Robert Indiana

Sein umfangreiches Werk umfasst die signalfarbenen und wohl populärsten Zeichen und Bilder des US-amerikanischen Hard Edge. Seine Synthesen von Zeichen und Colourfield Painting gewinnt er aus der Beschäftigung mit Literatur und Printmedien, Satz und Illustrationstechniken.

Robert Indiana wird als Robert Clark 1928 in New Castle/ Indiana geboren. Nach seiner Schulausbildung in Mooresville geht er 1942 nach Indianapolis an die Arsenal Technical School, tritt in die Army ein und besucht Seminare am Manson-Williams-Proctor Institute in Utica. 1949 immatrikuliert er sich zum Kunststudium am Art Institute in Chicago. Ein Stipendium führt ihn 1953 schließlich an die Skowhegan School of Painting and Sculpture in Maine, an der er auch Alex Katz kennen lernt. Durch ein weiteres Reisestipendium kann er sein Studium an der University of Edinburgh in den Fächern Englische Literatur, Botanik und Philosophie des 20. Jahrhunderts abschließen und besucht Kurse an der University of London.

1954 lässt sich Indiana in New York nieder, arbeitet zeitweise in einer Kunsthandlung und kann hier Kontakte zur New Yorker Kunstszene, u.a. zu James Rosenquist, Ellsworth Kelly und Cy Twombly knüpfen. 1956 bezieht er einen Loft am Coenties Slip, wo auch Agnes Martin, Rosenquist, Kelly und Jack Youngerman arbeiten. Hier entstehen – nun unter dem Pseudonym Robert Indiana – die ersten Hard-Edge-Gemälde. Indiana begegnet Andy Warhol in der Stable Gallery von Eleanor Ward und wird von diesem 1963 zunächst zur Beteiligung an seinem Experimentalfilm Kiss, anschließend zur Hauptrolle in dem aktionsartigen Stummfilmprojekt EAT (1964) ermuntert. Er realisiert nun auch auf Einladung des Architekten Philip Johnson an der Fassade des für die Weltausstellung in New York entworfenen »New York State Pavillon«: zwischen Arbeiten von Kelly und Rauschenberg zeigt er die Arbeit EAT mit riesigen Leuchtlettern.

Indianas umfangreiches Werk umfasst die signalfarbenen und wohl populärsten Zeichen und Bilder des US-amerikanischen Hard Edge, jener durch große, glatt vermalte Farbfelder gezeichneten Strategie der Pop Art in den 1960er Jahren, die reduzierte und hart konturierte geometrische Formen auf flächigem Grund separiert. Seine Synthesen von Zeichen und Colourfield Painting gewinnt er aus der Beschäftigung mit Literatur und Printmedien, Satz und Illustrationstechniken. Das Ausgangsmaterial von teils vorgefundenen alten Text- und Zahlenschablonen stellt jedoch auch eine enge Beziehung zu speziellen Orten und Situationen her, die Indiana in Warenhallen oder Lofts sammelt. Angeregt durch Bilder Charles Demuths der 1920er Jahre, variiert Indiana die Zahlenbilder, deren oft veraltete Schrifttypen und Satzmethoden ebenfalls von historischem Bezug zeugen, in zahlreichen Folgen (Numbers, 1967; Seven, 1968), später auch plastischen Varianten (Seven, 1980 — 2001).
Das 1964 im Auftrag des New Yorker Museums of Modern Art entwickelte Motiv LOVE, das Indiana in der Folge als Siebdruck, Plakat, Wandteppich bis hin zum Briefmarken-Sujet (1973) verwendet, nutzt er, erneut umgezogen in die Bowery, nun auch für die gleichnamige, vier Meter hohe Stahlskulptur, die 1971 im Central Park gezeigt wird. Sowohl die Variation von Bildgegenständen wie Medien als auch der stetige Rückgriff auf bereits eingeführte Zeichen und deren Bearbeitung kennzeichnen seine Arbeit.

