Otto Dix

Die Strömung der Neuen Sachlichkeit mit ihren sozialkritischen Bildthemen wirkt sich entscheidend auf Dix’ künstlerisches Schaffen ab den 1920er Jahren aus und führt zu einem Paradigmenwechsel. Er wird zu einem der Protagonisten des als »Verismus« bezeichneten, provokanten, schonungslosen Realismus, der sich Ausdrucksformen der deutschen Renaissance und des frühen 19. Jahrhunderts bedient.

Otto Dix wird am 2. Dezember 1891 in dem Thüringer Dorf Untermhaus geboren und wächst mit seinen Eltern und drei Geschwistern in bescheidenen Verhältnissen auf. Nach dem Besuch der Volksschule beginnt Dix 1906 eine Lehre als Dekorationsmaler im nahegelegenen Gera. Nach erfolgreicher Gesellenprüfung wird er 1910 an der Großherzoglich-Sächsischen Kunstgewerbeschule in Dresden aufgenommen, wo er sowohl im Ornament- und Naturmalen als auch im Figurenzeichnen unterrichtet wird. Später belegt er zusätzlich Kurse in figürlicher Dekorationsmalerei bei Richard Guhr. Neben Besuchen in der Dresdener Gemäldegalerie, wo er die Alten Meister studiert, inspirieren ihn vor allem Ausstellungen mit Werken van Goghs und expressionistischer Malerei in der Galerie Ernst Arnold und dem Kunstsalon Emil Richter. In seinem stilpluralistischen Frühwerk verarbeitet Dix diese impressionistischen und expressionistischen Einflüsse und setzt sich erstmals mit dem Thema Eros und Tod auseinander, das eine zentrale Stellung innerhalb seines Œuvres einnimmt.

1914 meldet sich Dix freiwillig zum Kriegsdienst und wird 1918 zum Vizefeldwebel befördert. Die Zeichnungen und Gouachen, die in dieser Zeit entstehen, weisen eine an die Moderne angelehnte, breite stilistische Palette von expressionistischen, futuristischen und kubistischen Tendenzen auf und setzen sich inhaltlich hauptsächlich mit den Kriegsgeschehnissen auseinander. 1919 kehrt Dix nach Dresden zurück, wo er an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Meisterschüler von Max Feldbauer und Otto Gußmann wird. Im selben Jahr wird Dix Mitbegründer der »Dresdner Sezession – Gruppe 1919«. Angeregt durch Conrad Felixmüller, ebenfalls Mitglied der Vereinigung, setzt er sich ab 1920 mit der Technik der Radierung auseinander. Ausstellungen der Künstlervereinigung finden unter Beteiligung Dix’ in Dresden, Düsseldorf, Prag und Berlin statt. Er knüpft Kontakte zu den Berliner Dadaisten und tritt während seines Aufenthaltes in Düsseldorf zu Beginn der 1920er Jahre der Künstlergruppe »Junges Rheinland« bei.

Die Strömung der Neuen Sachlichkeit mit ihren sozialkritischen Bildthemen wirkt sich entscheidend auf Dix’ künstlerisches Schaffen ab den 1920er Jahren aus und führt zu einem Paradigmenwechsel. Er wird zu einem der Protagonisten des als »Verismus« bezeichneten, provokanten, schonungslosen Realismus, der sich Ausdrucksformen der deutschen Renaissance und des frühen 19. Jahrhunderts bedient. 1924 erfolgt sein künstlerischer Durchbruch: Neben der Veröffentlichung seiner ersten Bildmonografie beteiligt er sich an der 1. Deutschen Kunstausstellung in Moskau, Saratow und Leningrad und feiert seine erste Einzelausstellung im Kronprinzenpalais Berlin. Die Hauptstadt wird 1925 zu seinem neuen Wohnsitz. Sowohl in der Ausstellung »Neue Sachlichkeit« in Mannheim als auch bei der Internationalen Kunstausstellung 1926 in Dresden sind seine Werke in dieser Zeit zu sehen. 1927 kehrt Dix nach Dresden zurück, da er eine Professur an der Kunstakademie erhält. Die Malerei wird nun zum zentralen Medium seiner Kunst.

Nachdem Dix 1933 seine Professur an der Dresdener Kunstakademie durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten verliert, siedelt er mit seiner Familie nach Süddeutschland um. Es folgt die Diffamierung als »entarteter« Künstler und die Beschlagnahmung von über 200 Werken aus deutschen Museen. In Hemmenhofen am Bodensee bezieht die Familie 1936 ein Landhaus, das der Architekt Arnulf Schelcher für Dix entworfen hatte. An die Stelle der Motivwelten der Großstadt treten nun Landschaften, hinzu kommen ab 1937 religiöse Sujets mit christlich-altmeisterlichen Allegorien. Dix’ Spätwerk ab 1944 zeichnet sich vor allem durch die Rückbesinnung auf den expressionistischen Malstil früherer Arbeiten aus.

Zwischen 1947 und 1966 kehrt Dix regelmäßig nach Dresden zurück, wo ein umfangreiches Œuvre an Lithografien entsteht. Er gilt daher als deutsch-deutscher Künstler, der mit den unterschiedlichen Ausprägungen der Nachkriegsmoderne im Westen und in der DDR konfrontiert wird. In den 1950er und 1960er Jahren nimmt er an zahlreichen Ausstellungen teil und wird Mitglied der Akademie der Künste in Berlin.

Otto Dix stirbt am 25. Juli 1969 in Singen. In dem Wohn- und Atelierhaus in Hemmenhofen, das die Stiftung Otto-Dix-Haus e.V. 2010 erwarb, wurde bereits 1991 ein Museum eingerichtet. Nach einer Sanierung wird das Künstlerhaus 2013 als Teil des Kunstmuseums Stuttgart unter dem Namen »Museum Haus Dix« wiedereröffnet.

Literaturauswahl

Beck, Rainer: Otto Dix. 1891 1969. Zeit, Leben, Werk, Konstanz 1993

Getroffen. Otto Dix und die Kunst des Porträts: Ausst.-Kat. Kunstmuseum Stuttgart, hg. v. Marion Ackermann, Köln 2007

Kracher, Eva: Otto Dix 1891 1969. Leben und Werk, Köln 1988

Löffler, Fritz: Otto Dix. Leben und Werk, Dresden 1977

Strobl, Andreas: Otto Dix. Eine Malerkarriere der zwanziger Jahre, Berlin 1996

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Foto: Tobias Roch, Hagen

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