Nate Harrison

Harrison stellt grundsätzliche Fragen nach der konkreten Kunstproduktion und dem Kunstverständnis: Wie weit reicht künstlerische Freiheit? Inwiefern stehen sich künstlerische Techniken wie das Sampling, also Übernahme, Rekombination und Verfremden von bestehendem Material, auf der einen Seite und Vorstellungen von Originalität und Authentizität auf der anderen Seite entgegen?

Nate Harrison wird 1972 in Oregon (USA) geboren. Er studiert Kunst an der University of Michigan und am California Institute of the Arts, wo er 2005 den Master of Arts erreicht. Harrisons Themen sind das geistige Eigentum und Urheberrechte in der Kunst, insbesondere in elektronischen Medien. Neben seiner künstlerischen Arbeit ist er Dozent: 2008 an der University of California, wo er seit 2009 auch promoviert (Dissertation: »Appropriation Art and U.S. Intellectual Property Law since 1976«). 2011 lehrt er im Studienprogramm des Whitney Museum of American Art und derzeitig am Museum of Fine Arts in Boston. Als Teilnehmer des »Art & Law Residency Program« in New York (2010), das den professionellen Rahmen bietet, beteiligt sich Harrison intellektuell und künstlerisch intensiv an aktuellen Diskussionen über die Rahmenbedingungen von Kunst, Kunstproduktion und Rechtsfragen. Er hält Vorträge an Universitäten oder auf Festivals wie bei den »Experience Music Projects« in Seattle, aber auch vor Juristen wie in der Kanzlei Sergio Muñoz Sarmiento in New York.

Er hinterfragt die heute selbstverständliche, uneingeschränkte Verfügbarkeit und Allgegenwart von Bildern durch das Internet und mobile Digitaltechnologien, zum Beispiel in seinem Text »The Pictures Generation, the Copyright Act of 1976, and the Reassertion of Authorship in Postmodernity« (2012). Damit ist der Künstler am Puls der Zeit: Geistiges Eigentum sei das »Öl des 21. Jahrhunderts«, so Mark Getty, Gründer der Bildagentur Getty Images (zit. n.: Inke Arns: »Use = Sue. Von der Freiheit der Kunst im Zeitalter des geistigen Eigentums«, in: Anna Kournikowa Deleted by Memeright Trusted System: Ausst.-Kat. Hartware Medien Kunst Verein Dortmund, 2008, 27).

Harrison stellt grundsätzliche Fragen nach der konkreten Kunstproduktion und dem Kunstverständnis: Wie weit reicht künstlerische Freiheit? Inwiefern stehen sich künstlerische Techniken wie das Sampling, also Übernahme, Rekombination und Verfremden von bestehendem Material, auf der einen Seite und Vorstellungen von Originalität und Authentizität auf der anderen Seite entgegen? Damit schließt der Künstler unmittelbar an die abendländische Kunst- und Geistesgeschichte an: Guiseppe Arcimboldo setzt bereits im 16. Jahrhundert Porträts aus Früchten bildlich zusammen. Gottfried Leibniz beschreibt im 17. Jahrhundert die arte combinatoria, das Zusammenführen von Bestehendem, als philosophische Erkenntnismethode. Im 20. Jahrhundert erheben Künstler im Dada und Surrealismus zufällige Gestaltungen, Collagen, Montagen und objéts trouvés zum Kunstprinzip, und in der Appropriation Art der 1970er und 1980er Jahre werden unter anderem bereits »gesampelte« Werke wie Ready Mades von Marcel Duchamp abermals aufgenommen und umgewandelt.

Von der Reflexion über Bilder, ihre Entstehung, ihren Gebrauch und ihre Aussagekraft handeln auch Harrisons Werke wie das Video Stock Exchange (2006) oder das Video-Essay Aura Dies Hard (Or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Copy, 2010). Der Künstler spricht eigene Texte ein, stellt Fragen, richtet sich konkret an Personen wie in einem Brief und berichtet von Ereignissen, die er erlebt, Diskussionen, die er geführt, oder Ausstellungen, die er gesehen hat. So bindet er den Betrachter direkt ein. Dabei bleibt unklar, inwieweit seine Aussagen der Wirklichkeit entsprechen. Sind seine Arbeiten Dokumentation oder Fiktion?

Harrison zeigt seine Werke international in Ausstellungen und auf Festivals, unter anderem in der Galerie Sara Guedj in Paris (2007), im American Museum of Natural History in Washington, Centre Pompidou, Paris, Los Angeles County Museum of Art, Kunstzentrum Beton 7, Athen, Palais Sturany, Wien, dem Kunstverein Hamburg und dem Haus der Kulturen der Welt, Berlin. 2007 erhält er den Preis der Russell Foundation und den Audi Art Award, 2011 den Videonale Preis des Kunstmuseums Bonn.

Nate Harrison lebt und arbeitet in New York.

Literaturauswahl

Videonale. Festival for contemporary video art: Ausst.-Kat. Kunstmuseum Bonn, hg. v. Georg Elben, Bonn, 2011

Anna Kournikowa Deleted by Memeright Trusted System: Ausst.-Kat. Hartware Medien Kunst Verein Dortmund, 2008

Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

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