Mic Enneper

Aufgrund der Konzeption der Arbeiten, die dem Betrachter eine besondere Rolle zukommen lässt – nämlich die Möglichkeit zur unmittelbaren und individuellen Erfahrung von Zeit und Raum -, sowie aufgrund ihrer strengen, geometrischen Form, ihrer präzisen Ausführung und der perfekten Oberfläche ähneln Mic Ennepers Werke auf den ersten Blick Objekten der Minimal Art. Im Unterschied zu dieser sind seine Arbeiten aber inhaltlich extrem aufgeladen.

Mic Enneper wird 1950 in Unna geboren. Von 1967 bis 1974 studiert er an der Kölner Fachhochschule für Kunst und Design bei dem Maler Karl Marx. Seit 1978 erhält er zahlreiche Stipendien, u.a. vom Office Franco-Allemand pour la Jeunesse, von der Stadt Köln, von der Villa Serpentara in Olevano-Romano, vom Kunstfond Bonn, von der Kunststiftung Starke, Berlin sowie das Philip-Morris-Scholarship Berlin.

Ursprünglich Maler interessiert sich Enneper schon bald weniger für die malerische Darstellung von Themen, sondern entwickelt auf der Suche nach der eigenen Identität in Projekten, Objekten und Installationen »Bilder«, deren zentrales Thema die »Zeit« in ihren verschiedenen Zuständen (Dauer, Vergänglichkeit, Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft) und Bedeutungen (Gedächtnis, Erinnerung, Speichermedien) ist. »In den siebziger Jahren unternahm Enneper in abgelegenen, naturwüchsigen Landschaftsräumen unspektakuläre künstlerische Eingriffe vor, deren Resultate er im selben Moment ihrer Verwischung und Verwitterung preisgab.« (S. Schütz: Spuren, Lager, Eis und Wachs. Erinnerungsmetaphern im Werk von Mic Enneper, in: Mic Enneper oder Begegnungen mit der Zukunft in der Vergangenheit. Hg. v. M. Wienand, Köln 1999, S. 49 — 60). Diese »progetti d’arte« (Enneper) und ihre Stadien des Vergehens hält der Künstler mittels Fotografien fest.

Seit 1987 konzipiert und baut er architektonische Projekte speziell für bestimmte Innenräume (Museum, Galerie). Als Werkserien tragen sie Titel wie Der Schatten, Die Konstruktion, Das Material, Lager und Laboratorium. 1994 erarbeitet Enneper zusammen mit der Künstlerin und Schrifstellerin Claudia Schink das BuchprojektDie Lehre der Architektur I , das u.a. drei nicht realisierte Modelle für Speicherorte und »Gedächtnis-Topoi« (S. Schütz, S. 55) dokumentiert: Das Museum, Die Bibliothek, Das Archiv.

Enneper macht in seinen Arbeiten »Zeit« mittels verschiedener Materialien sichtbar, die unterschiedliche Eigenschaften haben und mit verschiedenen Konnotationen versehen sind. Die aus Holz konstruierten Arbeiten werden mit schwarzem Pigment präpariert oder mit bleifarbenem Graphitpigment so poliert, dass die Formen wie aus einem Guss wirken; oder sie werden mit hartem Stahl, weich fließendem Molton, weichem, Lebensimpulse symbolisierenden und den Geruchssinn des Besuchers anregenden Bienenwachs (wie in Korona, seit 1990) oder »kaltem« Paraffin (Eismeer, seit 1993) kombiniert.
Ein besonderer Aspekt in Ennepers Schaffen ist die Zerstörung der ortspezifischen, temporären Installationen und die Weiterverwertung ihrer Reste (Holzsplitter, Asche). Am Ende dieses weiteren Transformationsprozess des Materials präsentiert Enneper existierende Reststücke als »Aggregatzustände«, wie in der TrilogieTransit (1992 — 94), oder in Wandreliefs und Bodenarbeiten. In der schreinartigen Arbeit Material-Schatten I – III (1989) befinden sich Holzsplitter zerstörter früherer Werke. Wenn Enneper von diesen als »Reliquien« spricht und den »Kanon von Glauben, Verehrung und Heiligung in das System der Kunst überführt«, weist das auf seine spezifische Konzeption hin, in der der Teil – ganz im Sinne des abendländischen Tradition des Reliquienkultes – das Ganze repräsentiert (vgl. C. Schink: Corpus Corruptum – Mysterium Luminis. Eismeer und Korona – die Wachsarbeiten von Mic Enneper, in: Mic Enneper oder Begegnungen mit der Zukunft in der Vergangenheit. Hg. v. M. Wienand, Köln 1999, S. 23 — 40). Zugleich wird die besondere Funktion von Kunst als »Speicher« von Erfahrung anschaulich gemacht.

Aufgrund der Konzeption der Arbeiten, die dem Betrachter eine besondere Rolle zukommen lässt – nämlich die Möglichkeit zur unmittelbaren und individuellen Erfahrung von Zeit und Raum –, sowie aufgrund ihrer strengen, geometrischen Form, ihrer präzisen Ausführung und der perfekten Oberfläche ähneln Ennepers Werke auf den ersten Blick Objekten der Minimal Art. Im Unterschied zu dieser sind seine Arbeiten aber inhaltlich extrem aufgeladen. Die Titel, die auf verschiedene Kontexte verweisen, erweitern Ennepers Objekte um eine historische Dimension. So erinnert beispielsweise Korona an den christlichen Strahlenkranz, Eismeerverweist auf das gleichnamige Gemälde von C.D. Friedrich, Lager, Laboratorium und Transit beschreiben zunächst vor allem technisch erzeugte Energieströme oder Zustände, sind aber – wie ein Blick in Geschichte und Gegenwart zeigt – keineswegs neutral.

Ennepers Arbeiten werden seit 1988 kontinuierlich in Ausstellungen in Deutschland gezeigt.
Mic Enneper lebt und arbeitet in Köln.

Literaturauswahl

Wienand, M. (Hg.): Mic Enneper oder Begegnungen mit der Zukunft in der Vergangenheit, Köln 1999

Mic Enneper: Das Arsenal 1987 — 1996: Ausst.-Kat. Leverkusen, Nürnberg, Marl 1996

Claudia Schink und Mic Enneper: Die Lehre der Architektur I, Köln 1994

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

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