Peter Sedgley

Sedgleys Beschäftigung mit der Kunst geht von der Malerei aus. Er widmet sich optischen und raumbezogenen Phänomenen. Gruppenausstellungen rücken Sedgleys Arbeiten vor allem in den Themenkontext optischer Phänomene wie konstruktiver und kinetischer Tendenzen.

Peter Sedgley wird 1930 in London geboren. Er besucht 1944 — 46 die Brixton Technical School in London, arbeitet anschließend als Assistent in den Architekturbüros R. Ward & Partners (1946 — 48), Gollins Melvin (1953 — 54), Clifford Culpin (1955 — 56) und Architects Co-Partners (1956 — 59). Sedgley wendet sich jedoch bald der künstlerischen Arbeit zu. In den 1950er und 60er Jahren ist er neben der britischen Op Art Künstlerin Bridget Riley an der Begründung verschiedener Künstlerinitiativen und Projekte beteiligt, so der Space Provision Artistic Cultural and Educational (S.P.A.C.E.) und des Arts Information Registry (A.I.R.), die sich die Verbesserung der Arbeitsbedingungen, die Einrichtung von Künstlerstudios und die eigenständige Präsentation und Ausstellungsorganisation auf die Fahne geschrieben hatten. 1971 erhält Sedgley im Rahmen des Berliner Künstlerprogramms ein Auslandsstipendium und arbeitet ein Jahr in Deutschland.

Sedgleys Beschäftigung mit der Kunst geht von der Malerei aus. Er widmet sich optischen und raumbezogenen Phänomenen. In den 1960er Jahren entstehen Arbeiten im Dunstkreis der Op Art, irritierende segmentierte rechteckige und runde Farbfelder, ringförmige chromatische Farbabstufungen, farbige Wirbel oder perspektivisch angelegte Farbprismen (Talisman, 1964; Cycle, 1965; Tilt, 1966). In den bewegt wirkenden Farb- und Formstrukturen deuten sich bereits optische Wirkweisen an, die Sedgley in seinen späteren Kinetics weiter entwickelt. So stehen Color Pulse von 1968 – ein pulsierende, knapp 2 × 2 Meter große Farbprojektion eines Farbkreises – oder auch die rotierenden Farbkreise und ornamentalen Farbbandstrukturen, die in der Drehung irritierende Farb- und Bewegungseffekte hervorrufen (Video Disk, 1968), in enger Verbindung zu vorherigen statisch angelegten Arbeiten, deren Bewegungsmotive sich der bildkompositorischen Anlage und optischen Täuschungen verdankten (Blue-Green Modulation, 1964). Mit den kinetischen Prismenprojektionen (Spin, 1981; Blues, 1984), in denen Filterglas zum Einsatz kommt, entstehen stärker raumbezogene Arbeiten: Die farbigen Lichtstrahlen führen bisweilen zu kaleidoskopartigen Farb- und Formkonstellationen und -wechseln, bisweilen wird auch mit Lichtstrahlen der gesamte Umgebungsraum einbezogen. Dabei setzt Sedgley ausschließlich auf die natürlichen Kräfte, auf Antriebsformen durch Wind, Sonne oder Klang. Auch die seit den 1970ern entstehenden Installationen knüpfen mit ihren raumumfassenden, psychedelisch anmutenden großen Farb-, Figuren und Strukturprojektionen (Sound/Light, 1972; Soundscreen, 1979) an diese Vorgaben an und beziehen, wie beispielsweise Chain Reaction von 1974, auch interaktive Momente in die Klang- und Lichtperformances ein. In jüngerer Zeit entstehen auch Projekte im öffentlichen Raum, so im Kölner Haubrich Forum, in der Technischen Universität Stuttgart, dem Polizeipräsidium Berlin-Tempelhof oder auch im Auftrag der Tate Gallery in der Londoner U-Bahn Station »Pimlico«.

Sedgleys Arbeiten werden seit den 1960er Jahren im Rahmen von zahlreichen Einzelausstellungen, so u.a. 1965 und 1968 in der McRoberts and Tunnard Gallery, London, 1971, im Berliner Haus am Waldsee oder 1978 in der Akademie der Künste,
Berlin gezeigt. Gruppenausstellungen rücken Sedgleys Arbeiten vor allem in den Themenkontext optischer Phänomene wie konstruktiver und kinetischer Tendenzen (»The Responsive Eye«, Museum of Modern Art, N.Y.; »Public Eye«, Kunsthaus Hamburg u.a.). In jüngerer Zeit werden seine Werke im Centro de Arte Moderna José de Azeredo Perdigão – Fundação Calouste Gulbenkian, Lissabon (1999), im Musée d’Art Moderne et Contemporain, Genf (2005) oder im Museum of Kinetic Art, London (2007) ausgestellt.

Peter Sedgley lebt und arbeitet in Berlin und Sussex.

Literaturauswahl

Summer of Love, Psychedelische Kunst der 60er und 70er Jahre: Ausst.-Kat. Tate Liverpool, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Kunsthalle Wien, Ostfildern-Ruit 2005

Lauter, Marlene (Hg.): Konkrete Kunst in Europa nach 1945 – Die Sammlung Peter C. Ruppert, Ostfildern-Ruit 2002

FarbLicht Kunst unter Strom: Ausst.-Kat. Städtische Galerie Würzburg u.a., hg. v. M. Lauter, Ostfildern-Ruit 1999

Linschinger, Josef (Hg.): Material, Konzept, Konstrukt: Licht und visuelle Texte, 2000

Peter Sedgley, Light – Sound – Movement, hg. v. D. Bartels, Berlin 1977

Optical and Kinetic Art: Ausst.-Kat. Tate Gallery, hg. v. Michael Compton, London 1967

Rickey, George: Constructivism, Origins and Evolution, New York 1967

 

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

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