Peter Vogel

Die Interaktion von Mensch und Maschine ist wesentliches Merkmal der Objekte Vogels. Seine Interessen richten sich gleichermaßen auf die visuelle Erfahrbarkeit elektronischer Skulpturen und Reliefs wie auf deren systemischen Charakter, deren Klangdimension und zeitliche Struktur.

Peter Vogel wird 1937 in Freiburg im Breisgau geboren. Im Anschluss an sein Physikstudium ist er zunächst an der Entwicklung medizinischer Geräte beteiligt, arbeitet 1965 — 1975 im Bereich der Gehirnforschung bei dem Pharmakonzern Hoffmann La Roche in Basel. Sein besonderes Interesse gilt kybernetischen Modellen der Neurophysiologie und Psychologie. Seit Mitte der 1950er Jahre weiten sich Vogels Arbeitsfelder aber auch in den Bereich der Malerei, Tanz und Choreographie. Erste Kompositionen elektronischer Musik, so beispielsweise bühnenmusikalische Kompositionen, führen ihn überdies zu Ende der 1960er Jahre zu Entwicklung experimenteller und interaktiv angelegter kybernetischer Plastiken. Zwischen 1979 und 1984 führen Vogel längere Arbeitsaufenthalte nach New York, 1996 erhält er einen Lehrauftrag an der Hochschule für Bildende Kunst in Saarbrücken.

Peter Vogels Interessen richten sich gleichermaßen auf die visuelle Erfahrbarkeit elektronischer Skulpturen und Reliefs wie auf deren systemischen Charakter, deren Klangdimension und zeitliche Struktur. Ornamentale Aspekte gewinnen in den Objektkästen und Reliefs elektronischer Bauteile an Bedeutung. Filigrane Draht- und Metallstabkonstruktionen bergen serielle, oft durch Form und Farbe rhythmisierte abstrakte Strukturen elektronischer Bauteile – Schaltungen, Lautsprecher, Fotozellen oder Kondensatoren bleiben ebenso sichtbar wie die Stromversorgung der Objekte. Sie führen funktionale Klang- und Lichterzeugungselemente in oft geometrischer, konzentrischer oder zu Gitterstrukturen formierter Form vor (Kreisstruktur, 1979). Sie ästhetisieren technoide Systeme bisweilen auch in simulativen technisch-organisch angelegten kinetischen Objekten, wie z.B. beweglichen Objekten mit Tragflächen oder Schmetterlingsflügeln, die bisweilen an Leonardo da Vincis Maschinen erinnern.

Die Interaktion von Mensch und Maschine ist wesentliches Merkmal der Objekte Vogels. Sie folgen Klangkompositionen, die das interaktive Potenzial durch determinierte Verlaufs- und Modifikationsmöglichkeiten bestimmen und begrenzen. Basis der Klangfiguren sind rhythmisch strukturierte, repetitive Sequenzen, die sich variabel abrufen lassen und in interaktiven Improvisationen formierbar sind. Vogel sieht in diesen Klangobjekten objekthafte Manifestationen seiner Komposition – »materialisierte Partituren«: sie forcieren ein spezifisches Bewegungsverhalten im Raum, eine gewisse Choreografie und räumen dem Publikum kreative Möglichkeiten ein (Klangsäule, 1980; Kleine Tonfolge, 1992).

Die Bewegung vor den Objekten wird durch Fotozellen, Sensoren etc. in rhythmische Klangfolgen, wie z.B. in Vogels Rhythms II, in Farb- und Lichtwechsel der zum Teil mit Lampen versehenen Objekte oder deren Eigenbewegung transformiert. Interaktive Formen der elektromagnetisch-sensorischen Bild- und Klangerzeugung synchronisieren hier variierbare rhythmische Klangsequenzen gemeinsam mit Bildstrukturen, wie Vogels Schattenorchester zeigt. Dessen in den Raum projizierter Schattenriss verändert sich synchron zur extern initialisierten Objektbewegung. Neben den Klangobjekten entwickelt der Künstler auch konzertante Improvisationen und Performances – so u.a. 2007 anlässlich der Freiburger Ausstellung im Museum für Neue Kunst (Rei Nakamura, Klavier; Peter Vogel, Elektronik).

Erste Ausstellungen Peter Vogels finden Anfang der 1970er Jahre in seiner Geburtsstadt Freiburg statt. Seitdem sind seine Arbeiten in internationalen Ausstellungen vertreten, so u.a. ab 1989 in Japan. 1997 widmen das Skulpturenmuseum Marl, das Landesmuseum Mainz und die Schneider-Stiftung Freiburg Vogel eine Retrospektive. 1999 sind seine Arbeiten in den Goethe-Instituten Toronto und Houston / Texas präsent. 2000 findet eine Ausstellung im Museum für Konkrete Kunst in Ingolstadt statt. In den letzten Jahren stellt Vogel im Münchner Stadtmuseum (2002), im Palais Liechtenstein in Dornbirn und im Rahmen der Ausstellung »Klang – Bewegung – Licht. Peter Vogel: 40 Jahre interaktive Objekte« im Museum für Neue Kunst in Freiburg (2007) aus.

Peter Vogel lebt und arbeitet in Freiburg

Literaturauswahl

Klang, Bewegung, Licht. Peter Vogel, ein Werkbuch: Ausst.-Kat. Städtische Museen Freiburg, Museum für Neue Kunst, Freiburg i. Br. 2007

Peter Vogel – Schattenorchester. Interaktive Klanginstallationen: Ausst.-Kat. Museum für Konkrete Kunst Ingolstadt, Ingolstadt 2000

Peter Vogel: Interaktive Objekte: Ausst.-Kat. Skulpturenmuseum Glaskasten Marl, Essen 1996

Elektronische Kunst / Kybernetische Objekte. Vier Beispiele: Günter Dohr, Walter Giers, Hans-Martin Ihme, Peter Vogel: Ausst.-Kat. Kunstverein Braunschweig, hg. v. B. Holeczek, Braunschweig 1977

Peter Vogel. Kybernetische Objekte: Ausst.-Kat. Galerie Holeczek, Freiburg im Breisgau 1975

 

Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

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