Indianas Beschäftigung mit Zahlen, Begriffen, Phrasen und Typen – im Rückgriff auf mediale und kommerzielle Kontexte wie Industriereklame oder Schablonenschrift – ist jenen Überlegungen der Zeit verpflichtet, die sich grundlegend mit dem Bild und seiner Zeichenhaftigkeit und Verweiskraft auf eine außerbildliche Realität auseinandersetzen. Den Fragestellungen Jasper Johns oder Robert Rauschenbergs verwandt, reflektieren auch Indianas Arbeiten das Verhältnis von Bezeichnendem zu Bezeichnetem, die Identität von Gegenstand und Bild. Mit der rahmenlosen Präsentation im All-Over spitzt er die Themenstellung auf die bildliche Präsenz solcher Schrift- und Zahlenzeichen zu, deren Realität sich ebenso (schrift-)bildlichen wie außerbildlichen Zeichenkonventionen verdankt. Pop sei, so Indiana, das »was die Kunst in den letzten Jahrzehnten nicht war. Im Grunde ist er eine scharfe Kehrtwendung zurück zu einer gegenständlichen visuellen Kommunikation. (…). Pop ist ein Wiedereintritt in die Welt. Er ist ›Scheiß auf die Bombe‹. Er ist der Amerikanische Traum, optimistisch, üppig und naiv (…).« (Indiana 1963, zit.n.: Ausst.-Kat. 2007, 13). Erkennbar verbindet sich mit der Pop Art des »New Realist« gleichermaßen die Abkehr insbesondere vom Abstrakten Expressionismus wie die Hinwendung zu Gegenwart und Realität, die Beschäftigung mit den Grundlagen und Gegenständen der Kommunikation – in den USA (The american dream #1, 1960).

Mit den etwa seit 1960 entstehenden Herms (Hermen) – großen Plastiken aus verwitterten Balken und Schiffsmasten, die Indiana mit gesammelten alten Metallteilen zu Assemblagen formiert und mit Zahlen markiert – bedient der Künstler sich auch im plastischen Genre kulturell konnotierter Versatzstücke in neuen, nicht minder kulturell aufgeladenen Konstellationen. Daneben entstehen zahlreiche Gemälde, deren plastische Varianten und Siebdrucke auch im Auftrag des New Yorker Museum of Modern Art entstehen.
1978 übersiedelt Indiana in Künstlerkolonie auf der Insel Vinalhaven in Main, wo er schon zuvor immer wieder gearbeitet hatte und bezieht die Lodge »Star of Hope«. Bis zur Verwendung spezieller Zeichen wie Schulterklappen, Orden, Banner und Fahnen in der auf die wilhelminischen Zeit bezogenen Bildserie The Hartley Elegies(1989 — 1994), bis zu den Peace Paintings nach dem 11. September 2001 und ihrer Symbolverwendung (Four Diamond Peace Diamond, 2003) bleiben auch die in Main entstehenden Werke von Indianas Interesse an Zeichen und Bild und den Strategien der Variation gezeichnet.

Zahlreiche Ausstellungen widmen sich dem Werk Robert Indianas, von denen lediglich die Ausstellung im Krefelder Museum Haus Lange (1966), die Documenta IV im Jahr 1968 , die Schau »Magie der Zahl in der Kunst des 20. Jahrhunderts« in der Staatsgalerie Stuttgart und die Einzelausstellung Indianas im Museum Kurhaus Kleve (2007) exemplarisch genannt seien.

Literaturauswahl

Rattemeyer, V. u.a.: Robert Indiana. The American Painter of Signs, Museum Wiesbaden, Wiesbaden 2008

Der amerikanische Maler der Zeichen – Robert Indiana: Ausst.-Kat. Museum Kurhaus Kleve, Goch 2007

Ryan, S.E.: Robert Indiana: Figures of Speech, New Haven 2000

Robert Indiana: Ausst-Kat. Institute of Contemporary Art of the University of Pennsylvania 1968

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

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