Robert Filliou

Der kooperative Entstehungsprozess erhält in Fillious Arbeiten einen höheren Stellenwert als die virtuose Eigenproduktion. Seine von buddhistischer Weltanschauung geprägten Arbeiten weisen oft einen ironischen Unterton auf, entwerfen Gegenwelten, die die rationale Logik und Erkenntnis infrage stellen und das Individuum in den Vordergrund rücken.

Robert Filliou wird 1926 in Sauve (Südfrankreich) geboren. Nach seiner Mitwirkung in der Résistance wandert er 1946 in die USA aus, wo er zunächst als Hilfsarbeiter tätig ist. 1948 nimmt er das Studium der Wirtschaftswissenschaften an der University of California in Los Angeles auf, das er 1951 abschließt. Noch im gleichen Jahr übersiedelt Filliou nach Süd-Korea und arbeitet für das »University of California Extension Program«, später die » United Nations Korean Reconstruction Agency«. Oft wechselt er in den folgenden Jahren im Rahmen seiner freien schriftstellerischen Arbeit seinen Wohnort. 1954 zieht er nach Ägypten, lebt zwischen 1955 bis 1957 in Spanien und kehrt 1959 zunächst nach Frankreich zurück.

1959 lernt Filliou den Aktionskünstler Daniel Spoerri kennen. Er beginnt, künstlerisch zu arbeiten (Le collage de l’immortelle mort du monde), ab 1960 auch Filme und Videos zu produzieren und stellt 1961 in der Galerie Addi Koepcke in Kopenhagen aus. Mit der Gründung der »Galerie Légitime« 1962 beginnt er kleine Ausstellungen eigener Arbeiten und seiner Kollegen vor allem in den Straßen von Paris zu zeigen. Gemeinsam mit George Brecht betreibt er Mitte der 60er Jahre den Laden »La Cédille qui sourit«. 1966 entwickeln die Künstler zunächst in Villefranche-sur-Mer unter gleichem Namen ein gemeinsames Ausstellungsprojekt, Ende der 60er werden ihre Werke unter diesem Titel auch in Mönchengladbach ausgestellt. 1967 lebt Filliou in New York, zwischen 1968 und 1974 mit Unterbrechungen in Düsseldorf.

Der kooperative Entstehungsprozess erhält in Fillious Arbeiten einen höheren Stellenwert als die virtuose Eigenproduktion. Die Zusammenarbeit entspricht zugleich einer kritischen Stellungnahme gegen Utilitarismus wie Produktorientierung (Stuhl, 1969) und kommt einem Plädoyer für neue Formen der Kommunikation gleich. Sie drückt sich gleichermaßen im einzelnen Werk, der Zusammenarbeit (Emmett Williams, George Brecht, Marcel Broodthaers), aber auch in den Fluxus-Aktionen aus, an denen sich Filliou beteiligt. Seine von buddhistischer Weltanschauung geprägten Arbeiten weisen oft einen ironischen Unterton auf, entwerfen Gegenwelten, die die rationale Logik und Erkenntnis infrage stellen und das Individuum in den Vordergrund rücken (Geflüsterte Geschichte der Kunst, im Rahmen einer Ausstellung in Aachen präsentiert, und begehbare Skulpturen wie Recherche sur l’origine,1974; Prototype Optimum nø 00, 1978 im Centre Pompidou, Paris). Auch Fillious Video- und Filmproduktionen (mit Bob Guiny »L’Hommage à Méliès«) dokumentieren seinen oft ironischen Blick auf Kunst, Leben und Gesellschaft. In Köln veröffentlicht Filliou eine Anleitung für Happenings und Dichtung (»Teaching and Learning as Performing Arts«).

1980 — 1984 ist Filliou Gastprofessur an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg. 1984 wird ihm eine Retrospektive in Nîmes, Basel, Hamburg und Paris gewidmet. Im gleichen Jahr zieht sich Robert Filliou in das buddhistische Kloster Chanteloube bei Les Eyzies an der Dordogne zurück, in dem er am 1. Dezember 1987 stirbt.

Literaturauswahl

Robert Filliou: Ausst.-Kat. Museu d’Art Contemporani de Barcelona; Museum Kunst Palast, Düsseldorf; Musée d’Art Moderne, Villeuneuve-d’Ascq, Düsseldorf 2003

Genie ohne Talent: Ausst.-Kat., Stuttgart 2003

Robert Filliou: Ausst.-Kat. Galerie der Stadt Remscheid, Remscheidt 1997

Robert Filliou, 1926 — 1987, Zum Gedächtnis: Ausst.-Kat. Städt. Kunsthalle, Düsseldorf 1988

Robert Filliou: Ausst.-Kat. Städt. Kunsthalle, Düsseldorf 1974

Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Foto: Tobias Roch, Hagen

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