Martha Laugs

Sie verwendet unterschiedliche künstlerische Medien (Fotografie, Zeichnung, Malerei, verschiedene Druckverfahren, Objekte, Lichtprojektionen, Video-Installationen) und verarbeitet Fundstücke. Martha Laugs Umgang mit komplexen, häufig sehr ernsten Themen ist geprägt von Humor, Ironie und einem spielerischen Ansatz.

Martha Laugs wird 1935 in Stolberg/ Rheinland geboren. Nach ihrer Ausbildung zur Fotografin (1953 — 1956) übt sie ab 1960 ihren Beruf in Paris aus. Im Anschluss lehrt sie Fototechnik an der Fachhochschule Aachen (Fachbereich Design). 1970 nimmt Laugs ein Studium der freien Kunst an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf auf und wird dort 1975 Meisterschülerin von Rolf Crummenauer. Seither ist sie freischaffende Künstlerin.

Laugs Konzepte, Projekte und Serien sind geprägt von »Inhalten und Fragestellungen ethischer, sozialer, philosophischer, wenn nicht moralischer Natur«, die häufig Referenzen zu naturwissenschaftlichen Komplexen aufweisen (G. Uelsberg: Technically Sweet. Der Fall einer künstlerischen Untersuchung, in: Technically Sweet, Ausst.-Kat. Mülheim a.d.R., 1996, 13). Sie verwendet unterschiedliche künstlerische Medien (Fotografie, Zeichnung, Malerei, verschiedene Druckverfahren, Objekte, Lichtprojektionen, Video-Installationen) und verarbeitet Fundstücke. Ihr Umgang mit den komplexen, häufig sehr ernsten Themen ist geprägt von Humor, Ironie und einem spielerischen Ansatz. Die »Untersuchungen« der Themenkomplexe, die häufig auch als Hommage gedacht sind (z.B. das Metallobjekt Hommage à Möbius, 1979), sind systematisch angelegt und Laugs zeigt die Recherche- und Reflexionsschritte auf. So finden sich z.B. im Ausstellungskatalog »Technically Sweet« eine lange Bibliografie, die alle von Martha Laugs zum Komplex »Atombombe« gelesene Literatur chronologisch verzeichnet, allgemeine Texte und Comics zu »Schrecken und Ästhetik« sowie eine Videografie.

Diese bilden den Fundus für die großangelegte Serie Technically Sweet – 100 Ansichten zum wunderbaren Augenblick (1992 — 95), in der sich Laugs intensiv mit atomaren Explosionen auseinandersetzt. Auch diese Arbeiten entstehen in unterschiedlichen Techniken und Formaten: Priscilla (1994), Mururoa (1994) u.a. sind digital verfremdete Fotografien als großformatige Inkjet-Drucke auf PVC-Plane, Mike (1995 — 96) ist ein Gobelin mit einem Durchmesser von 160cm, Gemälde wie Pilz A (1994) oder Pilz D (Bikini) (1995) sind als Auftragsarbeiten in Malerateliers in Thailand entstanden. Mit der Negierung einer eigenen künstlerischen »Handschrift« und der gleichzeitig mit den diversen Techniken eingeführten Medienreflexion verhindert Laugs, »dass die ›Ästhetik des Schreckens‹ zu einer neuen und schrecklichen Ästhetik wird.« (G. Uelsberg: Technically Sweet. Der Fall einer künstlerischen Untersuchung, in: Technically Sweet, Ausst.-Kat. Mülheim a.d.R., 1996, 14). Die Farbigkeit der Bilder und die durch den Stil der thailändischen Künstler hinzugekommenen Bedeutungsebenen erzeugen kitschige Momente und Klischees. Dadurch verhindert Laugs einen unmittelbaren, emotionalen Zugang zu den Arbeiten. Der Betrachter – zwischen Faszination und Schrecken schwankend – beginnt zu reflektieren.

Einen anderen Ansatz verfolgt die Künstlerin in ihrer dokumentarfotografischen Arbeit America After Life, die 1997 bis 2000 bei Reisen im Südwesten der USA und Mexiko entstanden ist. Die Farbfotografien über Friedhofs- und Bestattungssituationen erzählen anhand von skurrilen und denkwürdigen Grabstätten, von liebevoll selbstgestalteten oder ganz einfachen Grabsteinen, -platten und –kreuzen eine amerikanische Kulturgeschichte des Todes.
Seit 1971 Laugs Arbeiten in Gruppen- und Einzelausstellungen in Deutschland, Europa und den USA zu sehen.

Martha Laugs lebt und arbeitet in Aachen.

Literaturauswahl

»America after Jesus«. Bilder aus dem Bible-Belt: Ausst.-Kat. Städtisches Museum Schloss Morsbroich, Leverkusen 2005

Martha Laugs. »America After Life«, München 2000

Martha Laugs: Technically Sweet: Ausst.-Kat. Mülheim a.d.R. 1996

Martha Laugs. Objekte und Installationen: Ausst.-Kat. Neuer Berliner Kunstverein, Stadtmuseum Ratingen, Berlin 1991

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger

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