Max Almy

Plattitüdenhafte Charakterisierungen des Partners – eindimensionale Beschreibungen eines Idealtyps – »You can do it, …. don’t give up, …. You’ll make it ..«. Seit den 1970er Jahren setzt sich Max Almy kritisch-experimentell im Medium Video mit der Gegenwart, den Problemen des Alltäglichen und Medialen auseinander.

Max Almy wird 1948 in Oakland/ Kalifornien geboren. Ihr Studium absolviert sie an der University of Nebraska, schließt am California College of Arts and Crafts mit dem Master ab. Verschiedene Fellowships führen sie u.a. 1984 in das Independent Filmmakers Program am American Film Institute, 1985 ist sie u.a. Artist-in-Residence an der West Coast University, 1986 am ORF-Landesstudio in Oberösterreich. Lehraufträge erhält Almy an der School of Film and Television und der University of California.

Seit den 1970er Jahren setzt sich Max Almy kritisch-experimentell im Medium Video mit der Gegenwart, den Problemen des Alltäglichen und Medialen auseinander. Videoarbeiten dienen ihr zur Dokumentation eigener Performances, von Installationen und Ausstellungen. Almy entwickelt eine eigene Bildsprache, die sich aus verschiedenen Medien speist, Live-Video-Aktionen, digitale Video-Effekte, Computergrafiken und Animation kombiniert (vgl. Almy, Ars Electronica 1986). Für eine der frühen Videos verwendet Almy 1977 vier bildhaft eingesetzte Monitore zur Darstellung von erzählerischen Serien. Das darauf aufbauende Tape I Love You (1976) führt die Fernsehscreens zu einer Bildkonstellation zusammen. Hier wird das Zoombild eines Mundes, der klischeehafte Details einer Liebesbeziehung verbreitet, mit dem rauschenden Grau der anderen Bildschirme konfrontiert, um schließlich in einem komplexen vierteiligen Bild- und Tonensemble von zeitversetzt sprechenden Mündern konfiguriert zu werden.

Auch mit den folgenden Videoarbeiten hält Almy an ihren Themenfeldern um soziale Phänomene, politische und ökonomische Kontexte fest. Sie verwendet massenmedial verbreitete sprachliche wie bildliche Klischees für ihre kritische Hinterfragung von Werbe- und Fernsehtechniken. Bild und Ton der Videos dokumentieren dabei in enger Abstimmung von Synchronität und zeitlichem Versatz die stereotype (Bild-)sprachliche Alltagskommunikation. Immer wieder ist die Sprache selbst, aber auch das Bild des Mundes, das in Almys Arbeiten kontinuierlich als Zeichen massenmedial gespeister, inhaltsleerer Kommunikation und Information eingesetzt wird, Angriffspunkt (Deadline, 1980). Plattitüdenhafte Charakterisierungen des Partners, eindimensionale Beschreibungen eines Idealtyps, aber auch jenes »You can do it, …. don’t give up, …. You’ll make it ..«, das Almy als omnipräsente Formel entlarvt, mit der sich die US-amerikanische Gesellschaft ihres (nicht nur sportlichen) Möglichkeitspotenzials versichert (Deadline, 1980), sind wesentliche Bausteine ihres medienkritischen, sprach-bildhaften Ansatzes.
So nehmen sich auch Almys Visionen zum Ende des 20. Jahrhunderts wie Ausblicke in eine fernsehdominierte Bild- und Sprachvermittlung aus, die direkt und ungefiltert in die Köpfe der Menschen übertragen wird (Leaving the 20th Century, 1982). In dieser, durch eine Synthesizer-Stereopartitur gestützten Arbeit werden auch bereits Computergraphiken, digitale Video- und komplexe Stimmbearbeitungseffekte verwendet. Die neue Computerästhetik mischt sich in Almys videovermittelte Bildkonzepte und zeigt neue technische und mediale Varianten der Manipulation auf (Perfect Leader, 1983).

Seit Ende der 1980er Jahre gewinnen narrative Bild- und Tonsequenzen in Almys Videos an Bedeutung. Die zum Teil absurd-komischen Szenenfolgen nutzen wieder den Bildfundus kommerzieller TV-Produktionen. Popularisierte Wissenschaftssendungen oder Werbespots, die von der Medienpräsenz und verbindlichen Eloquenz eines Moderators oder Protagonisten getragen werden, bestimmen das erzählerische und nun längere Format der Arbeiten (The Thinker, 1989). Der Einsatz von Computeranimationen und scheinbaren Menükontexten stützen in den Videoarbeiten der 1990er Jahre den Eindruck von scheinbarer Interaktivität und Einflussnahme über einfachste Entscheidungs- und Auswahlkriterien. Hier dokumentiert sich die von Almy hinterfragte Simplizität und Konkretion massenmedial verbreiteter Informations- und Kommunikationsangebote, die sich nunmehr in der Flut der digitalen Bilder, der Reihung der Sprachformeln und dem tatsächlichen Entzug an Einflussmöglichkeiten durch den User/Zuschauer niederschlägt (Utopia, 1994) – das »lost in the pictures«.

Schnell finden Almys Videos selbst Verbreitung über Fernsehen und Festivals, so u.a. im Rahmen der Ars Electronica oder Bonn Videonale. Ausstellungen nehmen sich Almys Arbeiten u.a. 1977 im San Francisco Museum of Modern Art, 1982 im Longbeach Museum of Art an. Im internationalen Ausstellungsbetrieb ist sie seitdem kontinuierlich präsent (u.a. Stedelijk Museum, Amsterdam; Centre Georges Pompidou, Paris; The Museum of Modern Art, New York; The Museum of Contemporary Art, Chicago; Kunsthaus, Zurich).

Max Almy lebt und arbeitet in Los Angeles.

Literaturauswahl

Video drive-in: Max Almy, Michael Smith, Bill Viola u.a.. 3 programes de vídeo Americà: Kat. Ivam Centre Julio Gonzalez, hg. v. K. Horsfield, C.A. Klonarides, Valencia 1989

Difference. On representation and sexuality. Max Almy, Ray Barrie u.a.: Ausst.-Kat. The New Museum of Contemporary Art, New York u.a., hg. v. Kate Linker, New York 1984

Andere Avantgarde: Ausst.-Kat. Brucknerhaus Linz, hg. v. Linzer Veranstaltungsges., Linz 1983

Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

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