Regine Schumann

Seit 1992 arbeitet Schumann konsequent mit farbigen Acrylglasplatten. Orientiert an der Farbfeldmalerei, an Minimal Art und zeitgenössischen Lichtkünstlern interessiert Schumann vor allem die »chamäleonartige Verwandlung von Raum, Licht und Farbe«.

Regine Schumann wird 1961 in Goslar geboren, wo sie ihre Kindheit und Schulzeit verbringt. Als Kind und Jugendliche erfährt sie hier durch ihren Vater, der sie mit Architekturplänen und Bauvorgängen vertraut macht, ihre grundlegende Prägung des raumorientierten Denkens. Für ihre künstlerische Ausbildung wählt sie 1982 die nahe gelegene Hochschule für bildende Künste in Braunschweig, an der sie vornehmlich bei Roland Dörfler Freie Kunst studiert. Doch auch die Bildhauerklassen von Heinz Günter Prager und Christiane Möbius besucht sie bis 1989. Ab diesem Jahr ist sie Meisterschülerin bei Roland Dörfler. Bereits 1986 erhält sie ein Arbeitsstipendium der Heitland-Foundation in Celle, ein DAAD-Stipendium führt sie 1990/91 nach Italien. 1992 verlängert sich ihr Italienaufenthalt durch ein Projektstipendium, weitere Stipendien ermöglichen Schumann 2000 Aufenthalte in Japan und im Jahr 2007 in Guernsey /U.K.. In den Jahren 2002/03 nimmt Schumann einen Lehrauftrag an der Hochschule Niederrhein in Krefeld wahr.

Seit 1992 arbeitet Schumann konsequent mit farbigen Acrylglasplatten, die sie bei deutschen, belgischen und italienischen Herstellern ordert oder in Zusammenarbeit mit den Produzenten entwickelt und herstellen lässt. Mit ihren Farbexperimenten beeinflusst sie mitunter die industrielle Entwicklung von Acrylglas. Orientiert an der Farbfeldmalerei, an Minimal Art und zeitgenössischen Lichtkünstlern wie James Turrell und Maurizio Nannucci interessiert Schumann vor allem die »chamäleonartige Verwandlung von Raum, Licht und Farbe«. Basierend auf der Farbenlehre Goethes, variieren ihre Licht- und Leuchtobjekte das gesamte Spektrum der Buntfarben. Ihre Leuchtkästen sind zweischalig, transparent und aus mehrfarbigen, fluoreszierenden, farbigen Acrylglasscheiben aufgebaut. Die der Wand zugerichtete Acrylglasplatte kann z.B. lilafarben sein, die umlaufenden Trennstege orange, grün und tiefrot, das Deckglas wiederum tiefrot gefärbt. Nach unten sind diese Farbkammern, die meist eine Tiefe von fünf Zentimetern haben, offen. Bei Schwarzlicht erreicht Schumann so einen oszillierenden Farbraum. Zu den Seiten und nach oben hin flimmert die Farbe wie in einer Rahmengrenze, erreicht durch die meist komplementären Trennstege, und löst so den Kastenrand für das Auge auf, wohingegen nach unten hin Farb- und Flächengrenze klar konturiert sind.

Diese oszillierende Frequenzierung des fluoreszierenden Farblichtes erhält sich auch bei Tageslicht. Ein weiterer Aspekt ist, dass Schumanns Farbkästen den Betrachter und den umgebenden Raum spiegeln, was sie selbst in einer ihrer Serien der colormirror miami II des Jahres 2008 im Titel reflektiert. Schumann ergänzt durch ihre Arbeiten den architektonischen Raum nicht nur mit leuchtenden Farbräumen sondern überzieht das Spiegelbild des Betrachters mit den verschiedensten Farbraum-»Temperaturen«. Denn ihre Art der Kombination farbiger, fluoreszierender Acrylgläser erstellt ein Farbflimmern, das mit naturräumlichen und damit atmosphärischen Lichteindrücken vergleichbar ist.

Neben ihren Serien hochrechteckiger Farbkästen erstellt Schumann auch spitzovale Farbraumkammern, die auf die Spitze gestellt sind. Ihr Raumvolumen ist durch breitere Trennstege vergrößert, zugleich kann ihnen durch Binnenmontage ein Innenleben eingestellt sein – hier handelt es sich um regelrechte Licht-Raum-Körper. Letztlich arbeitet Schumann mit Knäueln von leuchtenden Bändern oder Schlangen (synthetischen Polylightschnüren), die einen bestimmten architektonischen Ort besetzen und den Betrachter ausschließen. So entsteht eine Art Lichtmagie und Lichtenergie als Bannmeile innerhalb eines architektonischen Raumkontinuums. Diese Arbeiten sind eindeutig auratisch, doch allen Lichtobjekten Schumanns eignet diese Leuchtaura, dieser Lichtkreis als eine Art Nimbus des Objekts.

Schumann charakterisiert ihre Arbeiten folgendermaßen: »Unter Einsatz des Schwarzlichtes lösen sich meine greifbaren Materialien ins Immaterielle auf. Scheinbar schwerelose Körper leuchten dann an Wänden, Böden und Fassaden. Das gesamte Raumlicht verändert sich durch die strahlenden, fluoreszierenden Flächen und lässt sogar den Betrachter im neuen Licht erscheinen …« (zit.n.: Schumanns Bewerbung um den 6. Gabriele Münter Preis, 2009).

Regine Schumann lebt und arbeitet seit 1991 in Köln.

Literaturauswahl

Schmidt, S.M.: Auf der Suche nach einer Neudefinition von Farbe, in: www.artopening.de/kuenstler/regine-schumann/texte (12/2009)

Schumann, R.: »Vorreiterin« – Bewerbung für den 6. Gabriele Münter Preis, Köln 2009

www.regineschumann.de

Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen

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