Pol Bury

Extrem langsame oder kaum merkliche Bewegungen kennzeichnen seine durch Motoren, Lichtfühler oder Magnetkraft angetriebenen Objekte, die der Künstler als »lebendige Wesen« versteht. Das Verhalten der Objekte und die Bewegung und Veränderung wird erlebbar gemacht – ein Anliegen, das auch die grafischen Arbeiten Pol Burys und seine Beschäftigung mit dem Film bestimmt.

Pol Bury wird 1922 in Haine-Saint-Pierre, Belgien geboren. Er studiert 1938/39 an der Académie des Beaux-Arts in Mons, findet durch Yves Tanguy zunächst zur Malerei und engagiert sich in zahlreichen Künstlergruppen der Zeit: 1947/48 wird Bury Mitglied von »La Jeune Peinture Belge«, einer u.a. von Bertrand, Cox, Van Lint, Bonnet, Mendelson 1945 in Brüssel gegründeten Malergruppe. 1949 bis 1951 beteiligt sich Bury an den Aktivitäten der Gruppe »CoBrA« und übernimmt u.a. die Buchillistrationen für Noirets »L’aventure dévorante« (1950). 1952 ist er unter den Gründungsmitgliedern der Künstlergruppe »Art Abstrait«. Zunächst als Maler arbeitend, vollzieht Bury mit seiner Beteiligung an CoBrA die geforderte programmatische Abkehr vom Surrealismus und wendet sich 1953 schließlich ganz der Skulptur und der Graphik zu. Im gleichen Jahr gründet er gemeinsam mit seinem Freund André Balthazar die »Académie de Montbliart« und gibt die Zeitschrift »Daily Bûl« heraus. 1961 übersiedelt Bury nach Frankreich, 1966 zieht er für zwei Jahre nach New York und übernimmt 1970 einen Lehrauftrag an der University of California, Berkeley. Am Minneapolis College of Art and Design unterrichtet Bury ab 1973 und tritt schließlich 1983 eine Professur für Bildhauerei an der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts (ENSBA) in Paris an.

Mit den Plans mobiles und seinen Experimenten mit verschiedenen Antriebsformen richten sich Burys Interessen Anfang der 1950er Jahre auf optische bzw. kinetische Phänomene – auf »Malerei, die sich bewegt«: 1957 entwickelt er erste kinetische Skulpturen mit Motor (Multiplans). Er setzt damit eine – zwar nicht originär moderne, so doch in der Moderne besonders signifikante – Tradition fort, die u.a. mit Dada und Marcel Duchamp (Roto Relief) beginnt, mit Gabo, Pevsner, Moholy-Nagy bis Calder, Tinguely, de Soto oder auch in der Lichtkinetik variiert und weiterentwickelt wird. Bury arbeitet zunächst an Reliefs, die bewegliche Teile aufnehmen. Extrem langsame oder kaum merkliche Bewegungen kennzeichnen seine durch Motoren, Lichtfühler oder Magnetkraft angetriebenen Objekte, die der Künstler als »lebendige Wesen« versteht. Das Verhalten der Objekte und die – zum Teil kaum wahrnehmbare – Bewegung und Veränderung wird erlebbar gemacht – ein Anliegen, das auch die grafischen Arbeiten Burys (Cinétisations, 1964ff.) und seine Beschäftigung mit dem Film (u.a. Bury/Prevost, 135 km à l’heure, 1972) bestimmt. Seit Ende der 1960er Jahre wendet sich Bury auch monumentalen Arbeiten und Brunnen-Projekten im öffentlichen Raum zu. Jüngere Objekte, so die bewegten Scheibenformen reflektieren das Zusammenspiel von Farbe und Form in Bewegung (Plans tournants, 2004).

Pol Bury ist 1964 auf der Biennale in Venedig, im gleichen Jahr und 1968 auf der Documenta 4 in Kassel vertreten. Er beteiligt sich an zahlreichen internationalen Ausstellungen, so 1966 im Guggenheim Museum und dem Museum of Modern Art in New York. Die erste Retrospektive findet 1970 im University Art Museum in Berkeley statt – weitere folgen u.a. 1971 in der Kestner Gesellschaft Hannover, 1982 im Museé d’ Art Moderne de Ville de Paris oder 1994 im Dortmunder Museum am Ostwall. Im Kontext thematisch ausgerichteter Ausstellungen ist Bury u.a. 2005 im Musée d’Art Moderne et Contemporain (MAMCS) in Strasbourg (»L’Œil moteur – Art optique et cinétique, 1950 — 1975«), im Museum Tinguely, Basel (»Bewegliche Teile. Formen des Kinetischen«), 2006 im Museum Kunst Palast, Düsseldorf (»Zero«) oder auch 2007 in der Schirn Kunsthalle, Frankfurt (»Op Art«) vertreten.

Pol Bury stirbt 2005 in Paris, wo er seit Beginn der 1960er Jahre mit Unterbrechungen lebt und arbeitet.



Literaturhinweise

Pol Bury: Ausst.-Kat. mit Œuvrekatalog, Museum am Ostwall, Dortmund u. PMMK Museum Moderner Kunst Ostende, hg. v. Rosemarie E. Pahlke, 1994/95

Ionesco, E. u. Balthazar, A.: Pol Bury, Brüssel 1976

Pol Bury: Ausst.-Kat. Kestner-Gesellschaft u.a., red. v. A. Balthazar u. W. Schmied, Hannover 1971

Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger

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