Olaf Holzapfel

Seltsame Gegensätze durchziehen Holzapfels Werk immer wieder und lassen seine Arbeiten wirken. Man möchte sie anfassen, an ihnen riechen, sie schieben, heben, drehen, um sie wirklich zu begreifen, ihre Schwere, Oberfläche, Masse und ihr Volumen zu erfahren.

Olaf Holzapfel wird 1969 in Görlitz geboren. Von 1996 bis 2001 studiert er Malerei an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden bei Prof. Ralf Kerbach, dessen Meisterschüler er im Anschluss wird. 2001 bis 2002 ist Holzapfel Research Student bei dem vielfach ausgezeichneten Industriedesigner Prof. Singanapalli Balaram am National Institut of Design in Ahmedabad in Indien und im Jahr 2002 Artist in Residence an der Columbia University, New York. Im selben Jahr finden seine ersten Solo-Ausstellungen statt: »In between goods« in Ahmedabad und »Nice Thinking Utopias« in der LeRoy Neiman Gallery der Columbia University. Einzelausstellungen in Galerien schließen sich an, unter anderem bei den Gebr. Lehmann in Dresden (2005, 2011), Sabine Knust in München (2007), Hussenot in Paris (2008) und im Autocenter Berlin (2008). In jüngerer Zeit sind Werke von Holzapfel in großen Ausstellungen zu sehen, so im Jahr 2011 auf der 54. Venedig Biennale, wo er mit Teresa Mirta den südamerikanischen Pavillon gestaltet, im Jahr 2012 in den Schauen »Wahlverwandtschaften« am Museum für Völkerkunde Hamburg und »Made in Germany Zwei« (Sprengel Museum, Kestner Gesellschaft, Kunstverein Hannover). Als Gastprofessor lehrt Holzapfel von 2006 bis 2008 an der Kunstakademie Karlsruhe und von 2008 bis 2010 an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg.

Holzapfel arbeitet in Malerei und Bildhauerei. Seine Bilder sind nicht figurativ. Sie zeigen, teils in riesigen Formaten, farbige Strukturen wie Streifen und Flächen ohne erkennbare Gesetzmäßigkeit, jedoch in strengen Kompositionen, oder Strukturen in Skalen von nur einer Grundfarbe. Es ist nicht auszumachen, ob sie auf reale Vorlagen zurückzuführen sind, aber sie regen, wie auch die Objekte und Bild-Objekte des Künstlers, zum genauen Betrachten an – als wenn sich das einzelne Bild mit jedem Blick veränderte. So erscheinen sie wie Versuche über das Sehen selbst.

Vor allem in den Objekten ist das Spektrum der Materialien vielfältig und umfasst synthetische und organische Werkstoffe. Seltsame Gegensätze durchziehen Holzapfels Werk immer wieder und lassen seine Arbeiten wirken. Man möchte sie anfassen, an ihnen riechen, sie schieben, heben, drehen, um sie wirklich zu begreifen, ihre Schwere, Oberfläche, Masse und ihr Volumen zu erfahren. Er faltet dicke Kunststoffbahnen zu ordentlichen Päckchen (3 wie 1, 2 in 3, 2, 1, 1 über 1, 2007), stellt transparente Behälter aus Acryl her (Puder, 2010), erstellt Fachwerk-Ständerbauten (Interesse an allerlei Formen von Datenumwandlung, 2011) und setzt große Strohballen an innerstädtischen Kreuzungen aus (6 Milliarden Zylinder, 2011). Er lässt von Bauern in Polen nach traditioneller Handwerkstechnik fast baumstammdicke Schnüre aus Heu herstellen, windet und webt diese um Holzrahmen und hängt sie wie Bilder an die Wand (Lichtbild Schlaufen und Heubild, cross, Heubild Nr. 1, 2010).

Holzapfel flechtet abstrakte Zeichen voller sinnlicher Reize in die Kunstwelt. Inwieweit diese Zeichen auf etwas verweisen und als Code zu lesen sind, oder auf Codes beruhen, bleibt dem Verständnis des Betrachters überlassen. Mit Gewebe und Vernetzung verbinden wir heute vielfach die digitale Welt, das Internet und die Globalisierung. Diese Sicht lässt natürliche, organische Materialien wie das Heu in den Bildern fast archaisch anmuten. So greift der Künstler zum Einen in die Räume unserer durch und durch industrialisierten Zivilisation ein, zum Anderen unterbricht er den Fluss unseres zumeist eiligen Alltags, in dem wir mit diesen Bildern, Begegnungen, Reizen nicht rechnen. Er schenkt uns mit seinen Werken einen Moment der Überraschung, Störung, Unangepasstheit.

Olaf Holzapfel lebt und arbeitet in Dresden und Berlin.

Literaturauswahl:

Olaf Holzapfel – Region: Ausst.-Kat. Leonhardi-Museum Dresden, hg. v. Bernd Heise, Berlin 2012

Made in Germany Zwei: Ausst.-Kat. Sprengel Museum, Kestnergesellschaft, Kunstverein Hannover, Nürnberg 2012

Das Nomadische Kriterium: Ausst.-Kat. Galerie im Taxispalais Innsbruck, Köln 2009

Olaf Holzapfel – Nakano Sakaue. Verhandelte Zeichen: Ausst.-Kat. Galerie im Taxispalais Innsbruck; Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr, hg. v. d. Johnen-Galerie, Berlin, New York 2009

Der große Wurf. Faltungen in der Gegenwartskunst: Ausst.-Kat. Kunstmuseum Krefeld, Freiburg 2008

Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger

Zu Sammlung hinzufügen…

×
×
×

Liebe Besucherinnen und Besucher,

seit 2006 gibt die museumsplattform nrw einen umfassenden Einblick in die Sammlungen und Aktivitäten ausgewählter NRW-Museen – und regt damit zugleich auch ein neues Publikum zum Museumsbesuch an. Monatlich 13.000 Besucher*innen belegen das Interesse an diesem einzigartigen Instrument zum interaktiven und kommunikativen Umgang mit Kunst im Netz.

Ein intensiv gepflegter und konstant ausgebauter Newsbereich mit Hinweisen zu Ausstellungen und Veranstaltungen oder Features aus der Kunstszene NRWs gehört ebenfalls dazu. 2013 erhielt die bereits seit zehn Jahren aktive Online-Plattform den bedeutenden Grimme Online Award.

Für den Ausbau dieses Online-Angebots sind wir auf den dauerhaften Beteiligungswillen der Museen angewiesen. Auch wenn die aktive Ausgestaltung derzeit nicht erfolgen kann, laden wir Sie doch herzlich ein, unser breites Angebot zum interaktiven und kreativen Umgang mit der Bildenden Kunst und ihren vielfältigen Formen medialer Vermittlung spielerisch zu erkunden.

Ihr NRW KULTURsekretariat