Peter Halley

Mit dem Jahr 1980 setzt – in der Nachfolge Josef Albers’, Ellsworth Kellys, Barnett Newmans u.a. – seine Farbfeldmalerei bzw. Hard-Edge-Malerei ein, die ausschließlich auf Quadrate, Rechtecke, gerade Bandlinien und rechte Winkel baut. Die geometrische Mitte der Leinwand ist meist mit einem Quadrat oder Rechteck besetzt, so dass Farbfeldfolgen und Farblinien wie schematisierte mechanische Funktionsströme wirken.

Peter Halley wird am 24. September 1953 in New York City geboren. Sein Kunststudium an der Yale University schließt er 1975 ab, übersiedelt nach New Orleans, wo er 1978 den Master of Fine Arts erwirbt. Erst 1980 kehrt Halley nach New York zurück und lässt sich dort im East Village nieder. Mit dem Jahr 1980 setzt – in der Nachfolge Josef Albers’, Ellsworth Kellys, Barnett Newmans u.a. – seine Farbfeldmalerei bzw. Hard-Edge-Malerei ein, die ausschließlich auf Quadrate, Rechtecke, gerade Bandlinien und rechte Winkel baut. Die ersten Werke sind relativ kleinformatig und beschränken sich auf wenige dunkeltonige, stumpf aufgetragene Farbfelder. Ihre Titel wie Grave, 1980, Apartment House oder The prison of History (beide 1981) verweisen grundlegend auf den konzeptuellen Ansatz Halleys. Den Normierungen durch moderne gesellschaftlicher Phänomene und Zeichen begegnet er mit bildlichen Reduktionen auf Rasterstrukturen, die er als minimalistischen Ausdruck urbaner Existenz versteht.

1980/81 arbeitet Halley mit Acrylfarben auf Leinwand, nutzt aber auch bereits fluoreszierende Industriefarben wie Day-glo-Farben und Roll-a-Tex-Anstriche, die üblicherweise als Fassadenfarbe eingesetzt werden. Bis weit in die 90er Jahre haben die Kompositionen von Halley eine klar hervorgehobene Mitte im geometrischen Zentrum des Formats, die zu den Bildrändern hin durch andersfarbige Rechtecksfelder umgeben wird. Diese zentrale Fläche trägt oft fünf senkrechte Linien in gleichem Abstand, die rechteckig umfasst ist und einem Gitterfenster ähnelt. So erstellt Halley über die Fläche und Struktur reduzierte urbane »Fassaden«. Die drei verschiedenen Malmittel ergeben dabei diferenzierte lichthaltige Farbflächen, wobei die Polarisation von leuchtendem Day-glo und die Matter Struktur des Roll-a-Tex wiederum Licht- und Raumhierarchien erstellt.

Halleys vergitterte Fenster der Prison-Serien werden 1982 thematisch durch seine Cell-Motive erweitert. Diese beschränken sich oft auf nur zwei Farben. Bis 1985 bleibt der Farbeinsatz gedeckt reduziert. Die Auseinandersetzung mit den Prisons und Cells hat Bestand, doch erhalten die Gefängniszellen nun nach oben kleine, rechteckige Annexe, die Halley Schornsteine (Smokestocks) nennt. Sie beziehen sich in ihrem Zeichencharakter nicht nur auf den Raum, sondern nehmen in ihrer Struktur auch urbane Bewegungsphänomene, Fluktuation und vertikale Bewegungsmotive auf. Einzelne Rechtecke können wie Two Cells with circulating Conduits (1985) zeigt, auch über Farbbänder verbunden sein – bildliche Interaktionen, quasi als Zeichen sozialen Lebens.

Ab 1990 hellt sich Halleys Farbeinsatz auf. Grelle Day-glo-Farben wie Pink, Orange, Petrolblau und Grasgrün werden über verschiedenfarbige Conduits, die zum Bildrand führen oder an einem weiteren Farbband enden, vernetzt, versorgt oder entsorgt. Immer noch ist die geometrische Mitte der Leinwand mit einem Quadrat oder Rechteck besetzt, so dass Farbfeldfolgen und Farblinien wie schematisierte mechanische Funktionsströme wirken. Bei aller Statik der Komposition erzielt Halley hier, einen planimetrischen, orthogonalen Zeit- und Bewegungsaspekt, wenn dieser auch mechanistische Züge trägt. Dies verstärkt sich mitunter durch Bildtitel wie Total Recall (1990), aber auch durch die hier angedeutete Konversion des mittigen, grellgrünen Farbfelds. Es ist eindrucksvoll zu sehen, welche Aussagefülle Halley mit seinen strikt minimalisierten konzeptuellen Entwürfen erreichen kann.

Ab Mitte der 90er Jahre führt Halley seine Prisons und Cells in einer Komposition zusammen. Formenfülle, Farbwerte und Farbmutationen werden vielfältiger, wie die Krefelder Arbeit The Happy Land zeigt. Halley arbeitet nun zusätzlich mit metallischen Acrylfarben, wodurch er eine vierte Materialtextur gewinnt. Es entstehen Kompositionen wie Sociogenesis und Instant City (1996), die immer noch von Halleys grundlegender Modernerezeption geprägt sind. Ab 2005 kehrt der Künstler wiederum reduzierend zu den Prisons und Cells zurück. Allerdings verliert die geometrische Mitte nun ihre hierarchische Bedeutung. Dagegen kommt es zu einer Reihung gleicher Motive in Farbvariationen und Größenverhältnissen innerhalb einer Komposition. Mit den All-Over Installations beginnt Halley 1999 in der Ausstellung »Bilder der 90er Jahre« im Museum Folkwang in Essen.

Neben seiner Malerei umfasst Halleys Arbeit auch die Auseinandersezung insbesondere mit soziologisch-philosophischen Theorie. 1996 bis 2006 ist er Gründer und Herausgeber des »index magazines«, das zeitgenössische Kunst analysiert und kritisch reflektiert. In Interviews und Aufsätzen erläutert Halley seine künstlerischen Konzepte, für die auch strukturelle und kommunikative Strukturen des World Wide Web bedeutsam werden. In seinem Aufsatz zur Krise der Geometrie (1984) nimmt er folgendermaßen Stellung: »For, like these crisis, the crisis of geometry is a crisis of the signified. It no longer seems possible to accept geometric forms as either transcendental order, detached signifier, or as the basic gestalt of visual perception (as did Arnheim) … These questions arise: to what purpose is geometric form put in our culture? Why is modern society so obsessed with geometric form that, for at least the last two centuries, we have striven to build and live in geometric enviroments of increasing complexity and exclusivity? Why has geometric art so widely acepted in our century, and why has geometric imagery gaines an unprecented importance in our public iconography?« (Halley, in: Arts Magazine 1984).

1991 erhält Halley die erste große Retrospektive im CAPC Musée d’Art Contemporaine in Bordeaux. Er lebt, lehrt, publiziert und arbeitet in New York.

Literaturauswahl

Reynolds, C.: Peter Halley – Maintain Speed, New York 2000

Halley, P.: Recent Essays. 1990 — 96, New York 1997

Halley, P.: Collected Essays, 1981 — 87, New York 1988

Halley, P.: The Crisis in Geometry, in: Arts Magazine, June 1984, Vol. 50, Nr. 10 o.p.

www.peterhalley.com (mit umfangr. Literaturliste)

 

Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014

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