Robert Gober

Seine Arbeiten sind in zahlreichen internationalen Ausstellungen vertreten, so auch auf den Biennalen in Venedig 1988 und 2001 und im selben Jahr auf der Documenta. Stets wendet sich Robert Gober den handgreiflichen und lebenspraktischen Alltagsdingen zu. Deren scheinbare Harmlosigkeit wandelt sich in seinen Arbeiten ins Monströse, sie werden im Akt des Wahrgenommen-Werdens zu bedrohlichen Handlungsträgern mit körperlicher Eigenständigkeit.

Robert Gober wird 1954 in Wallingford/ Connecticut geboren. Er beginnt ein Kunststudium an der Tyler School of Art in Roma / Texas und wechselt dann an das Middlebury College nach Vermont, wo er Literatur und Kunst studiert. 1976 siedelt Gober nach New York über und arbeitet dort u.a. mit dem Tanztheaterensemble von Johanna Boyce. 1979 wird er Assistent der Malerin Elizabeth Murray, über die er auch Arbeiten von Jonathan Borofsky, Joel Shapiro Donald Judd und Robert Wilson kennenlernt.

Mit den Fotomontagen und konzeptuellen Arbeiten Cindy Shermans und Jenny Holzers findet Gober ein erstes künstlerisches Vorbild. Deren Körperkonstrukte und künstlerische Auseinandersetzungen mit der Sexualität und ihrer gesellschaftlichen Deutung liefern Gober wichtige Anregungen für seine eigene Arbeit. Er wendet sich zunächst der Malerei und ihrer medialen Untersuchung zu. Mit der Arbeit Slides of a Changing Painting (1982/83), die die stetigen Übermalungen eines Bildes in mehr als 1000 Farbdias festhält, setzt Gober sich mit dem menschlichen Körper auseinander, seinem Objektstatus und seiner geschlechtlichen Wandelbarkeit. Zeitgleich arbeitet er an figuralen Darstellungen, die er aus Gips fertigt (Untitled (Dog) 1982; Untitled (Crouching Man) 1982).

Erst ab Mitte der 1980er Jahre widmet Gober sich der Objektkunst. Eine erste Annäherung bildet hier der Bau von Puppenhäusern, den er zunächst ausschließlich kommerziell verfolgt. Erst mit seiner ersten Ausstellung in der Galerie Paula Coopers in New York geht die neue künstlerische Wertschätzung gefertigter Gegenstände einher, die vornehmlich von konzeptuellen Ansätzen der Minimal Art herrührt. Neben den Miniaturhäusern werden von 1984 bis 1986 die Sinks, d.h. aus Gips nachgebaute Spülbecken ohne Ausguss oder Armaturen zum bevorzugten, seriell hergestellten Motiv. Hierbei nimmt er sich industriell gefertigte Prototypen zum Vorbild. Der Abfluss in seiner doppeldeutigen Wahrnehmung als Medium der »Verdrängung« und des Entsorgens von mit Schmutz behafteten Flüssigkeiten liefert Gober den Anlass, die verfremdete Wirkung scheinbar vertrauter und kollektiv erinnerter Gegenstände zu erproben. Nicht zuletzt sind es die sexuellen und surrealistischen Konnotationen der Objekte, die Gober interessieren. Stets wendet er sich hierbei den handgreiflichen und lebenspraktischen Alltagsdingen zu. Deren scheinbare Harmlosigkeit wandelt sich in seinen Arbeiten ins Monströse, sie werden im Akt des Wahrgenommen-Werdens zu bedrohlichen Handlungsträgern mit körperlicher Eigenständigkeit.

Ab 1989 erweitert sich der Motivkreis Gobers hin zur Gestaltung von Betten und Laufställen (1986 — 87), zu Sitzmöbeln und Hundekörben (1986 — 88) und schließlich zu architektonischen Elementen, wie Türen (1988 — 89). Fast alle Möbel sind mit Emailfarbe gestrichen, was ihnen ein steriles Aussehen verleiht. Gober selbst beschreibt seine Objekte folgendermaßen: »Meist handelt es sich bei den gewählten Objekte um Embleme des Übergangs. (…) es sind Objekte, die einen auf die eine oder andere Weise verändern. Wie das Spülbecken, von schmutzig zu sauber; die Betten, von Bewusstem zum Unbewussten; vom rationalen Denken zum Traum.« (Gober, in: Bomb, 1989).

Die distanzierte Körperlichkeit, die Gober in den verfremdeten Alltagsdingen bis in die jüngste Zeit (Tissue Box 1994/95) hervorzurufen sucht, erreicht er auch in der figuralen Skulptur, der er sich schließlich wieder verstärkt zuwendet. Nun verwendet er – inspiriert von der Ausstellungstechnik naturhistorischer Museen – Wachs als Ausgangsmaterial: »Als ich in Bern war und dort im Naturhistorischen Museum, war ich überrascht, dass es in den Dioramen dort keine Menschendarstellungen gab. Plötzlich tat sich da für mich ein weites Feld auf, nämlich naturhistorische Dioramen zu zeitgenössischen Menschen zu schaffen.« (Gober, in: Ausst.-Kat. London 1993). Gobers Körperfragmente aus Wachs führen jedoch den ernsthaften Charakter naturhistorischer Inszenierungen ad absurdum, da sie den musealen Raum selbst als absurd-theatralische Bühne nutzen: Beschuhte Beine schieben sich aus der Museumswand (Untitled (Leg), 1989/90), Körper liegen beiläufig auf dem Boden. Die meist unbetitelten Arbeiten entstehen bis in die Gegenwart.

Seit 1989 etabliert sich mit der Gestaltung vollständiger Rauminstallationen ein weiterer Schwerpunkt im Œuvre Gobers. Er beklebt freistehende Ausstellungswände mit Tapetenmustern und bietet auf diese Weise changierende Raumeindrücke, die Privatheit erzeugen, durch die Wahl der miniaturhaften Muster-Motive und überdies durch die dort inszenierte Objekte jedoch zugleich auch Erschrecken und Fremdheit erzeugen (Hanging Man / Sleeping Man, 1989).

Gobers Arbeiten sind in zahlreichen internationalen Ausstellungen vertreten, so auch auf den Biennale in Venedig 1988 und 2001 und im selben Jahr auf der Documenta. Einzelausstellungen sind 1990 im Museum Boymans-van Beuningen, in Rotterdam und in den Folgejahren u.a. 1995 im Museum für Gegenwartskunst in Basel, 1997 im Museum of Contemporary Art in Los Angeles, 2004 in der Pinakothek der Moderne in München und 2007 im Schaulager Basel zu sehen.

Robert Gober lebt und arbeitet in New York.

Literaturauswahl:

Robert Gober. Skulpturen und Installationen 1979 — 2007: Ausst.-Kat. Schaulager Basel, hg. v. Th. Vischer, Göttingen 2007

Braun, Alexander: Robert Gober, Werke von 1978 bis heute. Nürnberg 2003

Robert Gober: Ausst.-Kat. Museum of Contemporary Art, Los Angeles 1997

Robert Gober: Ausst.-Kat. Museum für Gegenwartskunst Basel, hg. v. Th. Vischer, Basel 1995

Robert Gober: Ausst.-Kat. Museum Boymans-van Beuningen, Rotterdam 1990

Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger

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