Robert Mangold

Er montiert spitz- oder stumpfwinklige Leinwände aneinander, die er als Werkgruppen seriell erarbeitet, jedoch sukzessive leicht variiert und so der scheinbar vertrauten geometrischen Grundfigur eines Dreiecks, eines Parallelogramms, einer Raute, eines Polyeders oder eines Rechteckes eine seltsam anmutende Eigenwertigkeit verleiht. Bei Mangold übt die Geometrie einen sublimen Aufstand gegen die Regeln mathematischer Gesetzlichkeit.

Robert Mangold wird am 12. Oktober 1937 in North Tonawanda im Staat New York geboren. Seine Jugend verbringt er in Buffalo, New York. Am Cleveland Institute of Art/ Ohio studiert Mangold ab 1956 erst Illustration, wechselt aber nach einem Jahr in die Klasse für Freie Kunst und wird als Maler, Zeichner und Bildhauer ausgebildet. In Pittsburgh sieht Mangold 1957 auf der Ausstellung »Carnegie International« Künstler des abstrakten Expressionismus, der zu diesem Zeitpunkt in Amerika aktuellen und wegweisenden Kunstrichtung. Hier lernt Mangold auch das Werk von Willem de Kooning, Franz Kleins und die Drippings von Jackson Pollock kennen. Im gleichen Jahr besucht er in der Albright-Knox Gallery in Buffalo eine Ausstellung von Clyfford Still. In dieser Zeit neigt Mangold zum abstrakten Expressionismus, ist jedoch auch vom reduzierten Gestus der Malerei Antonio Tàpies’ beeinflusst. Er rezipiert die Arte Povera, die Arbeiten Antonio Burris und beobachtet die Entstehung der Pop Art.

Sein Studium schließt Mangold 1959 ab und geht im Herbst an die Yale University School of Fine Arts and Architecture in New Haven. Hier experimentiert er mit unterschiedlichen Ansätzen. Es entstehen Arbeiten die fraktale Beschriftungen von LKW-Planen oder Werbetafeln tragen. Einer seiner dortigen Studienkollegen ist Richard Serra. Ihr späteres gemeinsames minimalistisches Konzept verweist auf zahlreiche Überschneidungen in den Werken der beiden Künstler. Den Master of Fine Arts schließt Mangold 1962 schließlich in Yale ab. Nach der Übersiedelung nach New York City arbeitet Mangold – wie auch Robert Ryman und Sol Le Witt – als Aufseher im Museum of Modern Art. Bald kann er dort eine Stelle als Hilfsbibliothekar übernehmen.

Ab 1964 widmet sich Mangold ausschließlich der monochromen, auf geometrische Grundformen beruhenden, minimalistischen Malerei und steht dabei unter dem Einfluss der Farbflächenmalerei von Frank Stella. In der Fischbach Gallery in New York zeigt Mangold 1965 seine erste Einzelausstellung Walls and Areas. Es ist Malerei auf großformatigen Masonite- oder Sperrholzplatten mit teils geschichtetem Farbrelief und teils dünn aufgesprühter Farbschicht. Mitte der 1960er Jahre zeigt das Jüdische Museum in New York erstmals umfassend und begriffsprägend die Kunst der amerikanischen Minimal Art. Mangold, der nun bis 1970 als Dozent für Freie Kunst an der School of Visual Arts in New York lehrt, ist mit etlichen Arbeiten vertreten.
Ende der 1960er Jahre wechselt Mangold zur Acrylfarbe als Malmittel und Leinwänden als Malgrund. Die Farbe rollt oder sprüht er auf die Leinwand, so dass persönliche Handschrift vermeidbar ist. Über Kreissegmentflächen entstehen erstmals Shaped Canvases, die von nun an zentrale Bedeutung in seinem Werk erhalten. Mangold bezieht Wohnung und Atelier in den Catskills, wo er mit seiner Frau bis Mitte der 70er Jahre leben und arbeiten.

Mangold montiert spitz- oder Stumpfwinklige Leinwände aneinander, die er als Werkgruppen seriell erarbeitet, jedoch sukzessive leicht variiert und so der scheinbar vertrauten geometrischen Grundfigur eines Dreiecks, eines Parallelogramms, einer Raute, eines Polyeders oder eines Rechteckes eine seltsam anmutende Eigenwertigkeit verleiht. Bei Mangold übt die Geometrie einen sublimen Aufstand gegen die Regeln mathematischer Gesetzlichkeit. Euklidsche Gesetzmäßigkeit ist gleichermaßen genutzt wie hinterfragt. Die Arbeit A Triangel within two Rectangels von 1977 verdeutlicht dieses irritierende Moment ganz deutlich. Wo die beiden montierten, quadratischen Bildflächen zusammenstoßen wird gleichermaßen ein »Strich« gesehen, wie das aus einem Strich aufgebaute, beide Formate übergreifenden, gleichschenklige Dreieck. So sieht der Betrachter zwar Two Rectangels zusammen mit insgesamt vier Dreiecken, zwei davon spitzwinklig und verschieden in der Größe, zwei davon gleichschenklig und gleich groß. Diese feine wie spielerische Subtilität ist kennzeichnend für Mangolds geometrischen Minimalismus, der sich auch in seinem zeichnerischen und druckgraphischen werken findet.

Auf das Simon-Guggenheim-Gedächtnis Stipendium, das Mangold 1969 erhält, folgen zahlreiche Einzelausstellungen – so u.a. 1971 im Solomon R. Guggenheim Museum in New York, 1974 im Museum für zeitgenössische Kunst in San Diego, 1980 in der Knsthalle Bielefeld oder 1982 im Stedelijk Museum in Amsterdam. Weitere Ausstellungen finden 1998 im Museum Wiesbaden oder 2009 in London statt. Seine Werke sind in zahlreichen Museen, v.a. in den USA und Europa vertreten.

Robert Mangold lebt und arbeitet in Washingtonville, New York.

Literaturauswahl

Robert Mangold, X Plus and Frame Paintings – Works from the 1980s: Ausst.-Kat. Parasol Unit Foundation for Contemporary Art, hg. v. Z. De Week Ardalan, London 2009

Verna, G.: Robert Mangold – Column paintings 2005, Annemarie Verna Galerie, Zürich 2005

Robert Mangold. Gemälde und Zeichnungen, 1984 — 1997: Ausst.-Kat. Museum Wiesbaden, Kunstverein St. Gallen, hg. v. V. Rattemeyer, Wiesbaden 1998

Lehmann, U.: Robert Mangold – Linie, Form, Farbe: Werkentwicklung von 1964 bis 1995, hg. v. Institut für Moderne Kunst, zugl. Diss. phil., Nürnberg 1995

Robert Mangold, Gemälde: Ausst.-Kat. Kunsthalle Bielefeld, bearb. v. H. Heere, Bielefeld 1980

Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

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