Martin Parr

Er wird zurecht als kritischer fotografischer Chronist der Gegenwart bezeichnet. Sein Blick richtet sich auf Ungewohntes, Ungewöhnliches, mitunter Abseitiges. Parr wendet sich mit ebenso provozierenden wie ironischen Fotografien übersehenen Facetten des Alltäglichen zu, erfasst Menschen in eigenwilligen Situationen, in speziellen Gruppengefügen und an besonderen Orten.

Martin Parr wird 1952 im englischen Epsom/ Surrey geboren. 1970 nimmt er, früheren fotografischen Interessen folgend, das Studium der Fotografie am Manchester Polytechnic auf, das er bis 1973 verfolgt. Er beteiligt sich in dieser Zeit an verschiedenen fotografischen Projekten, die sich, wie auch die späteren Arbeiten, bereits der fotografischen Dokumentation sozialer Gefüge und Bedingungen widmen. 1973 betätigt sich Parr mit Home Sweet Home auch auf dem Feld der Installation, verfolgt diesen Weg jedoch nicht weiter. 1994 wird er Mitglied der bekannten Fotoagentur Magnum, 2004 als Professor für Fotografie an die University of Wales Newport berufen. Im gleichen Jahr ist er Gastdirektor der jährlichen Rencontres D’Arles, anlässlich derer er auch eine Ausstellung organisiert.

Parr wird zurecht als kritischer fotografischer Chronist der Gegenwart bezeichnet. Sein Blick richtet sich auf Ungewohntes, Ungewöhnliches, mitunter Abseitiges. Er wendet sich mit seinen ebenso provozierenden wie ironischen Schwarz-Weiß-Fotografien seit den 1970er Jahren, später den Farbfotografien, die vielfach in mehrjährigen Serien entstehen, übersehenen Facetten des Alltäglichen zu, erfasst Menschen in eigenwilligen Situationen, in speziellen Gruppengefügen und an besonderen Orten. Seine Sujets bezieht Parr aus jenen gesellschaftlichen Bereichen, die, wie beispielsweise der Massentourismus (New Brighton, Merseyside, 1983 — 86), eigenen Regeln folgen und spezielle Orte belegen. Zunächst gilt sein Interesse dem kleinbürgerlichen Leben in England, ein Themenkomplex, der sich jedoch bald international ausweitet. Szenarien des alltäglichen Einkaufs, der U-Bahnfahrt oder des häuslichen Mittagstischs, Situationen am Check-in-Schalter eines Flughafens oder Einblicke in ein Call-Center sind in Parrs eigenwilligen, ausschnitthaften, retuschierten, mitunter unscharfen oder auch überbelichteten Bildern oft snapshotartig und amateurhaft angelegt. Dabei scheut Parr nicht vor der Wiedergabe von verbrauchten Klischees und kollektiven Stereotypen zurück, die beispielsweise seine jüngeren Fotografien der englischen Society auf dem Pferderennplatz (Ascot, 2003) oder auch von den stolzen Besitzern eines Schrebergartenhäuschens (Germany, 2002) kennzeichnen.

Neben eigenen Fotografien betätigt sich Parr auch als Chronist der Alltagsfotografie anderer – sammelt ebenso »langweilige Postkarten« wie auch Arbeiten des Fotografen John Hindes oder auch fotografische Porträts, die Parr auf seinen ausgiebigen Auslandsreisen von sich machen lässt und die er – wie auch seine eigenen Fotoserien – in den inzwischen über 20 konzeptuellen Fotobüchern veröffentlicht.
In den letzten Jahren erweitert Parr überdies sein Œuvre um filmische Arbeiten, die beispielsweise mit Interviewserien erneut an britischen Urlaubsorten und in engerem Zusammenhang mit seinen fotografischen Arbeiten entstehen, die aber mit Videos z.B. über die Pop Gruppe »Pet Shop Boys« nun bisweilen auch kommerzielleren Charakter annehmen.

Parr ist seit Beginn der 1970er Jahre an Ausstellungen beteiligt, die Aspekte Gegenwartsfotografie thematisieren, so u.a. im Pariser Centre Nationale de la Photographie (»Quelques Anglais«, 1985), im Museum fur Gestaltung in Zürich (»A British View«, 1988) oder im Haus der Kunst in München (»Click Double Click«, 2006). 2002 findet auf Initiative der Barbican Art Gallery und des National Museum eine Retrospektive seines fotografischen Werks statt, die 2006 in die Deichtorhallen in Hamburg übernommen wird. 2008 widmet das Haus der Kunst, München Martin Parr eine umfangreiche Ausstellung (»ParrWorld«).

Martin Parr lebt und arbeitet in England.

Literaturauswahl

Martin Parr, Objects, London 2008

Phillips, S.: Martin Parr, Berlin, London 2007

Martin Parr: Mexico, London 2006

The photobook – a history. Martin Parr and Gerry Badger, London u.a. 2004

Williams, V.: Martin Parr, London 2002

Martin Parr: Ausst.-Kat. Deichtorhallen, hg. v. V. Williams, Hamburg 2003

Martin Parr – Autoportrait, London 2000

Martin Parr – Benidorm: Ausst.-Kat. Sprengel Museum, Hannover 1999

Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014

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