Rafael Montañez Ortiz

Er gilt als einer der ersten Kunstschaffenden, der in den USA mit Video, Film und Fernsehen experimentiert und als einer der Hauptinitiatoren der sogenannten »Destruktionskunst«. Rafael Montañez Ortizs Angriffe gelten dem Vermittlungs- und Darstellungskanon US-amerikanischer Kunst, ebenso der Malerei wie dem Film.

Rafael Montañez Ortiz wird 1934 als Sohn einer puertoricanisch-spanischen Familie in Brooklyn geboren. Er studiert zunächst Architektur am New Yorker Pratt Institute, beschließt dann aber, eine künstlerische Laufbahn einzuschlagen. 1964 graduiert, setzt seine Studien am Columbia University Teachers College fort, schließt 1982 er ein Doktorat an. Seit 1967 unterrichtet Ortiz, seit 1972 hält er eine Professur an der Rutgers University / New Jersey. 1969 wird er zum Mitbegründer des Museo del Barrio, dem ersten Latino Art Museum in den USA und engagiert sich in der Artist Worker’s Coalition (1970 — 71). Seit den 1980er Jahren widmet er sich der Medienkunst. Rafael Montañez Ortiz präsentiert seine Arbeiten weltweit. 1996 wird ihnen eine Retrospektive am Whitney Museum of American Art gewidmet. Ortiz Werke sind in zahlreichen Sammlungen vertreten (u.a. im Centre Georges Pompidou, Museum Ludwig Köln, Museum of Modern Art, New York, Whitney Museum of American Art, New York).

Rafael Montañez Ortiz gilt als einer der ersten Kunstschaffenden, der in den USA mit Video, Film und Fernsehen experimentiert und als einer der Hauptinitiatoren der sogenannten »Destruktionskunst« am Ende der 1950er, Anfang der 1960er Jahre. Seine zerstörerischen Eingriffe beziehen sich zunächst auf gefundenes Filmmaterial, das er zerschneidet, segmentiert, dem Zufall nach filmisch neu montiert (Cowboys and Indians, 1958). Seine Angriffe gelten dem Vermittlungs- und Darstellungskanon US-amerikanischen Kunst, ebenso der Malerei wie dem Film. Das Verfahren der Montage, die er bald auch auf vorgefundene Objekte (Archeological Finds, 1961 — 65), auf theatralische Aktionen und Lautmontagen anwendet, bestimmt die Rezeption und den Umgang mit dem Ausgangsmaterial, dem er durch sequenzierende oder isolierende Zerstörungsakte zu Leibe rückt, um es zu neuem Leben zu erwecken.
Ortiz’ Destructivist Manifesto (1962) setzt den Beginn einer Reihe von Schriften, in denen er eine avantgardistsche wie politische, historische und sozial bewusste Kunst fordert. Er betont die Notwendigkeit symbolischer Zerstörungsakte für die Wiederherstellung der individuellen Einheit des Unbewussten. »Die Kunst, die den zerstörerischen Prozess nutzt, reinigt; weil sie Tod verursacht, spendet sie auch Leben.« (Ortiz 1966, zit. n.: Dreher, in: Neue Bildende Kunst, 1, 1998, 56 — 63).

Nach ersten Zerstörungsaktionen (Chair destruction, 1965) nimmt Ortiz im Folgejahr am »Destruction in Art«-Symposium (DIAS) in London, 1968 in New York teil. Er inszeniert während des Symposiums eine Reihe von öffentlichen Zerstörungen, darunter auch eines seiner Piano Destruction Concerts, deren zerstörerischer Impetus, wenngleich mit anderem künstlerischem Ergebnis, an Al Hansens Piano Drops oder auch Armans Objektzerschneidungen erinnert, und die mittlerweile über 80 mal vollzogen wurden. Seine unter heftigen Protesten angekündigten Chicken Destructions kennzeichnen bereits Ortiz’ Hinwendung zu ethnisch konnotierten, ritualisierten Zerstörungs- und Schlachtungsakten und deren Tabuisierungsstrategien. Der Ruf der Symposien, an denen auch internationale Kunstschaffende wie Yoko Ono, Nam June Paik oder Hermann Nitsch teilnehmen, geht rasch um die Welt.

Zunehmend widmet sich Ortiz nun der Auseinandersetzung mit historischen indigenen Zugängen zum Selbst und der Verbindung von Geist, Körper und Seele. Er entwickelt Verbrennungs-, Bestattungs- und Erweckungsrituale und setzt sie in ein Verhältnis zu moderner Kunst.

Rafael Montañez Ortiz lebt und arbeitet in New Jersey.

Literaturauswahl

Unmaking. The work of Raphael Montañez Ortiz: Ausst.-Kat. Jersey City Museum, Jersey City 2007

Latin American & Caribbean Art: Ausst.-Kat. MoMA at El Museo, hg. v. M. Basilio, New York 2004

Raphael Montañez Ortiz. Early Destruction 1957 — 67: Ausst.-Kat. Whitney Museum of American Art, New York 1996

Barbara Konopka, Rafael Montañez Ortiz, David Tomas, Adriana Zamboni. Interferenzen 5, Performance Intermedia: Ausst.-Kat. hg. v. R. Reitbauer, Museum Moderner Kunst – Stiftung Ludwig, Wien 1992

Ortiz, R.M: Towards An Authenticating Art. Dissertation, Columbia University Teachers College 1982

 

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger

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