Nan Hoover

Sie analysiert die Phänomene der Veränderlichkeit mittels unterschiedlicher Instrumentarien und Medien, lenkt ihren konzentrierten Blick auf abstrakte Formationen von Licht und Schatten, auf markroskopisch erfasste Oberflächenstrukturen des eigenen Körpers, auf das inszenierte Wechselspiel von Licht und Textur. Gemeinsam mit Nam June Paik zählt Nan Hoover zu den PionierInnen der Videokunst.

Nan Hoover wird 1931 in New York geboren. Sie beginnt ihre Ausbildung an der Corcoran Gallery School in Washington mit einem Studium der Malerei und Bildhauerei, übersiedelt 1969 nach Amsterdam und wird sechs Jahre später holländische Staatsbürgerin. Anfang der 1970er-Jahre beginnt sie mit Video, Performance, Licht und Fotografie zu arbeiten. Sie unterrichtet an der Rietveld Akademie in Amsterdam, am San Francisco Art Institute in San Francisco und übernimmt 1987 eine Professur für Video und Film an der Kunstakademie Düsseldorf, die sie bis zu ihrer Emeritierung 1997 hält. In mehreren Sommern unterrichtet sie an der Salzburger Sommerakademie. 2005 übersiedelt sie nach Berlin. Die gemeinsam mit Nam June Paik zu den PionierInnen der Videokunst zählenden Künstlerin erhält zahlreiche Kunstpreise.

Hoover zeigt auf ihrer Website als älteste Arbeit head (1959), ein beinahe schwarz-weißes Ölbild auf Leinwand, das in seiner dynamisch-gestischen Anlage den Beginn der für die Video-Künstlerin zentralen Auseinandersetzung mit Licht, Bewegung und Zeit kennzeichnen mag. Auch die Zeichnung thrusting forms (1998), wirkt mit ihrem schwarzem Pastell auf weißem Papier auf den ersten Blick eher als Bewegungsfotografie, denn als Zeichnung. Über diese Motive, aber auch durch ihre Vorliebe für Unschärfe zeigen sich die engen Verbindungen in den weitgefassten Arbeitsfelder Hoovers – neben Zeichnung, Malerei und Skulptur vor allem Fotografie, Videokunst, Videoinstallation, Lichtinstallation und Performance. Die Abstrahierung von Formen und die Überlagerung von Zuständen finden sich sowohl in Hoovers Video- wie auch in ihren Lichtinstallationen. Sie selbst stellt zur Arbeit mit Video klar: »Ich liebe die Transparenz und Brillianz im Video. Das ist ein sehr spezielles Merkmal dieses Mediums. Jedes Medium hat seine eigene Beschaffenheit. Seine eigenen Grenzen.« (www.nan-hoover.com/3_video_tapes/index.ht, 23.3.2009, Übers. d. Red.).

Hoover analysiert die Phänomene der Veränderlichkeit mittels unterschiedlicher Instrumentarien und Medien, lenkt ihren konzentrierten Blick auf abstrakte Formationen von Licht und Schatten (Projections, 1981), auf markroskopisch erfasste Oberflächenstrukturen des eigenen Körpers, auf das inszenierte Wechselspiel von Licht und Textur (Halfsleep, 1984), wobei sie mit den Videos oft der künstlerischen Mittel, so z.B. der Reduktion auf die Schwarz-Weiß-Farbigkeit früherer zeichnerischer und fotografischer Arbeiten, verbunden bleibt. In Returning to Fuji (1984) wird der Berg zur Form, in movement from either direction (1995) schafft sie sinnliche Intimität mit Hilfe dreier Projektionsflächen, die einen Raum im Raum bilden. Die Lichtinstallation Spur des Lichts (1991) zeigt schließlich den theatralisch beleuchteten Außenraum, das Relief der Architektur der Glyptothek in München – der subtilen, rot- und gelbfarbenen Lichtinszenierung von Metropolis (2006) verwandt. In ihren Installationen hinterlassen nicht nur Architektur und Objekte im Raum ihre Schatten, sondern auch die Besuchenden, die so Teil der Rauminszenierung werden. Nan Hoover generiert Denkräume und installiert Orte der Stille und der Konzentration.

Hoover zeigt ihre Arbeiten weltweit. Sie ist auf der Documenta VI und VIII vertreten und stellt 1984 auf der Biennale in Venedig aus. Sie bespielt zahlreiche Kunsthallen, Kunstmuseen und Museen für moderne Kunst, zuletzt stellt sie 2008 gemeinsam mit Bill Viola im Museum der Moderne in Salzburg aus.
Knapp vor Ausstellungsende stirbt Nan Hoover in Berlin. Wenige Wochen vor ihrem Tod gibt sie Sam Schoenbaum ein ausführliches Videointerview, in dem sie über die Kunst, das Leben und den Tod spricht.

Literaturauswahl

Stoos, T.: Nan Hoover. Bill Viola. Some Times: Ausst.-Kat. Museum der Moderne Salzburg, Salzburg 2008

Nan Hoover: 3 Installationen: Ausst.-Kat. Museum Wiesbaden, Wiesbaden 2006

Spielmann, Y.: Video. Das reflexive Medium, Frankfurt/M. 2005
// Perrée, R. (Hg.): Dialogue About Nan Hoover, Köln 2001

Hanten, S.; Schmitt, R. (Hg.): Nan Hoover. Night Letters, Köln 2000

Merkert, J.: Zauberei und Zähneklappern. Texte und Reden zu Künstlerinnen 1973 — 1999, Berlin 1999

www.nan-hoover.com

Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

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