Michael Badura

Seine Interessen gelten abstrakten Zusammenhängen, die durch Konstellationen von Einzelobjekten entstehen – ökologische, museale oder historische Zusammenhänge ebenso wie Wissens- oder auch Farbstrukturen -, und die Bedingungen ihrer Entstehung. Michael Badura verfolgt einen sehr eigenständigen Weg, der ihn aufgrund seiner theoretischen Texte eher als »Künstler-Forscher« (Fehr 1992), denn als Kunstschaffenden in Erscheinung treten lässt.

1938 in Oppeln / Oberschlesien geboren, studiert Michael Badura 1955 — 57 an der Textilingenieurschule Krefeld, 1957 — 60 an der Werkkunstschule Krefeld. Ab 1960 arbeitet er als Maler und Designer. 1962 — 63 hat er einen Lehrauftrag an der Werkkunstschule Kassel, 1963 — 78 arbeitet er als wiss. Zeichner für die Universität Göttingen. 1978 — 79 lehrt er an der Städelschule in Frankfurt und hat seit 1979 eine Professur für Malerei und Grundlagen der Gestaltung an der Universität Wuppertal.

Badura beschäftigt sich bis 1963 vor allem mit traditionellen Zeichen-, Druck- und Maltechniken. Bald beschäftigt ihn die Frage, »ob und inwieweit Kunst oder besser gesagt: künstlerisches Arbeiten ein geeignetes Mittel sein könne, allgemeine oder für die Allgemeinheit relevante Erkenntnisse zu gewinnen und zur Anschauung zu bringen.« (Fehr 1992). Badura verfolgt im Verhältnis zur Kunstszene der Zeit einen sehr eigenständigen Weg, der ihn aufgrund seiner theoretischen Texte eher als »Künstler-Forscher« (Fehr 1992), denn als Kunstsschaffenden in Erscheinung treten lässt. Seine Interessen gelten abstrakteren Zusammenhängen bzw. Strukturen, die durch Konstellationen von Einzelobjekten entstehen – ökologische, museale oder historische Zusammenhänge ebenso wie Wissens- oder auch Farbstrukturen –, und die Bedingungen ihrer Entstehung.

Frühe Arbeiten (Der Organisator, 1964; Klumpenmuseen, ab 1970) verdeutlichen dies ebenso wie die Beschäftigung mit ökologischen Problemen um die Mitte der 1960er Jahre oder das Konzept Farbmenschen in den 70ern, das sich als ebenso metaphorisch angelegtes wie absurdes Farbmodell der Identitätsverwandlung verstehen lässt. Mit einer neuen Werkgruppe widmet sich Badura in den 70er Jahren den Darstellungsformen von Geschichte und rückt damit den Fiktionsgehalt von Indizienketten, das Verhältnis von Objekt, Fakten und Geschichte in den Blickpunkt seiner methodischen Analysen (Die Geschichte einer Kriminalgeschichte,1972/73; Hypothesenbilder, ab 1973). Die Arbeit an seinen Farbdossiers (Badura, Bochum 1978) lassen sich als folgerichtige Weiterführung der willkürlichen und logisch-kausalen Verknüpfungsstrukturen in den Geschichtsbildern verstehen. Auch die Möglichkeiten digitaler Bildherstellung und des Computers als Ordnungs- bzw. Systematisierungsinstrument, die Badura als einer der ersten Künstler in den 80er Jahren auslotet, sind seinem konzeptuellen Ansatz verpflichtet.

Seine Arbeiten scheinen stets auf die Vermittlung eines Bildes von Welt und Weltordnung bzw. auf die Erfassung aller »Stoffe dieser Erde in allen Verbindungen« zu zielen, wie der Künstler selbst sein textlich kommentiertes Weckgläserarchiv Eingeweckte Welt von 1964/67 als »Prozessammlung« beschreibt (vgl. Bleilegende,1971; Kürbis-Geschichte, 1972). Dabei setzt er stark auf den spielerisch-experimentellen Umgang mit den gewählten Objekten, die er in immer wieder veränderten Anordnungen und Strukturen formiert, um neue Wissensbereiche zu erkunden. Baduras Texte, die er zu einzelnen Arbeiten und Werkabschnitten verfasst, geben dazu stets konzeptuelle werkbezogene, kommentierende oder aber auch höchst irritierende Hinweise.

Michael Badura wird seit 1961 vielfach in themen- und werkspezifischen wie Gruppenausstellungen in Galerien und Museen gezeigt (u.a. »Eingeweckte Welt – das totale System«, Göttingen 1967; »(Orwell-)Büro«, »Fragment-Geschichten und Hypothesenbilder«, Florenz 1976; »Farb-Häute und Farb-Blätter«, Wuppertal 1983; »Werkauswahl«, München 1988). 1977 ist Badura auf der Documenta 6 vertreten.

Literaturauswahl

Fehr, Michael: Michael Badura, Werke bis 1991, Nürnberg 1992

Michael Badura: Ausst.-Kat. Von der Heydt Museum, Wuppertal1983

Michael Badura: Ausst.-Kat. Heidelberger Kunstverein, Museum Bochum, 1978

Michael Badura: Ausst.-Kat. Frankfurter Kunstverein, Frankfurt/M. 1975

Michael Badura. Klumpen, Fichtel, Eingewecktes Gift: Ausst,.-Kat. Städtisches Museum Göttingen, Göttingen 1971

Texte v. Michael Badura: badura.in.hagen.de

Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

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