Michel Majerus

Dass das Sammeln von Objekten, Bildern, Ideen, Geschichten etc. zum Prozess des Bewusstwerdens der Menschen gehört, zeigt sich in Majerus’ Kunst symptomatisch für seine Zeit: Erstmals entsteht ein ständig größer, schneller und komplexer werdender Strom von Bildern auf sich ständig ausdehnenden Bildkanälen, die allerdings immer weniger materiellen, beständigen und tiefen Charakter haben.

Michel Majerus wird 1967 in Luxemburg geboren. Von 1986 bis 1992 studiert er Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Bald nach seinem Abschluss zieht er ins eben wiedervereinigte Berlin. Dort lebt er, unterbrochen durch ein Jahr in Los Angeles (2001), bis zu seinem frühen Tod durch einen Flugzeugabsturz im Jahr 2002.

Die 1990er Jahre sind Majerus’ intensive künstlerische Schaffenszeit, reich gefüllt mit einer Vielfalt an Themen und Ereignissen, Materialien und Techniken und einem weiten Spektrum bildlicher Vorlagen, auf die er zugreift. Sie stammen zum Beispiel aus der Pop- und Massenkultur, Computerspielen, Comic, Werbung, TV, Video, Internet, Design und Lifestyle, aus der Fotografie, Textgestaltung und insbesondere aus der abendländischen Kunst wie der Klassischen Moderne, dem amerikanischen Expressionismus der 1950er Jahre, der Pop-Art und der Malerei der Gegenwart. Auch Bilder aus den Naturwissenschaften, die in den 1990er Jahren stark popularisiert werden, fließen ein. Diese Fülle wird sein wesentliches Merkmal: Majerus sammelt, selektiert und sampelt die materiellen und ideellen Zeugnisse seiner Zeit, nutzt sie als Impulse und als Quellen und setzt sie künstlerisch um – in Bildern und installativen Arbeiten.

Dass das Sammeln von Objekten, Bildern, Ideen, Geschichten etc. zum Prozess des Bewusstwerdens der Menschen gehört, zeigt sich in Majerus’ Kunst symptomatisch für seine Zeit: Erstmals entsteht ein ständig größer, schneller und komplexer werdender Strom von Bildern auf sich ständig ausdehnenden Bildkanälen, die allerdings immer weniger materiellen, beständigen und tiefen Charakter haben. Majerus’ Werk ist eine starke Auseinandersetzung mit der Kunstform Malerei, die bei ihm weit über den herkömmlichen Rahmen reicht. Über seinen entschiedenen Zugriff auf den immensen Pool an Quellen hinaus ist auch sein Umgang mit Bildträgern, Präsentationsflächen und Ausstellungsräumen von einer starken Geste geprägt: Er montiert Leinwände gestaffelt zusammen, malt direkt auf die Wand, führt Schriften und Bilder um Ecken herum, über Böden und Decken, und verbindet Bildraum und Ausstellungsraum durch eigens angefertigte Hängesysteme, die ihrerseits Raum-in-Raum-Konstruktionen bilden, für seine bis zu 10 Meter hohen Leinwände. Udo Kittelmann sagt über den Künstler: »Er war ein Bildentwerfer. (…) Er hat versucht, das Medium Malerei zu thematisieren (…) darin er war singulär, und vor allem in seinem Talent, es nicht zu theoretisieren, sondern in eine sehr überzeugende ästhetische Form zu bringen«. (http://bboxxfilme.de/interviews/kunstmuseum-stuttgart-michel-majerus-udo-kittelmann/ am 5.11.2015)

1994 zeigt die Galerie neugerriemschneider in Berlin Majerus’ erste Soloausstellung. Seinen Durchbruch hat er mit der Teilnahme an der Manifesta 2 in Luxemburg 1998, und schon 1999 nimmt er an der Venedig Biennale teil, wo er die Außenfassade des italienischen Pavillons mit einer Text-Bild-Collage gestaltet. Im Kölnischen Kunstverein stellt er 2000 ein Bild in Form einer Halfpipe aus und lässt es Skater nutzen: If we are dead, it is so. 2002 bespielt er die gesamte Abdeckungshülle des Brandenburger Tores während der Restaurierungsarbeiten mit einem Bild der Fassade des »Sozialpalasts«, einem Sozialwohnungsblock in Berlin-Schöneberg. Nach Majerus’ Tod zeigen ab 2005 bedeutende Museen eine Retrospektive: das Kunsthaus Graz, das Stedelijk Museum Amsterdam, die Kestner Gesellschaft Hannover, die Deichtorhallen Hamburg und 2007 das Musée d’Art Moderne Grand Duc Jean in Luxemburg.

Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger

Zu Sammlung hinzufügen…

×
×
×

Liebe Besucherinnen und Besucher,

seit 2006 gibt die museumsplattform nrw einen umfassenden Einblick in die Sammlungen und Aktivitäten ausgewählter NRW-Museen – und regt damit zugleich auch ein neues Publikum zum Museumsbesuch an. Monatlich 13.000 Besucher*innen belegen das Interesse an diesem einzigartigen Instrument zum interaktiven und kommunikativen Umgang mit Kunst im Netz.

Ein intensiv gepflegter und konstant ausgebauter Newsbereich mit Hinweisen zu Ausstellungen und Veranstaltungen oder Features aus der Kunstszene NRWs gehört ebenfalls dazu. 2013 erhielt die bereits seit zehn Jahren aktive Online-Plattform den bedeutenden Grimme Online Award.

Für den Ausbau dieses Online-Angebots sind wir auf den dauerhaften Beteiligungswillen der Museen angewiesen. Auch wenn die aktive Ausgestaltung derzeit nicht erfolgen kann, laden wir Sie doch herzlich ein, unser breites Angebot zum interaktiven und kreativen Umgang mit der Bildenden Kunst und ihren vielfältigen Formen medialer Vermittlung spielerisch zu erkunden.

Ihr NRW KULTURsekretariat