Martel Wiegand

Das »Sowohl-als auch«, das Denken in Möglichkeiten statt in Ausschließlichkeiten nimmt in Wiegands Arbeiten in vielen Variationen und unterschiedlichsten Techniken Gestalt an. Auch einzelne Motive wie typische Köpfe im Profil finden sich mehrfach, beispielsweise in den Textilbildern ebenso wie in den Linolschnitten; eine weitere wichtige Werkgruppe.

Martel Wiegand wird 1922 in Düsseldorf geboren. Noch während des Krieges nimmt sie ihr Kunststudium zunächst in Düsseldorf auf und setzt es nach zwei Semestern an der Akademie der Bildenden Künste in München fort (1946 bis 1949). Nach Kriegsende und einem erneuten Wechsel zurück an die Staatliche Kunstakademie (1950) macht sie 1952 ihr Examen in freier Malerei. Im Anschluss erhält sie dort 1953 bis 1955 einen Lehrauftrag in der Experimentierklasse für Kinder. Gut 20 Jahre lang arbeitet sie als Dozentin am Seminar für Werktätige Erziehung in Düsseldorf und ab 1973 zehn Jahre lang als wissenschaftliche Mitarbeiterin für Kunsterziehung an der Universität Essen. In den 1970er Jahren reist sie mehrfach zu Studienaufenthalten nach Irland und wird 1977 Jahresstipendiatin der Villa Romana in Florenz.

Martel Wiegand widmet sich unterschiedlichen künstlerischen Gattungen: der Bildhauerei, dem Zeichnen, der Grafik, der Collage. Für ihre Objekte verwendet sie vielfach textile Materialien: Tücher und Alltagstextilien näht sie zu teils raumgreifenden, farbenprächtigen Bildern zusammen. Sie tragen abstrakte und gegenständliche Motive wie Kreise und Streifen, Wellen oder Hände, Gesichter, Tiere und Naturmotive. 1996 stellt Wiegand zwei zwölf Meter hohe Treppenhaustücher für das Museum Schloss Moyland her. Sie hingen an den Wänden des großen Treppenhauses. Wiegand legt mehrere Schichten übereinander, schneidet sie auf, legt Ebenen frei, rafft oder strafft, übernäht die Stoffe mit Mustern. Diese Textilbilder bestehen in sowohl kantigen als auch fließenden Formen, sind kleinteilig oder in großen Flächen zusammengesetzt.

Das »Sowohl-als auch«, das Denken in Möglichkeiten statt in Ausschließlichkeiten nimmt in Wiegands Arbeiten in vielen Variationen und unterschiedlichsten Techniken Gestalt an. Auch einzelne Motive wie typische Köpfe im Profil finden sich mehrfach, beispielsweise in den Textilbildern ebenso wie in den Linolschnitten; eine weitere wichtige Werkgruppe.

Wiegand entwickelt eine charakteristische, komplexe Arbeitsweise. Sie arbeitet auch mit dem Material Linoleum und in dieser Technik frei, also vor allem spontan und »unorthodox«: Sie beschneidet die Plattenränder unregelmäßig, lässt Schnittformen bis an die Ränder laufen, lässt sie sich quasi entwickeln und über das Blatt verteilen. Auch verwendet sie häufig keine Druckpresse, sondern druckt auf dem Fußboden, indem sie mit den Füßen das Papier auf die Platte presst, verschiebt es leicht, druckt abermals. Vielfach verwendet sie dieselbe Platte in verschiedenen Bearbeitungszuständen, kombiniert sie mit anderen Platten in immer wieder neuen Konstellationen und Farben.

Auch kleinteilige, feingliedrige Objekte fertigt Wiegand – meist sind es Komposite aus Alltagsgegenständen, die dem textilen Bereich entstammen, beispielsweise bunte Nähgarnröllchen und Knöpfe in der textilen Bildcollage Seilchenspringer (1982).

Martel Wiegand wird mehrfach für ihr Werk ausgezeichnet: 1984 erhält sie den Kunstpreis »Blickpunkt Niederrhein«, 1988 den Preis »Fahne Solidarität« in Mannheim und 1994 den Kunstpreis »Xylon 12 International« in Winterthur.

Seit 1955 nimmt sie an einer Vielzahl von Ausstellungen in Museen und Galerien sowie an zahlreichen Kunstmessen im In- und Ausland teil, unter anderem an der Schau »Unterwegs 1981 1982« in der Galerie der Stadt Iserlohn Die Welle (1982) sowie »Kopf und Kragen« in der Galerie Niepel, Düsseldorf (1998). Im Jahr 1992 zeigt die Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen unter dem Titel »Köpfe Schiffe Schachteln« die Linolschnitte. Das Ausstellungshaus Spoerri im österreichischen Hadersdorf am Kamp präsentiert 2014 in der Schau »Mit dabei. 3x Wiegand und Spoerri« Textilarbeiten und 2003 richtet das Museum Schloss Moyland in Bedburg-Hau eine umfassende Werkschau aus.

Martel Wiegand stirbt 2006 in Kaarst.

Literaturauswahl

Strieder, Barbara: Martel Wiegand. Drunter und drüber. Werkauswahl 1959 2002. Auswahlkatalog aus dem Bestand der Stiftung Museum Schloss Moyland, Sammlung van der Grinten, Joseph-Beuys-Archiv des Landes Nordrhein-Westfalen, Bedburg-Hau 2003

Köpfe, Schiffe, Schachteln. Linolschnitte von Martel Wiegand: Ausst.-Kat. Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen 1992

Martel Wiegand. Aquarelle, Collagen, Applikationen, Gewebe: Ausst.-Kat. Die 21. Ausstellung im Hause van der Grinten, Kranenburg 1966

Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014

Zu Sammlung hinzufügen…

×
×
×

Liebe Besucherinnen und Besucher,

seit 2006 gibt die museumsplattform nrw einen umfassenden Einblick in die Sammlungen und Aktivitäten ausgewählter NRW-Museen – und regt damit zugleich auch ein neues Publikum zum Museumsbesuch an. Monatlich 13.000 Besucher*innen belegen das Interesse an diesem einzigartigen Instrument zum interaktiven und kommunikativen Umgang mit Kunst im Netz.

Ein intensiv gepflegter und konstant ausgebauter Newsbereich mit Hinweisen zu Ausstellungen und Veranstaltungen oder Features aus der Kunstszene NRWs gehört ebenfalls dazu. 2013 erhielt die bereits seit zehn Jahren aktive Online-Plattform den bedeutenden Grimme Online Award.

Für den Ausbau dieses Online-Angebots sind wir auf den dauerhaften Beteiligungswillen der Museen angewiesen. Auch wenn die aktive Ausgestaltung derzeit nicht erfolgen kann, laden wir Sie doch herzlich ein, unser breites Angebot zum interaktiven und kreativen Umgang mit der Bildenden Kunst und ihren vielfältigen Formen medialer Vermittlung spielerisch zu erkunden.

Ihr NRW KULTURsekretariat