Norbert Kricke

Seine ersten Arbeiten formulieren bereits entscheidende Merkmale, die sein folgendes Werk beeinflussen. Aus gebogenem Draht und Gestänge arbeitet Kricke einfache raumeinnehmende Skulpturen, die anfangs orthogonalen bzw. geometrischen Linien folgend auf dem Boden liegen oder sich im Raum entwickeln. Das Prinzip der gestaffelten und fast verschmelzenden geraden Linien interessiert ihn in.

1922 wird Norbert Kricke in Düsseldorf geboren. Er studiert 1946 — 47 bei Richard Scheibe an der Hochschule der Künste, Berlin. Im Jahr 1947 übersiedelt er nach Düsseldorf, wo er ab diesem Zeitpunkt als freischaffender Bildhauer arbeitet. Seine ersten Arbeiten formulieren bereits entscheidende Merkmale, die sein folgendes Werk beeinflussen. Aus gebogenem Draht und Gestänge arbeitet Kricke einfache raumeinnehmende Skulpturen, die anfangs orthogonalen bzw. geometrischen Linien folgend auf dem Boden liegen oder sich im Raum entwickeln. Ihr Titel Raumplastik weist bereits auf dieses Interesse an ausdehnender Formgebung hin. Zunächst noch auf Bodenplatten befestigt, entwickeln sich die linearen Formen schließlich frei im Raum, wobei sie stets auf dem Boden ihr Auflager finden (Raumplastik 1952).

Die Folgejahre zeigen die kontinuierliche Arbeit an dem Formenvokabular, das sich vor allem in unterschiedlicher Dynamik, Rhythmik und Spannung der mehr und mehr energiegeladenen Formen zeigt. Bald verdichten sich die Knäuel und Verknotungen der verschweißten Metallstäbe, um dann in ausgreifenden Raumvektoren zu enden (Raumplastik 1955, Raumplastik »Hornisse« 1955 — 56). Ebenfalls 1965 entstehen Krickes Ideen zur Gestaltung von »Wasserreliefs« und eines »Wasserwaldes«, die er in dem Text »Forms of Water« ausführt. Den Lichtreflexionen und der Dynamik des bewegten Wasserspiels, das Kricke in architektonische und plastische Formen lenkt, gilt sein Interesse (Wasserwald Düsseldorf, 1964).

Mit der Ausstattung von Werner Ruhnaus Stadttheater in Gelsenkirchen übernimmt Kricke gemeinsam mit Yves Klein und Robert Adams einen ersten öffentlichen Auftrag. Sein Fassadenrelief offenbart eine neue Transformation seiner skulpturalen Gestaltung. Schmale horizontal versetzte Eisenstäbe schaffen auf der grau-gerasterten Betonfassade eine bewegte und flächige eiserne Front, deren Licht-Rasterungen an die puristischen Vorstellungen der Düsseldorfer Gruppe Zero erinnern. Das Prinzip der gestaffelten und fast verschmelzenden geraden Linien interessiert ihn in der Folge auch in einzelnen kleinformatigen Raumplastiken (Raumplastik 1957 — 58, Raumplastik 1959). Im Jahr 1959 nimmt Kricke an der Documenta 2 teil.

Mit der großformatigen Raumplastik »Große Mannesmann«, die 1958 — 1961 als Auftragswerk des gleichnamigen Unternehmens entstand, gestaltet Kricke ein Monument, das in besonderer Weise dem Fortschrittsglauben der 50/60er Jahre Ausdruck verleiht. Die freien Enden der zusammengeballten und verknoteten Edelstahl-Stäbe erobern in wirkungsvoller Dynamik ein scheinbar unbegrenztes Raumgefüge vor der Rheinfront des damals gerade fertiggestellten Mannesmann-Hochhauses von Schneider-Esleben. Im selben Jahr erhält Kricke seine erste Einzelausstellung im Museum of Modern Art in New York. 1964 erhält er eine Professur an der Düsseldorfer Kunstakademie. In das selbe Jahr fällt auch seine Teilnahme an der Documenta 3 und an der Biennale in Venedig.

Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre gelangt Kricke zu einer beruhigteren Formensprache. Zögernde und vereinzelte Linienzüge der Drahstäbe überwiegen, die scheinbar beiläufig aneinanderstoßen, so in seiner Raumplastik »Große Fließende« von 1965 — 1966. Schließlich wird nurmehr ein einzelner Stab zum Träger einer auf dem Boden kriechenden, raupenartigen Bewegung, wie in der Raumplastik K IV von 1975. In der Großen Raumkurve von 1981 findet diese Tendenz ihren monumentalen Höhepunkt in einer abschreitbaren gedehnten Kurvatur aus matt geschliffenem Edelstahl. Damit knüpfen seine späten Arbeiten in gewisser Hinsicht an die Formensprache seiner künstlerischen Ausgangspunkte an.

Norbert Kricke stirbt 1984 in Düsseldorf.

Literaturauswahl

Norbert Kricke, 1922 — 1984, Zeichnungen und Raumplastiken: Ausst.-Kat. Inst. für Auslandsbeziehungen, Stuttgart 1996

Norbert Kricke, Raumplastiken und Zeichnungen: Ausst.-Kat. Städtische Galerie im Städelschen Kunstinstitut, hg. v. Klaus Gallwitz, Frankfurt/M. 1980

Morschel, Jürgen: Norbert Kricke, Stuttgart 1976

Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen

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