 1986 im Museum of Contemporary Art in Chicago. 1994 findet eine umfassende Retrospektive im Solomon R. Guggenheim Museum in New York statt, die auch nach Hamburg und Paris wandert. Der Künstler lebt und arbeitet in New York. Literaturauswahl:

From Mnemosyne to Clio. The Mirror to the Labyrinth (1998 — 1999 — 2000) Robert Morris: Ausst.-Kat. Musée d’Art Contemporain de Lyon, hg. v. Thierry Raspail, Mailand, u.a. 2000

Robert Morris. Recent Felt Pieces and Drawings: Ausst.-Kat., Kunstverein Hannover u.a., Hannover 1996

Robert Morris. Retrospective: Ausst.-Kat. Solomon R. Guggenheim Museum, New York 1994

Berger, Morris: Labyrinths: Robert Morris, Minimalism, and the 1960s, New York 1989

Robert Morris: Ausst.-Kat. Tate Gallery, London, hg. v. M. Compton und D. Sylvester, London 1971

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