Otto Eckmann

Eckmann verzichtet weitgehend auf perspektivische Wirkungen und setzt auf das Zusammenspiel von Linie und Fläche. Die Farbe wird reduziert eingesetzt und unterstreicht die im Motiv angelegten Bewegungen.

Otto Eckmann wird am 19. November 1865 in Hamburg geboren. Nach einer kaufmännischen Lehre studiert er zunächst an den Kunstgewerbeschulen in Hamburg und Nürnberg. 1885 geht er nach München und nimmt ein Studium der Malerei an der dortigen Kunstakademie auf, das er 1890 beendet. Obwohl er als Maler Erfolge verzeichnen kann, beschließt er, sich vollends der Grafik und dem Kunsthandwerk zu widmen. Um den Bruch in seinem Werk deutlich zu zeigen, lässt er sein bisheriges malerisches Œuvre 1894 als seinen »künstlerischen Nachlass« versteigern.

In der neuen Periode seines Schaffens greift Eckmann den Jugendstil auf, der Ende des 19. Jahrhunderts tonangebend ist. Schnell wird er zu einem der Hauptvertreter der floralen Richtung dieser Strömung. Sein grafisches Werk ist stark vom japanischen Farbholzschnitt beeinflusst, den er im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe kennenlernt. Von ihm übernimmt er die freie, ornamentale Stilisierung von Tieren und Pflanzen, entwickelt aber auch seine eigene Formensprache. Eckmann verzichtet weitgehend auf perspektivische Wirkungen und setzt auf das Zusammenspiel von Linie und Fläche. Die Farbe wird reduziert eingesetzt und unterstreicht die im Motiv angelegten Bewegungen.

Als Illustrator arbeitet Eckmann ab 1895 für die Zeitschrift »Pan« und ab 1896 für die »Jugend«, für die er u.a. die Titel und Ornamentrahmungen entwirft. Für Verlage, etwa für den Leipziger Verlag E.A. Seemann, gestaltet er Exlibris. Ab 1897 unterrichtet er als Professor für ornamentale Malerei an der Berliner Kunstgewerbeschule und veröffentlicht seine Schrift »Neue Formen. Dekorative Entwürfe für die Praxis«, ein typisches Jugendstil-Musterbuch für Dekoration.

Als Sujets bevorzugt er Blumen mit schwingenden Blättern und langstielige Pflanzen sowie grazile Tiere wie den Schwan. Als eine der bedeutendsten kunsthandwerklichen Arbeiten des deutschen Jugendstils gilt sein Wandteppich Fünf Schwäne aus den Jahren 1896 97, der von der Webkunstschule Scherrebeck aus Schleswig-Holstein nach Eckmanns Entwurf in einer Auflage von ca. 100 Exemplaren ausgeführt wurde. Angelehnt an japanische Holzschnitte wählt Eckmann ein sehr schmales Hochformat und lässt fünf Schwäne einen Fluss herab schwimmen. Wie in seinen Grafiken sind die einzelnen Motive, die Schwäne, der Fluss und die Bäume, stark stilisiert und ornamenthaft mit dem flächigen Hintergrund verwoben.

Neben Musterzeichnungen für Textilien umfasst das Werk von Otto Eckmann Entwürfe für Metallarbeiten, Schmuck, Keramik, Möbel und Innendekorationen. 1897 präsentiert er neuartige Metallarbeiten auf der Kunstausstellung im Glaspalast in München. Im selben Jahr stattet er das Arbeitszimmer des Großherzogs Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt im Neuen Palais in Darmstadt aus. Eckmann entwirft ferner Glasfenster für das Krefelder Kaiser-Wilhelm-Museum und Keramikkacheln für die Firma Villeroy & Boch. Zudem arbeitet er für die AEG und gestaltet wie Peter Behrens deren Warenzeichen und Werbekampagnen.

Wesentlich im Schaffen von Otto Eckmann ist auch sein Wirken als Typograf. 1899 entwickelt er die nach ihm benannte »Eckmann-Schrift«, die wohl 1901 erstmals von der Rudhard’schen Gießerei (später Gebr. Klingspor) in Offenbach herausgebracht wurde. Inspirieren lässt sich Eckmann für den Entwurf dieser Schrift von der japanischen Kalligrafie, folgerichtig führt er sie mit Hilfe des Pinsels aus. Mit ihren geschwungenen Linien und offenen Rundungen entspricht die Eckmann-Schrift dem Formideal des Jugendstils und wird zur Modeschrift. Berühmt geworden ist außerdem Eckmanns Titelvignette für die Illustrierte »Die Woche«: eine durch ein spiralig geführtes Ornamentband gerahmte Sieben als Zeichen des siebentägigen Erscheinungsrhythmus der Zeitschrift.

Am 11. Juni 1902 stirbt Otto Eckmann im Alter von 37 Jahren in Badenweiler.

Literaturauswahl:

Fahr-Becker, Gabriele: Jugendstil, Königswinter 2004, S. 396

Savigny, Brigitte von: Otto Eckmann (1865 1902). Graphiker und Kunsthandwerker, Freiburg im Breisgau 1993

Simmen, Jeannot: Zeichnungen und Druckgraphik von Otto Eckmann, Berlin 1982

Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

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