Robert Longo

Er arbeitet in nahezu allen künstlerischen Gattungen, entwickelt Multimedia-Experimente, Installationen und Performances. Daneben entstehen Bronzefiguren, dreidimensionale Combines aus Metall und Kunststoff, fotografische Arbeiten, Videos und filmische Regiearbeiten. Longo bezieht sich in seinen Arbeiten auf Bilder der Massenmedien – einen Fundus, den er kritischer Reflexion unterzieht, recycled, zitiert, kommentiert, entkontextualisiert, den er mit dekonstruierenden Gegenbildern konfrontiert.

Robert Longo wird am 7. Januar 1953 in Brooklyn / New York geboren und wächst in Long Island auf. Nach dem Studium der Bildhauerei an der University of North Texas und der Accademia di Belle Arti in Florenz (1972), das er 1975 am State University College, Buffalo / New York, abschließt, nimmt er Ende der 1970er Jahre zunächst mit Zeichnungen seine künstlerische Arbeit auf.

Nach frühen Zeichnungen arbeitet Longo in den siebziger und achtziger Jahren in nahezu allen künstlerischen Gattungen, entwickelt Multimedia-Experimente, Installationen und Performances. Daneben entstehen Bronzefiguren, dreidimensionale Combines aus Metall und Kunststoff, fotografische Arbeiten, Videos (wie z.B. »Bizarre Love Triangle«, New Order; »The One I Love«, R.E.M.) und filmische Regiearbeiten, wie der 1988 entstandene Film »Arena Brains«, ein 35-minütiger Streifen über die neurotische Kunstszene in Lower-Manhattan oder auch der Film »Johnny Mnemonic« von 1995.

Longo bezieht sich in seinen Arbeiten auf Bilder der Massenmedien – einen Fundus, den er kritischer Reflexion unterzieht, recycled, zitiert, kommentiert, entkontextualisiert, den er mit dekonstruierenden Gegenbildern konfrontiert. »Kein anderer Künstler geht intensiver und bewusster auf die bittersüße Beschaffenheit des gegenwärtigen amerikanischen Lebens ein: Ein Leben, das sich für seine Generation aus Ekstase und dem Schrecken einer postmodernen Stadtlandschaft, aus Rockmusik, dem Kampf ums Geld, wahnwitzigen Vergnügungen, Vorspiegelung durch die Medien und Gesetzlosigkeit zusammensetzt.« (Ausst.-Kat. Documenta 8, 1987). Auch in seinen folgenden Zeichnungen, zum Teil fotorealistischen Gemälden und Objekten hält Longo an der Auseinandersetzung mit den Vermittlungsstrategien der populären Bildproduktion fest. Seine zeichnerische Serie Men in cities (1980 — 1999) zeugt nicht nur durch ihren Bezug auf das Genre des Actionfilms von ihrer Verbindung zur Medien- und Filmwelt. Sie dokumentiert dies zugleich auch durch ihre bildbestimmende Personenregie, nach der die hier großformatig gezeigten, isolierten weiblichen und männlichen Figuren aus ihrem ursprünglichen räumlichen Kontext geschnitten und haltlos gezeigt werden. Anonymisierung, Angst, Einsamkeit werden in Longos späteren Arbeiten stärker von einzelnen Bildsujets getragen: Fahnen (Black Flags, 1989 — 91), Kreuze, Pistolen (Bodyhammers, 1993 — 95) oder auch riesige Atompilze, beispielsweise über Nagasaki, die er in seiner 2002 — 04 entstehenden Serie Monsters neben den großformatigen Bildern gewaltiger Meereswellen in barock anmutende Formationen fasst (Whitney Biennale, 2004).

Vernichtung und räumliche wie inhaltliche Leere bestimmen auch Longos im Jahr 2000 begonnenen, über 30 großformatige Kohlezeichnungen umfassenden Zyklus The Freud Drawings, der nach dem Magellan Projekt (1993 — 96) und der Rückkehr zur Zeichnung entsteht. Longo bezieht sich hier auf alte Fotografien Edmund Engelmans, die dieser wenige Tage vor Freuds Emigration von Wien in dessen Wohnung gemacht hatte. Das in Longos Arbeiten dominierende Schwarz, das nur einzelne Details der verlassenen Wohnung ins Licht rückt, legt sich, so Werner Spies, »wie eine Sonnenfinsternis über Räume, Möbel und Dinge« (Longo, Freud Drawings, 2002). Longo inszeniert auf unheimliche Weise die Abwesenheit der Menschen, die Leere Wohnung und Praxis nach Freuds Emigration. Und auch jüngere Arbeiten Longos wie Untitled (Hot Sun), 2006 oder Untitled (Neptune and Triton) von 2006, die Himmelskörper aus kühl-distanzierter Nah-/ wie Fernsicht zeigen oder die aktuellen Grafiken isolierter, liegender Köpfe (z.B. Study for Lulu, 2007), variieren eines der zentralen Themen Longos – unendliche Verlassenheit und Leere.

Seit 1976 nimmt Robert Longo an internationalen Ausstellungen in den USA, Japan und Europa (Documenta, 1982, 1987; Biennale Venedig, 1997) teil. Erste Retrospektiven finden 1989 im Los Angeles County Museum of Art und 1990 im Museum of Contemporary Art, Chicago statt.

Richard Longo lebt und arbeitet in New York.

Literaturauswahl

Robert Longo. The Freud drawings: Ausst.-Kat. Haus Lange, Haus Esters, Krefeld; Albertina Wien, hg. v. M. Hentschel u. K.A. Schröder, Krefeld / Wien 2002/3

Robert Longo, Magellan: Ausst.-Kat. Kunsthalle Tübingen, Kunsthal Rotterdam, Köln 1997

Robert Longo: Ausst.-Kat. Hamburger Kunstverein und Deichtorhallen Hamburg, hg. v. T. Kellein, Stuttgart 1991

Ratcliff, C.: Robert Longo, München 1985

Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

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