Niki de Saint-Phalle

1961 wird Niki de Saint-Phalle schlagartig mit ihren skandalträchtigen Schießaktionen in Paris, Stockholm und Kopenhagen berühmt. Sie entwirft zeitgleich erste Materialassemblagen, die u.a. um Motive sexueller Aggression und kindlicher Phantasiewelten kreisen und deutlich von Vorstellungen des Surrealismus und der Psychoanalyse beeinflusst sind.

Niki de Saint-Phalle wird 1930 in Neuilly-sur-Seine bei Paris geboren. Nach dem Umzug der Familie nach New York im Jahr 1933 verbringt sie ihre Kindheit und Jugend in Amerika und kehrt erst 1951 nach Europa zurück. 1953 entstehen ohne künstlerische Ausbildung erste Arbeiten im Bereich der Malerei. 1955 kommt sie mit Werken Jean Tinguelys, Yves Kleins und Robert Rauschenberg in Kontakt. In ihrer ersten Einzelausstellung 1956 in St. Gallen zeigt sie Gipsreliefs und Materialassemblagen.

1961 wird Niki de Saint-Phalle schlagartig mit ihren skandalträchtigen Schießaktionen in Paris, Stockholm und Kopenhagen berühmt. In den Aktionen feuert sie Schüsse auf weiße gipserne Bildreliefs ab, um darunterliegende Farbbeutel zum Zerplatzen zu bringen und mit den ikonoklastisch anmutenden Aktionen einen körperhaften Eindruck der Bild-Zerstörung und Bildschöpfung zu vermitteln.

Saint-Phalle entwirft zeitgleich mit den Schießaktionen erste Materialassemblagen, die u.a. um Motive sexueller Aggression und kindlicher Phantasiewelten kreisen und deutlich von Vorstellungen des Surrealismus und der Psychoanalyse beeinflusst sind (Pink Nude with Dragon 1956/58; Le hachoir 1960). 1961 schließt sie sich in Paris der Malergruppierung der Nouveau Réalisme an, deren Bezeichnung 1960 auf den Kunstkritiker Pierre Restany zurückgeht. Die Mitglieder der Gruppe, so u.a. Daniel Spoerri, César, Christo, Yves Klein und Jean Tinguely verstehen sich als Vertreter einer radikalen Antikunst, die das Material ihrer Arbeit den Abfallprodukten der Gesellschaft entnimmt.

Ab 1963 wendet sich Saint-Phalle dem Thema der weiblichen Sexualität zu, deren gesellschaftlicher Konventionalisierung sie sich mit grotesken und hypertrophen Körper-Assemblagen und theatralischen Installationen von Gebärenden, Bräuten, Hexen und Huren entschieden entgegensetzt (Le cheval et la mariée 1963/64,L’Accouchement rose, 1964). Schließlich enstehen 1964 ihre bekannten Nana-Figuren – großformatige und bunt bemalte üppige Frauengestalten, die Saint-Phalle aus Wolle, Garn, Pappmaché und Drahtgerüsten, später aus Polyester formt. Berühmtestes Beispiel dieser riesigen Skulpturen ist die begehbare weibliche Nana-Skulptur Hon-en katedral, die sie 1966 gemeinsam mit Jean Tinguely und Per Olof Ultvedt im Moderna Museet Stockholm aufbaut. Wirkungsvoll ironisiert die Künstlerin das traditionelle Verständnis des weiblichen Aktes in einer überbordenden und grellbunten matriarchalischen Kult-Feier. Wichtige Einzelausstellungen finden im Anschluss 1968 in Zürich, London, Paris und Düsseldorf statt.
Mit ihrem figürliche Repertoire, das Niki de Saint-Phalle um märchenhafte Phantasiewesen erweitert, entwirft sie gemeinsam mit Jean Tinguely auch eine Reihe öffentlicher Skulpturen, meist Brunnen in denen die kinetischen Objekte ihres Lebensgefährten in absurder Manier erzählerische Akzente setzten (Strawinsky-Brunnen, Paris 1983; Life Saver, Duisburg 1991).

Die seit 1969 zahlreichen Architekturprojekte Saint-Phalles (Golem Jerusalem, 1972; Nana-Piscine St. Tropez, 1974 ) münden in dem monumentalen toskanischenGiardino dei Tarocchi (Tarotgarten), der 1979 — 1997 entsteht. Hier bilden die wichtigsten Figuren des Tarotspiels Akteure einer begehbaren Skulpturenlandschaft, die von den berühmten Gärten von Bomarzo oder der Villa d’Este inspiriert sind.

Neben ihren skulpturalen Werken, der Architektur und Malerei widmet Saint-Phalle sich auch Regie- und Filmarbeiten (Daddy 1973; Camélia et le Dragon, 1975 / 76) und Entwürfen für Möbel, Schmuck, Kostümen und Bühnenbildern.

Niki de Saint-Phalle stirbt 2002 in San Diego / USA.

Literaturauswahl

Niki de Saint Phalle. Der Tarot-Garten, Skulpturen, Entwürfe, Zeichnungen: Ausst.-Kat. Sprengel-Museum, hg. v. Ulrich Krempel, Hannover, 2005

Die Geburt der Nanas. Die Kunst der Niki de Saint Phalle in den 1960er Jahren: Ausst.-Kat. Sprengel Museum, Hannover, 2003

La fête. Die Schenkung Niki de Saint-Phalles. Werke aus den Jahren 1952 — 2001: Ausst.-Kat. Hannover, hg. v. Ulrich Krempel. Ostfildern Ruit 2001

Niki de Saint Phalle. Bilder – Figuren – Phantastische Gärten: hg. v. Carla Schulz-Hoffmann, München, 1997

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

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