Olaf Metzel

Die Kunst Olaf Metzels zeigt sich aggressiv, zerstörerisch, provokant. Die aussagekräftig betitelten Arbeiten verstehen sich als explizit politische Kommentare zum politischen Geschehen und dessen mediale Vermittlung, aber zu einem saturierten Kunstbetrieb, der bereits alles konzipiert, alles gesehen zu haben scheint.

Olaf Metzel wird 1952 in Berlin geboren. 1971 — 1977 studiert er an der Freien Universität Berlin und an der Hochschule der Künste Berlin. Nach figürlichen Arbeiten (Roter Beton, 1981) widmet sich Metzel bald raumbezogenen Installationen, die schon zu Beginn in besonderem Maß durch gesellschaftspolitisches Engagement getragen sind (Türkenwohnung Abstand 12.000,- DM VB, 1982). Seit den 1980er Jahren kommt Metzel Lehraufträgen nach, so u.a. 1986 im Rahmen einer Gastprofessor der Hochschule für Bildende Künste Hamburg. 1990 erhält er eine Professur an der Akademie der Bildenden Künste in München, deren Rektor er von 1995 — 99 ist.

Die Kunst Olaf Metzels zeigt sich aggressiv, zerstörerisch, provokant, wie auch die Reaktionen auf das anlässlich der Fußball-WM im Jahr 2006 in Nürnberg präsentierte Projekt Das große Rasenstück bzw. die dortige Installation Auf Wiedersehen jüngst dokumentieren. Die aussagekräftig betitelten Arbeiten (z.B.Stammheim, 1984; Turbokapitalismus, 1999 oder Nicht mit uns, 2000) verstehen sich als explizit politische Kommentare zum politischen Geschehen und dessen mediale Vermittlung, aber zu einem saturierten Kunstbetrieb, der bereits alles konzipiert, alles gesehen zu haben scheint. Metzel fasst die Kunst als Einmischung, als Handlung auf, lenkt damit auch auf deren aktionsgebundenes Potential: Mit seiner wohl bekanntesten und von heftigem Protest begleiteten Installation 13.4.1981nimmt Metzel 1987 im Rahmen des Berliner »Skulpturenboulevard« auf die Demonstration vom 12./13. April 1981 Bezug, die auf die Falschmeldung vom Tod des inhaftierten RAF-Häftlings Sigurd Debus reagierte. Die an gleicher Stelle gegenüber dem Café Kranzler positionierten auf- und ineinandergestellten rot-weißen Polizeisperren formiert er zu einem turmartigen skulpturalen Körper.

Metzels Anliegen gilt den Möglichkeiten der Skulptur im öffentlichen Raum. Er setzt mit Absperrgittern oder Stadionbestuhlung meist im städtischen Kontext präsente Gegenstände mit Symbolwert ein, bespielt öffentliche Plätze und forciert Reaktionen – so im Falle der genannten Berliner Installation, deren Entfernung schließlich durch den Senat veranlasst wird. Doch erschließen sich seine Arbeiten nicht allein als kritische Kommentierungen des Zeitgeschehens oder Manifestationen des Protests. Vielmehr offenbart sich hinter dem oft kritisch-zerstörerisch erscheinenden Geist Metzelscher Arbeiten, der mitunter auch auf die eigenhändige und kontrollierte Zerstörung von Gegenständen durch den Künstler (Idealmodell PK, 1987; Laborprobe, 1990; Milieufragen, 2007) baut, eine ästhetische Dimension und künstlerische Selbstbefragung: Die subtile Komposition oft eigens hergestellter Objekte, ihre Formation, Formate und Materialität in spezifischem Ortskontext birgt ebenso destruktive wie konstruktive Seiten.

Auch Metzels 1991 entstandene Arbeit 112 : 104 – eine raumgreifende, aus zerborstenem Sporthallenboden, derangierten Basketball-Backboards und Deckengestängen gefertigte Installation, die mit der unscheinbaren titelgebenden Anzeigetafel zum Torverhältnis 112:104 nurmehr einen vagen Hinweis auf den Kontext des Sports gibt – entpuppt sich nur vordergründig als Allegorie blinder Zerstörungswut einer aufgeheizten Masse oder gar generell kulturpessimistischer Haltung. Die Realisierung der nur scheinbar aus vertrauten Materialien des Sports gewonnenen Installation weist auf deren Kunstcharakter zurück. Sie bezieht sich auf andere formale wie inhaltliche Aspekte der Objekte: Weder die Abmessungen der Teile, noch die Materialien entstammen der Sphäre des Sports, sind vielmehr nach künstlereigenen Kriterien hergestellte, subtil zerlegte und nach einem Plan zusammengestellte Gegenstände. Metzels Arbeiten balancieren zwischen der Bildhaftigkeit eben jener hergestellten Gegenstände und der Objekthaftigkeit, die diese in ihrer raumbezogenen Konstellation einnehmen. Die doppelte Lesbarkeit beispielsweise der Installation 112:104 wird auch durch die Referenz unterstrichen, die die raumgreifende Schichtung und Zerklüftung der Teile Caspar David Friedrichs bekanntem Gemälde Eismeer (Die gescheiterte Hoffnung) von 1821 erweist. Auch in anderen Arbeiten, so Laborprobe oder dem jüngeren Nürnberger Turm aus Stadionbestuhlungs-Elementen, die erkennbar Tatlins Denkmal für die III. Internationale (1920) zitieren, wird die Verbindung zur kunsthistorischen Vorlage zum Angelpunkt für Metzels Neubestimmung der Skulptur als kreativ-prozessual entwickelte und dabei materialbewusste wie ortsbedingte Ausdrucksform.

Die erste Einzelausstellung erhält Metzel 1982 in Westberlin. 1987 nimmt er an der Documenta 8 in Kassel teil, ist 1987 und 1997 auf der Ausstellung Skulptur.Projekte Münster vertreten. 2006 ist Metzel selbst Kurator der Ausstellung »YBA – Young Bavarian Art« in der Gagosian Gallery, Berlin. Neben Skulpturen, Objekten und Installationen zeigen jüngere Ausstellungen auch das umfangreiche zeichnerische Werk Metzels, das seit Beginn der 1980er Jahre sowohl Einblicke in den Entwicklungsprozess seiner plastischen Arbeiten wie deren Verortung bietet.

Olaf Metzel lebt und arbeitet in München.

Literaturauswahl

Olaf Metzel: Ausst.-Kat. Von der Heydt-Museum, Wuppertal 2007

Olaf Metzel – Zeichnungen: Ausst.-Kat. Staatsgalerie Stuttgart, Stuttgart 2006

Olaf Metzel – Deutsche Kiste: Ausst.-Kat. Städtische Kunstsammlungen, Institut Mathildenhöhe, Darmstadt 2001

Olaf Metzel, Christina Iglesias – Damenwahl: Ausst.-Kat. Haus am Waldsee, Berlin 1999

Olaf Metzel – Skulptur: Ausst.-Kat. Kunstraum München, München 1982

Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

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