Per Kirkeby

Er erarbeitet Farbkompositionen, die in vielfachen Materialschichten das Bildfeld, z.T. im All-Over strukturieren. Farbigkeit und Formgebungen der oft monumentalen Bilder Per Kirkebys erzeugen Wahrnehmungen von sedimentierten Erdablagerungen und Gesteinsoberflächen, vegetabilen Mustern wie Blattwerk und Flechten, ohne diese Motive tatsächlich abzubilden.

Per Kirkeby wird 1938 in Kopenhagen geboren und beginnt 1957 zunächst ein Geologiestudium an der dortigen Universität. Exkursionen führen ihn nach u.a. 1958 und 1960 nach Grönland, wo er auch erstmals Landschaftseindrücke in bildlichen Darstellungen fasst. Hier ergibt sich im Rahmen von Gesteinsstudien und Materialerkundungen sein besonderes Interesse an der detailgenauen Untersuchung von Stoffen und Stoffstrukturen, die er auch in Zeichnungen und ersten Gemälden festhält. Ab 1962 beginnt Kirkeby parallel seine Ausbildung an der Experimental Art School in Kopenhagen, wo er sich der Malerei und Graphik, aber auch dem Film widmet. Das Geologie-Studium schließt Kirkeby 1964 mit der Promotion ab. Im selben Jahr stellt er erstmals Zeichnungen und Collagen aus. Lehraufträge führen Kirkeby 1978 an die Kunstakademie Karlsruhe, 1989 — 2000 an die Städelschule in Frankfurt am Main.

Im Zeitraum von 1963 bis 1974 wird die künstlerische Arbeit Kirkebys v.a. durch seine Kontakte mit Fluxus-Künstlern und seine Auseinandersetzung mit konzeptuellen Entwürfen und die Teilnahme an Performances geprägt. Doch kristallisiert sich um 1970 heraus, dass er seine eigenen Ausdrucksformen hauptsächlich in Collagen, unterschiedlichen Mal- und Drucktechniken findet. Auf Leinwand bzw. seriell angeordneten Holzfaserplatten (Masonit) entstehen Bilder, in denen der assoziative Verweis auf die Natur zunächst durch Farbigkeit, Landschaftselemente und deren perspektivische Darstellung erzeugt wird. Bisweilen überführen gegenstandsbezogene Motive, u.a. Architekturen, Zäune etc. die Naturassoziationen in konkretere Landschaftsbilder (Der Blaue Zaun, 1965; Das Urteil des Paris, 1966; o.T. 1968; Vögel, begraben im Schnee, 1970). Daneben beschäftigt Kirkeby sich mit figuralen Assoziationen in gestischem Duktus, die an Maltechniken der Gruppe CoBrA erinnern (Hul-og punktdamed, 1964/66; Soltemplet, 1969). Die Farbe tritt jeweils als wesentlicher Gestaltungsfaktor auf, in abgegrenzten und von Mustern überlagerten Farbfeldern oder in eng vernetzten Schraffuren.

Zwar tauchen narrativ-figurale Assoziationen in seinem Werk immer wieder auf (Das Herabnehmen, 1985; Vibeke, Kristall, 1983). Doch die Gestaltung abstrakter Natur- bzw. Landschaftseindrücke wird in den Folgejahren zum bestimmenden Interesse Kirkebys: »Mein Verhältnis zur Landschaft ist professioneller Art, doch verstehe ich mich als ein mit Raum befasster Maler, der sich verschiedener Tricks bedient und sich fragt, was das denn sei, was wir normalerweise mit Landschaft bezeichnen? Ist das nur ein von Kultur geprägtes Etwas? Ich versuche, immer anders dahin zu kommen. Die landschaftlichen Elemente in meinen Bildern sind wie Attrappen oder Kulissen, mit denen ich herumspiele.« (Kirkeby im Gespräch H.-N. Jocks, in: Kunstforum International, 135/1996). Er erarbeitet Farbkompositionen, die in vielfachen Materialschichten das Bildfeld, z.T. im All-Over strukturieren. Farbigkeit und Formgebungen der oft monumentalen Bilder erzeugen Wahrnehmungen von sedimentierten Erdablagerungen und Gesteinsoberflächen, vegetabilen Mustern wie Blattwerk und Flechten, ohne diese Motive tatsächlich abzubilden. Mit einer Werkgruppe von Tuschzeichnungen entwirft Kirkeby 1982 ein prototypisch anmutendes Bildvokabular, das ihn auch in späteren Graphik-Serien immer wieder beschäftigt. Seine oft unbetitelten Werke spielen mit den ungefähren und nicht benennbaren Aspekten der Naturerfahrung, wobei die Effekte von Helldunkel und Licht auch plastisch-räumliche Assoziationen mit erzählerischen Komponenten erzeugen (Beatus Apokalypse, 1989). Daneben spielen kunsthistorische Vorbilder, u.a. Paul Monet, Paul Cézanne, auf die er sich explizit bezieht, eine besondere Rolle.

Neben die Malerei rückt seit Beginn der siebziger Jahre auch die Beschäftigung mit der Ziegelstein-Skulptur. Kirkebys Arbeiten entstehen meist als gemauerte architektonische Installationen im Außenraum (Backsteinskulptur Skulpturenprojekt Münster, 1986). Im Jahr 2004 wird eine Werkgruppe auf der Insel Hombroich installiert. Seit den 1980er Jahren entstehen auch Bronzeskulpturen, die nun erneut figuralen Charakter haben bzw. auf Naturelemente wie Baumstämme zurückgreifen (Tor II, 1987; Torso II, 1983, Torso Ast, 1987).

Kirkebys Vielseitigkeit wird auch in seinem umfangreichen Filmschaffen sichtbar, das im Jahr 1968 einsetzt und in seinem literarischen Oeuvre, das seine künstlerischen Arbeiten von Anfang an begleitet.

Neben zahlreichen Ausstellungen in den großen Museen der Welt, nimmt Kirkeby mehrfach an der Biennale Venedig teil, ebenso stellt er im Jahr 1982 auf der Documenta 7 und 1992 auf der Documenta 9 aus. Seine Arbeiten sind überdies in zahlreichen weiteren Ausstellungen präsent, so 1992 in der Kestner Gesellschaft Hannover, 1998 in der Tate Gallery London und in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf, zuletzt in der Kunsthalle Emden im Jahr 2006.

Per Kirkeby lebt und arbeitet in Kopenhagen, Frankfurt am Main und Arnasco/ Italien.

Literaturauswahl:

Per Kirkeby. Prototypen der Natur: Ausst.-Kat. Kunsthalle Emden, hg. v. A. Sommer, Ostfildern-Ruit 2006

Sondermann, V.: Zitat und Paraphrase bei Per Kirkeby von 1963 bis 1976, 2 Bde., Karlsruhe 2004

Per Kirkeby zu Gast in der Gemäldegalerie Neue Meister: Ausst.-Kat. Gemäldegalerie Neue Meister Dresden, hg. v. U. Bischoff u. E. Hipp, Dresden 2000

Per Kirkeby: Ausst.-Kat. Tate Gallery. London, hg. v. J. Lloyd, London 1998

Per Kirkeby. Bild, Zeichnung, Skulptur: Ausst.-Kat. Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, hg. v. A. Zweite, Köln 1998

Per Kirkeby. Die Bronzen, Werkverzeichnis hg. v. U. Wilmes, Köln 1998

Per Kirkeby. Bilder: Ausst.-Kat. Kestner-Gesellschaft Hannover, hg. v. C. Haenlein, Hannover 1991

Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen

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